Marina Kletke holt Portät-Ausstellung zu Russlanddeutschen ins Bürgerzentrum Für Völkerverständigung

Marina Kletke hat in Kooperation mit dem Verein „Familie im Hilfenetz“ die Ausstellung „Russlanddeutsche – eine starke Brücke zwischen Russland und Deutschland“ in das Bürgerzentrum Neue Vahr geholt. Sie verbindet damit die Hoffnung, dass diese Schau mit einer großen Auswahl von Porträts verschiedener Russlanddeutscher zur Völkerverständigung beiträgt.
29.01.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Ina Schulze

Marina Kletke hat in Kooperation mit dem Verein „Familie im Hilfenetz“ die Ausstellung „Russlanddeutsche – eine starke Brücke zwischen Russland und Deutschland“ in das Bürgerzentrum Neue Vahr geholt. Sie verbindet damit die Hoffnung, dass diese Schau mit einer großen Auswahl von Porträts verschiedener Russlanddeutscher zur Völkerverständigung beiträgt.

Im 18. Jahrhundert siedelten zahlreiche Deutsche nach Russland über. Katharina die Große, die deutschstämmige Zarin, hatte ein Manifest erlassen, wonach ausländischen Übersiedlern jede Hilfe und Genuss geleistet werden sollten. Für die Einwanderer gab es Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, Steuerfreiheit und juristische Selbstverwaltung.

Dadurch sind unter anderem viele deutsche Kolonien im Süden Russlands, in der Ukraine, der Wolgaregion oder im Kaukasus entstanden. Nicht nur die Siedler selbst sollten mit diesen Privilegien leben, sondern auch ihr Nachwuchs. „Es gibt kein anderes Beispiel in der Welt, dass ein Volk, das seine Heimat vor 250 Jahren verlassen hat und sich organisch ins Kulturleben Russlands eingliederte, ohne dabei seine nationale Identität zu verlieren, zu seinen historischen Wurzeln zurückkehrt“, sagt Marina Kletke. Die Menschen dieses besonderen Volkes werden als sogenannte Russlanddeutsche bezeichnet.

Um 60 Menschen zwischen diesen beiden Ländern rankt das Projekt „Am anderen Ufer: Russlands Deutsche – aus der Vergangenheit in die Zukunft“ der Künstlerin und Journalistin Natalia Paegle und des Künstlers Vadim Ossipow. Die beiden haben die Lebensgeschichten von 30 russischen und 30 deutschen Protagonisten aller Altersgruppen, Berufe und gesellschaftlichen Schichten in Wort und Bild dargestellt.

Die daraus konzipierte Ausstellung „Russlanddeutsche – eine starke Brücke zwischen Russland und Deutschland“ hat Marina Kletke aus Lehesterdeich in Kooperation mit dem Verein „Familie im Hilfenetz“ ins Bürgerzentrum Neue Vahr geholt. Die Schau wird am Sonnabend, 31. Januar, um 16 Uhr offiziell mit musikalischer Begleitung von Jacob Fischer eröffnet. Dazu werden außer einigen Projektteilnehmern unter anderem Silke Harth, Migrations- und Integrationsbeauftragte des Landes Bremen, Valentina Tuchel, SPD–Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, und Viktor Uhl, Vorsitzender des Vereins Bundesvereinigung Heimat, erwartet.

Das Projekt „Am anderen Ufer: Russlands Deutsche – aus der Vergangenheit in die Zukunft“ dokumentiert die Schicksale der Russlanddeutschen im 20. und 21. Jahrhundert. In der Fotoausstellung sind nun Aufnamen von Ärzten, Lehrern oder Künstlern zu sehen, ebenso einfache Leute und Bauern, die heute in zwei Staaten leben. Der Titel „Am anderen Ufer“ ist nach Auskunft von Marina Kletke als Metapher zweier gleicher Völker an gegenüberliegenden Ufern zu verstehen.

Der Fotoausstellung und dem gleichnamigen Report liegt auch die Frage zugrunde, was mit den Arbeitersoldaten, ihren Kindern und Kindeskindern geschah?

Marina Kletke stammt selbst ursprünglich aus Krasnoturinsk, einer Stadt im Nordural, wo ihr Vater sich in einem Arbeitslager befand. Die Journalistin Natalia Paegle und Marina Kletke hatten sich über das Internet bereits in den neunziger Jahren kennengelernt. Die Bremerin Kletke unterstützte Paegle bei ihren Recherchen. Die Journalistin wollte herausfinden, wer das Volk im nördlichen Ural eigentlich genau ist. Aus Archivrecherchen wurde deutlich, dass viele russischstämmige Menschen in dem Gebiet im Krieg gefallen waren.

Plötzlich Feinde im eigenen Land

Während der beiden großen Kriege wurden die Russlanddeutschen oftmals als Feinde im eigenen Land betrachtet. Um eine Zusammenarbeit mit Deutschland zu verhindern, wurden sie 1941 überwiegend nach Sibirien, Kasachstan und an den Ural deportiert. Der Status der Russlanddeutschen in der Sowjetunion hatte sich innerhalb weniger Jahre von einer kulturell eigenständigen Volksgemeinschaft zur ethnisch entwurzelten Minderheit gewandelt. Darüber hinaus kehrten in den neunziger Jahren viele Russlanddeutsche nach Deutschland zurück.

Diese lang totgeschwiegenen Schicksale der Deportierten und der Russlanddeutschen reißt die Porträtausstellung an und rückt sie in den Blick der Öffentlichkeit. Sie verdeutlicht auch die Erfolgsgeschichten von Russlanddeutschen in Russland und in Deutschland.

So zum Beispiel das Foto von Olga Ortlieb, einer Urenkelin eines Trudarmisten, eines Zwangsarbeiters im Arbeitslager. Olga hat das Studium an dem Institut für Sport und Körperkultur der Uraler staatlichen pädagogischen Universität abgeschlossen. Ein weiteres Porträt zeigt Eduard Rossel, einen russischen Staatsmann und Politiker. Sein Vater wurde unterdrückt, seine Mutter als Familienmitglied eines Volksfeindes in ein Lager geschickt.

Die 56-jährige Marina Kletke möchte mit der Ausstellung zur Völkerverständigung beitragen. Sie hofft, dass das Potenzial des Volkes als ein natürlicher Brückenbauer zwischen zwei großen Ländern erkannt und genutzt wird. „Wir sind die Menschen der einen gleichen Erde“, steht als Zitat über ihrem Porträt geschrieben.

Die Ausstellung „Russlanddeutsche – eine starke Brücke zwischen Russland und Deutschland“ wird am Sonnabend, 31. Januar, um 16 Uhr im Bürgerzentrum Neue Vahr, Berliner Freiheit 10, eröffnet und läuft bis zum 22. Februar.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+