Weihnachtshilfe

Was eine alleinerziehende Mutter ihren Kindern zum Fest wünscht

Mit Ehrgeiz und Disziplin meistert Carmen Rode als alleinerziehende Mutter von sechs Kindern ihren Alltag. Die Neu-Bremerin hofft durch ihr Studium auf ein höheres Einkommen für die Zukunft ihrer Familie.
07.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Was eine alleinerziehende Mutter ihren Kindern zum Fest wünscht
Von Ulrike Troue

„Ich möchte das schaffen – für mich und meine Kinder“, formuliert Carmen Rode ihr persönliches Ziel. Die 38-jährige Mutter von insgesamt sechs Kindern will von vorne anfangen. „Ich will, dass meine Kinder und ich eines Tages auch einmal auf der anderen Seite stehen, etwas Schönes kaufen und helfen können“, sagt sie kämpferisch und zielstrebig.

Carmen Rode hat im März mit dem Umzug von Bremerhaven nach Bremen-Lesum und dem Beginn eines Studiums für Germanistik und inklusive Pädagogik mit zusätzlicher Lehramtsoption an der Universität Bremen alles auf eine Karte gesetzt, damit sie die Kinder „mit der Aussicht auf mehr Einkommen besser durchbringen kann“.

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Die Neu-Lesumerin ist sehr jung Mutter geworden, mit 16 Jahren. Ihre beiden ältesten Kinder leben in einer eigenen Wohnung in Bremerhaven; die vier jüngeren bei ihr in Bremen-Nord in einer Vier-Zimmer-Wohnung in der Nähe von Friedehorst, Spielplätzen, Kita und Schule. „Die Wohnung ist schön, alles gut zu erreichen, und die Umgebung ist einfach toll“, schwärmt Carmen Rode.

„Aber es ist ab und an sehr hart zu begreifen, wie man mit so wenig Mitteln seine Familie durchbringen soll“, gesteht die Hartz-IV-Empfängerin. Sie habe mit dem wenigen Geld zu kämpfen. Dennoch versuche sie, den vier jüngeren Kindern im Alter von einem bis 15 Jahren so wenig wie möglich zu verwehren. „Ich bin froh, dass meine Kinder wenig anspruchsvoll sind und sich auch über Kleinigkeiten freuen“, sagt die gebürtige Bremerhavenerin. Deshalb zwacke sie schon einige Monate lang vom Haushaltsgeld immer mal kleine Beträge für Weihnachtsgeschenke ab. Aber weil die alleinerziehende Mutter auf gesunde Ernährung achtet und ihr aus Gründen der Nachhaltig- und Langlebigkeit Spielsachen aus Holz wichtig sind, gelingt das eher selten.

Weihnachtshilfe für Kleidung und Schuhe

„Ich habe sehr verständnisvolle Kinder an meiner Seite“, sagt Carmen Rode, die es verdient hätten, schöne Weihnachten mit neuen Kleidungsstücken und schönen Geschenken zu erleben. Deshalb war die 38-Jährige froh, als sie von der „Weihnachtshilfe“ des ­WESER-KURIER in Kooperation mit dem Sozialressort erfahren hat, und „sehr glücklich“, dass sie dafür ausgewählt worden ist. Weil die drei Jüngsten gerade große Wachstumsschübe machen, stehen ganz oben auf der Wunschliste von Familie Rode ein größeres Kinderbett und größere Kleidungsstücke, zum Beispiel ein neuer Schneeanzug für die zweieinhalbjährige Mayla Maria, die jeden Tag darin spielt. Und der einjährige Zion Max, für den sich Carmen Rode bereits „einen Pampers-Paten“ gesucht hat, wird mobiler. Da braucht er bald Lauflernschuhe.

Ihr siebenjähriger Sohn sei so schnell gewachsen, dass er eigentlich komplett neue Socken bräuchte, zählt die alleinerziehende Mutter weiter auf. Natürlich hofft Jean Roman zu Weihnachten viel lieber auf Sachen zum Spielen. „Sein sehnlichster Wunsch sind Konstruktionsmagnete, solche, wie es sie in der Kita gegeben hat“, sagt Carmen Rode. „Aber ich glaube, das kostet ein halbes Vermögen.“ Ihre kleine Tochter Mayla Maria liebt es, Perlen aufzuziehen. Solch ein Set, das sie an die eigene Kindheit erinnert, wäre für die Kleine sicher das Größte, glaubt ihre Mutter.

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Dass der Umzug erst einmal einen Rückschritt bedeuten würde, sei ihr von Anfang an klar gewesen, sagt Carmen Rode. Und natürlich habe er auch Geld gekostet. Die alleinerziehende Mutter ist sich dennoch sicher, dass ihr Umzug, den sie mit den beiden Älteren schon lange im Voraus besprochen hat, der richtige Schritt in eine bessere Zukunft ist.

Carmen Rode hat nach ihrer Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik zehn Jahre in der Bremerhavener Firma „Frozen Fish“ gearbeitet, größtenteils Nachtschicht geschoben, um tagsüber die Kinder zu versorgen. Die Arbeit gegen die biologische Uhr hätte sie aufgefressen, blickt die 38-Jährige auf die hohe körperliche und psychische Belastung zurück. Deshalb hat sie ihr Abitur an der Abendschule nachgeholt. „Ich wollte unbedingt studieren“, berichtet Carmen Rode, die sich „ein bisschen als Corona-Gewinnerin“ betrachtet.

Ehrgeiz für die Zukunft

Wieso das? Weil die alleinerziehende Mutter im Frühjahr mitten in der Abiturprüfung gesteckt hat, hatte sie Anspruch auf eine Notbetreuung für die Kinder. Das sei eine große Entlastung gewesen, bekennt Carmen Rode: „Die Kinder hatten ihren geregelten Alltag, und ich konnte in Ruhe lernen.“ Da in dieser Pandemiezeit weiterhin viel Arbeit für das zum Wintersemester hin begonnene Studium von zu Hause aus erledigt werden kann, erleichtert das weiterhin ihren Alltag.

Ehrgeizig und diszipliniert managt die alleinerziehende Mutter Studium, Haushalt und Kinder. Von Montag bis Freitag hat sie sich täglich acht Stunden Arbeit für die Uni vorgenommen. „Das muss ich leisten, auch wenn ich abends noch Zeit dafür dranhängen muss, wenn die Kinder im Bett sind“, sagt Carmen Rode. Am Wochenende „sind die Kurzen alle da“, dann habe sie frei – von der Uni und vom Handy.

Weitere Informationen

Wer helfen möchte, kann Spenden für die ­„Aktion Weihnachtshilfe“ auf das IBAN-Konto DE 22 2905 0101 0001 1650 00 bei der Sparkasse Bremen (BIC: SBREDE22XXX) einzahlen oder online über www.sparkasse-bremen.de/spendenportal. Jede noch so kleine Zuwendung ist willkommen.

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