Kinder mit und ohne geistige Beeinträchtigungen trainieren gemeinsam in Vegesack / Fördergelder aus der EU 'Fußball ist mehr als 1:0'

Vegesack. 'Nase an den Ball!', ruft Frank Dahlenberg. Und noch einmal, etwas fordernder: 'Nase an den Ball!' Die Jungen und Mädchen auf dem Kunstrasenplatz im Vegesacker Stadion staunen und lachen. So spannend und lustig hätten sie sich Fußballtraining nicht vorgestellt. Dahlenberg und sein Kollege Kristian Arambasic, beide Übungsleiter der Bremen-Liga-Teams VfL 07 (Findorff) und SG Aumund-Vegesack, haben an diesem Nachmittag ebenfalls Spaß an einer ungewöhnlichen Übungseinheit: Sie weihen Kinder mit und ohne geistige Beeinträchtigungen gemeinsam in die Geheimnisse des Spiels mit dem runden Leder ein.
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Von Klaus Grunewald

Vegesack. 'Nase an den Ball!', ruft Frank Dahlenberg. Und noch einmal, etwas fordernder: 'Nase an den Ball!' Die Jungen und Mädchen auf dem Kunstrasenplatz im Vegesacker Stadion staunen und lachen. So spannend und lustig hätten sie sich Fußballtraining nicht vorgestellt. Dahlenberg und sein Kollege Kristian Arambasic, beide Übungsleiter der Bremen-Liga-Teams VfL 07 (Findorff) und SG Aumund-Vegesack, haben an diesem Nachmittag ebenfalls Spaß an einer ungewöhnlichen Übungseinheit: Sie weihen Kinder mit und ohne geistige Beeinträchtigungen gemeinsam in die Geheimnisse des Spiels mit dem runden Leder ein.

'Sport kann helfen, Barrieren abzubauen und das Miteinander zu fördern", sagt Matti von Harten, Bremer Landeskoordinator der 'FußballFREUNDE' von Special Olympics Deutschland (SOD), der Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung. Zusammen mit der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) soll versucht werden, beim gemeinsamen regelmäßigen Kicken spielerisch Grenzen zu überwinden und dabei soziale Kompetenzen sowie Eigenschaften wie 'Teamwork' und 'Fairplay' zu fördern. Dem Motto 'Freu(n)de am Ball - Freu(n)de im Leben' haben sich inzwischen die SOD-Landesverbände Hamburg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen und Bremen angeschlossen. In der Hansestadt an der Weser hat Matti inzwischen große Resonanz auf das Integrationsprojekt registriert. Im kleinsten Bundesland wurde die Initiative am Schulzentrum Julius-Brecht-Allee gestartet, wo es mittlerweile zwei integrative Fußballteams gibt, die eng mit dem TuS

Schwachhausen kooperieren.

Hochburg Bremen-Nord

Doch eine Hochburg dieses auch von der Europäischen Union unterstützten Integrationsprojektes ist Bremen-Nord. Hier kicken inzwischen Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 19 Jahren in drei Mannschaften. Schulleiter Friedrich Marotzke von der Grundschule Am Wasser in Grohn, einige seiner Kolleginnen und Kollegen sowie Mütter und Väter haben an diesem Nachmittag ihre helle Freude am Bewegungsdrang der Jungen und Mädchen.

Die DFB-Trainer Kristian Arambasic und Frank Dahlenberg schöpfen aus ihrem reichhaltigen Repertoire an Fußballkenntnissen, um die Kinder bei Laune zu halten. Niemand steht abseits, alle sind fasziniert. Auch Michael Sander vom Gymnasium Vegesack. Der Sechstklässler ist einer der wenigen Schüler, die nicht von der Grohner Regel- und Förderschule kommen und dennoch den Weg ins Vegesacker Stadion gefunden haben. Weil er mal sehen wollte, was dort so abläuft. Jetzt fachsimpelt er mit Frank Dahlenberg über den Elfmeterpunkt, um sich wenig später ins Getümmel zu stürzen. Keine Spur von Berührungsängsten. Auch nicht bei den Kindern mit geistigen Beeinträchtigungen. Sie blühen bei diesem Gemeinschaftstraining geradezu auf. Und flitzen mit dem Ball am Fuß bereitwillig los, wenn Kristian Arambasic sie auf die Reise schickt.

Fußball sei eben mehr als 1:0, freut sich Matti von Harten über das bunte und fröhliche Treiben auf dem Kunstrasenplatz. Er schwört auf die integrative Kraft des Fußballs, strebt nach dem Schnupperkursus in Vegesack ein regelmäßiges gemeinsames Training, die Kooperation mit den Vereinen des DFB und letztlich auch Punktespiele in extra eingerichteten Ligen an.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Und deshalb wird das DFB-Mobil, das in Vegesack Station machte, noch viele Kilometer in deutschen Landen zurücklegen. 'Das Interesse ist groß, und die Begeisterung der Kinder zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind', bilanziert von Harten nach anderthalb Stunden Training. Das auch Michael Sander gefallen hat, der sich ebenso wie die anderen Kinder ein wenig aus der Puste, aber zufrieden auf den Heimweg macht.

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