Aids-Hilfe Bremen

Für eine Zukunft ohne Aids

Der Bremer Verein Aids-Hilfe im Ostertor erweitert sein Schnelltest-Angebot in einem neuen Testzentrum. Zudem bietet das Team ab Oktober Heimtestungen und Tests in der JVA an.
06.09.2018, 06:30
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Für eine Zukunft ohne Aids
Von Pascal Faltermann
Für eine Zukunft ohne Aids

Mario Carlo Stara und das Team der Aids-Hilfe Bremen haben ein Testzentrum in den Räumen am Sielwall 3 eingerichtet und das Schnelltest-Angebot erweitert.

Christina Kuhaupt

Ab Herbst sollen in Deutschland HIV-Selbsttests in Drogerien frei verkäuflich sein. Grund genug für den Bremer Verein „Aids-Hilfe – Zentrum für Suchterkrankungen und sexuelle Gesundheit“ darauf zu reagieren. Voraussichtlich ab Oktober bietet die Einrichtung im Bremer Ostertor selbst Heimtests mit gleichzeitiger Beratung und Begleitung an. Um das Ziel zu erreichen, Aids in Deutschland bis ins Jahr 2020 zu beenden und die Verbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen einzudämmen, hat die Aids-Hilfe zudem weitere Bereiche erneuert und aufgefrischt. In dem Haus am Sielwall 3 haben die Mitarbeiter in umgestalteten Räumen ein neues Testzentrum eingerichtet, wo sie ein überarbeitetes Schnelltest-Konzept anwenden. Damit nicht genug: Mario Carlo Stara und seine Kollegin Beate Augustin sind ab sofort regelmäßig in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bremen, um dort Inhaftierte zu beraten, zu testen und Aufklärungsveranstaltungen zu organisieren.

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„Safer Sex 3.0 – mehr Schutz vor HIV. Du entscheidest“, steht auf einem kleinen Flyer, der auf einem Tisch im Eingangsbereich der Aids-Hilfe liegt. In dem gefalteten Papier werden die drei wichtigsten Safer-Sex-Methoden erklärt. „Neben dem bekanntesten Präventionsmittel – dem Gebrauch von Kondomen – gibt es mittlerweile gleichwertige Alternativen“, erklärt Stara. Zum einen den Schutz durch eine Therapie: Eine mit HIV infizierte Person sei nicht mehr ansteckend, wenn sie erfolgreich therapiert werde. Zum anderen den „wirksamen Schutz“ vor einer HIV-Infektion durch die Prä-Expositions-Prophylaxe (kurz Prep) mit der regelmäßigen Einnahme einer Tablette täglich. „Noch nie in der über 35-jährigen Geschichte von HIV und Aids gab es mehr Möglichkeiten zur Vermeidung von Neuinfektionen“, sagt Stara, der neben Prävention und Schnelltests auch die Öffentlichkeitsarbeit für die Bremer Einrichtung macht. Jeder Betroffene könne ein „normales Leben führen“, wenn er richtig behandelt werde.

Umbau in eine professionelle Test-Praxis

Doch HIV und Aids sind nicht mehr allein das große, alles bestimmende Thema: Unter anderem mit der Umbenennung in „Zentrum für Suchterkrankungen und sexuelle Gesundheit“ geht die Einrichtung immer mehr in Richtung Kompetenzzentrum für sexuell übertragbare Infektionen. So haben die Verantwortlichen das Schnelltest-Angebot erweitert und bieten diese in dafür neu gestalteten Räumen an. Waren die Testräume vorher noch im Obergeschoss zwischen Büros, sind sie nun klar abgetrennt im Erdgeschoss zu finden. Seit ein paar Tagen wird bei der Aids-Hilfe nun neben HIV, Hepatitis C und Syphilis auch auf Chlamydien, Tripper und Hepatitis A/B getestet. Für die Testangebote wurde der ehemalige Infoladen im Erdgeschoss in eine professionelle Test-Praxis umgebaut, um den medizinischen Anforderungen gerecht zu werden. Ebenso werden Personen nunmehr an vier Tagen, mit und ohne Termin, in der Woche getestet. „Betroffene sollten aber am besten vorher einmal anrufen“, sagt Stara.

AIDS-Hilfe Bremen e.V.

Die Hausfassade der Aids-Hilfe Bremen ist nicht zu übersehen.

Foto: Christina Kuhaupt

Bei HIV sei das größte Problem nach wie vor, dass Tausende Menschen nichts von ihrer Infektion wissen. Schätzungsweise 13.000 der Infizierten in Deutschland sind ahnungslos. Das bedeute auch: Sie können das Virus unwissentlich weitergeben. In Bremen sind laut Stara etwa 1200 Personen infiziert.

Da voraussichtlich ab Oktober auch der Verkauf von Heimtests in Deutschland zugelassen wird, bietet die Aids-Hilfe diesen dann auch vor Ort zum Verkauf an. „Der Vorteil gegenüber dem Kauf in Drogeriemärkten oder bei Online-Händlern ist, dass wir noch eine Kurzberatung anbieten“, sagt Stara. So könne man Anwendungsfehler oder Falschinterpretationen eines Testergebnisses verhindern. Ebenso neu im Angebot der Aids-Hilfe Bremen ist der sogenannte „Prep-Check“ für Männer, die Sex mit Männern haben. Um mit einer Präexpositions-Prophylaxe beginnen zu können, muss sichergestellt sein, dass die betreffende Person nicht mit HIV oder Hepatitis A, B oder C infiziert ist.

Vermittlungen an einen spezialisierten Arzt

Dazu finden eine Erstberatung sowie die Tests auf HIV und Hepatitis A, B oder C satt. Gleichzeitig händigen die Mitarbeiter der Aids-Hilfe dem Klienten einen Prep-Pass aus, in dem Folgeuntersuchungen und die Einnahme der Tabletten (Therapie-Monitoring) dokumentiert werden können, damit die Anwendung sicher bleibt. Zudem werden Betroffene an einen auf HIV spezialisierten Arzt vermittelt, der die Rezepte ausstellt und für weitere Fragen und Untersuchungen von Nierenwerten und der Knochendichte zu Verfügung stehe. Denn bei der Therapie treten wie auch bei anderen Medikamenten für chronische Infektionen oder Erkrankungen auch immer Nebenwirkungen wie Übelkeit auf.

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Die Angebote und Beratungen bietet die Aids-Hilfe nun auch in der JVA Bremen an. In Zusammenarbeit mit der medizinischen Abteilung und dem behandelnden Arzt Ulrich Peiffer werden Beate Augustin und Mario Carlo Stara versuchen, die Zahl der Neuinfektionen in der Haftanstalt wieder zu senken. Vor allem aufgrund des Drogenkonsums und ungeschützten Geschlechtsverkehrs komme es immer wieder zu Neuinfektionen hinter Gittern.

Weitere Informationen

Mehr Informationen zu den Schnelltest, der Aids-Hilfe Bremen und den Öffnungszeiten gibt es im Internet unter www.schnelltest-bremen.de oder www.aidshilfe-bremen.de.

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