Rundgang durchs Viertel: Was tut sich Neues in der Geschäftswelt?

Für viele Geschmäcker ist etwas dabei

Mitte ·Östliche Vorstadt. Die Neue Welt gibt es nicht mehr. Das ist eine der Veränderungen, die bei einem Gang durchs Ostertor ins Auge fallen.
29.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Solveig Rixmann
Für viele Geschmäcker ist etwas dabei

Mohamet Ismail hat bei „Yalla Yalla“ nicht nur Falafelteller und -sandwiches in vielen Variationen, sondern auch Salate, Vorspeisen und Säfte auf der Speisekarte. Einige Speisen sind nach Städten benannt. Auch Bremen ist dabei.

Walter Gerbracht

Die Neue Welt gibt es nicht mehr. Das ist eine der Veränderungen, die bei einem Gang durchs Ostertor ins Auge fallen. Einer der ältesten Bioläden der Stadt, „A New World“ von Rose Richards, hat für immer geschlossen. Auch die Tage der „Stern“-Videothek von Konrad Bothe im Steintor sind gezählt. Andere fangen mit Elan neu an: „Pressgut“ und „Yalla Yalla“ haben vor kurzer Zeit eröffnet, die „Kunstbagaluten“ haben einen neuen Partner gefunden und sind umgezogen. Rossmann ist im Steintor noch immer am gewohnten Platz, wird aber wie geplant umziehen. Nur später.

Hell, modern eingerichtet, freundlich und mit grüner Kräuter-Dekoration präsentiert sich „Pressgut“. Astrid Beck und Thomas Bicheler aus Findorff haben ihre Saftmanufaktur ist in der St.-Jürgen-Straße 132, Ecke Olgastraße, eröffnet, in einem Geschäft, in dem vor langer Zeit ein Innenausstatter war. Montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr versorgen sie ihre Gäste mit Suppen und Desserts, aber vor allem mit Säften: Rote Bete, Rotkohl und Möhren oder Spinat, Grünkohl und Weizengras beispielsweise. Die Säfte werden im Kaltpressverfahren, ohne Zusätze und konservierender Behandlung hergestellt und abgefüllt. So bleiben Vitamine, Mineralien und Nährstoffe voll enthalten. Alles sei vegan, versichern sie, alle Zutaten werden regional bezogen, sofern sie saisonal erhältlich sind. Dabei achtet das Paar auch auf Bioqualität. Das Angebot wechselt regelmäßig. Ein paar Stammgäste hat Pressgut schon gewonnen.

Mehr als 20 Jahre hat Thomas Bicheler nach eigenen Angaben als Koch in der Spitzengastronomie gearbeitet, 15 davon war er in Lüneburg selbstständig. Seine Frau Astrid Beck arbeitet als Personal-Fitness-Trainerin. Für beide stehen Ernährung, Fitness und Gesundheit im direkten Zusammenhang mit mehr Lebensqualität. „Wir wollen unsere Säfte nicht nur hier im Laden verkaufen“, erzählt Thomas Bicheler. Über die Internetseite, die sich noch im Aufbau befindet, wollen die beiden irgendwann auch Detox-Saftkuren anbieten, die den Körper entgiften. Eine Tagesration besteht aus einer Nussmilch, einer Limo und vier Flaschen Saft. „Das ist natürlich für den Körper, die Verdauung, ein Traum“, sagt Thomas Bicheler.

Auch Mohamed Ismail ist mit der Resonanz auf seine Geschäftseröffnung bisher sehr zufrieden. Seit Ende April versorgt der gebürtige Ägypter das Steintor mit Falafel. „Wir haben viele Stammkunden in der kurzen Zeit“, sagt der Inhaber des Yalla-Yalla-Falafel. Der Imbiss in einem ehemaligen Optikergeschäft ist gut besucht, und es stehen auch zwei, drei Tischchen vor der Tür des Imbisses, Vor dem Steintor 117, die bei gutem Wetter alle belegt sind. Um 22 Uhr schließt der Laden.

Auf der Speisekarte stehen verschiedene Falafel-Gerichte, Salate, Süßkartoffelpommes, Vorspeisen und Säfte. „Wir machen den Teig frisch. Wir haben unsere eigene Gewürzmischung“, erzählt Mohamed Ismail. Zwei Jahre hat er an dem Rezept gefeilt. Er empfiehlt das Falafel-Sandwich „Assuan“ mit gebratenen Auberginen und Tahina-Dip, hat aber auch ein Herz für Norddeutschland: „Bremen“ heißt ein Falafel-Sandwich mit Pommes, Salat und Joghurt-Kräuter-Dip. Säfte, wie „Beetroot“ mit Rote Bete, Himbeere, Apfel und Spinat, werden selbst hergestellt, jeden Tag fünf bis sechs frische Salate angeboten.

Kochen hat Mohamed Ismail, der im Steintor wohnt, in Ägypten gelernt. Vor 15 Jahren ist er nach Bremen gekommen, und er hat in verschiedenen Küchen gearbeitet. Die frittierten Bällchen aus Kichererbsen seien in seiner Heimat so etwas wie in Deutschland das Salamibrötchen: Man könne sie zu jeder Tageszeit essen, sagt Mohamed Ismail. Auch Catering für bis zu 100 Personen bietet „Yalla Yalla“ an. Näheres unter www.yallayalla-bremen.de.

Wenige Häuser weiter auf der anderen Straßenseite ist die Fassade des früheren Supermarktes eingerüstet. Die Rossmann-Filiale an der Straßenbahnhaltestelle Brunnenstraße, die als die kleinste Bremens gilt, soll dorthin umziehen. Schon länger ist der einstige Supermarkt als neue Adresse für die Filiale im Gespräch. Das Gerüst ist aber noch kein Vorbote des Umzugs, wie Stephan-Thomas Klose, der Pressesprecher der Dirk Rossmann GmbH, auf Nachfrage erklärt. Der Vermieter habe die Arbeiten an der Fassade in Auftrag gegeben. „Nach Aussagen der Rossmann-Expansionsabteilung wird am Konzept des neuen Rossmann-Marktes derzeit noch gearbeitet“, teilt Stephan-Thomas Klose mit. Das Drogerieunternehmen plant, seine Umbaumaßnahmen im Juli zu beginnen und im Oktober abzuschließen. „Mit der Eröffnung ist demnach erst im vierten Quartal zu rechnen“, informiert Stephan-Thomas Klose weiter. Damit verschiebt er sich um ein paar Monate. Bisher war man vom dritten Quartal ausgegangen.

Fast direkt nebenan waren bis vor Kurzem die „Kunstbagaluten“ zu finden, die Design-Unikate aus recycelbaren Abfallprodukten verkaufen. Der Upcycling-Laden nutzte die linke Schaufensterseite des Antiquariats Panorama. Doch nun hat sich das Geschäft mit Flio zusammengetan und ist in die Bauernstraße 4 gezogen. Die Adresse Vor dem Steintor sei von Anfang an befristet gewesen, sagt Marcus Fahrenholz. In der Bauernstraße werde der Laden bleiben. Die Hälfte der Stammkunden habe auch schon den Weg zu ihnen gefunden, berichtet er, die andere Hälfte und Neukunden würden vielleicht durch das mit grünem Kunstrasen bedeckte Fahrrad, das am Ostertorsteinweg an der Ecke Bauernstraße steht, aufmerksam. „Wir sind jetzt mit Flio zusammen, da haben sich die Öffnungszeiten geändert“, erzählt Marcus Fahrenholz: Nun ist montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Mehr unter www.kunstbagaluten.de.

Während das Bierfest auf dem Hillmannplatz die Gäste in Strömen angezogen hat, haben Bierbrauer und Biertinker am Sonnabend, 4. Juli, im Bierfachgeschäft Brolters, Vor dem Steintor 140, ihren großen Tag: Oliver Wesseloh, amtierender Weltmeister der Biersommeliers, Inhaber und Brauer der Kehrwieder Kreativbrauerei Hamburg, hat sich angesagt. Wesseloh wird am 4. Juli von 12 bis 20 Uhr im Brolters hinter dem Tresen stehen, einige seiner Biere vom Fass ausschenken und mit den Bremer Bierfans fachsimpeln. Wesseloh hat bereits eine halbe Weltreise im Zeichen des Hopfens hinter sich. Er braute Bier auf den Cayman Islands und tourte als Experte durch die USA. Der Weg von Hamburg nach Bremen ist deutlich kürzer.

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