Bahnverkehr in der Bremer City

Grünen-Basis lehnt Obernstraßen-Experiment ab

Grünen-Beiratspolitiker in Walle, Gröpelingen und Hemelingen sind sich einig: Eine probeweise Umleitung der Straßenbahnlinien 2 und 3 hätte für Passagiere aus den drei Stadtteilen mehrere Nachteile.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Grünen-Basis lehnt Obernstraßen-Experiment ab
Von Anne Gerling
Grünen-Basis lehnt Obernstraßen-Experiment ab

Die Obernstraße als reine Fußgängerzone ohne Straßenbahn: ein entsprechendes achtwöchiges Experiment hat Mitte Juli die Handelskammer vorgeschlagen.

Frank Thomas Koch

Sollte die Straßenbahn ab Herbst versuchsweise für acht Wochen über die vordere Neustadt umgeleitet werden, um zu testen, wie sich die Obernstraße als reine Fußgängerzone auf die Innenstadt auswirken würde? Die Grünen im Westen und im Osten Bremens zumindest halten nicht viel von diesem Vorschlag, den Mitte Juli die Handelskammer beim Innenstadt-Gipfel ins Spiel gebracht hatte: Dies zeigt ein Stimmungsbild, das kürzlich Waller, Gröpelinger und Hemelinger Grüne mit einem Online-Umfragetool bei ihren Parteikollegen in den betroffenen Stadtteilen eingeholt haben.

Würden die Straßenbahnlinien 2 und 3 tatsächlich einen Bogen um die Obernstraße machen und stattdessen durch die Neustadt fahren, so wären davon insbesondere Fahrgäste aus Bremens westlichen und östlichen Stadtteilen bei ihren täglichen Wegen betroffen. Dies hatte Mitglieder der Grünen auf die Idee zu ihrer nicht-repräsentativen Befragung gebracht. Die Ergebnisse der Umfrage seien dabei eindeutig, so die Organisatoren. 80 Prozent der befragten Grünen hatten demnach eine probeweise Verlegung abgelehnt und 20 Prozent geantwortet, sie seien in der Angelegenheit unentschieden. Für den Versuch habe sich niemand ausgesprochen.

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Ihre ablehnende Haltung erklärten die befragten Beiratspolitiker und Sachkundigen Bürger und Bürgerinnen unter anderem damit, dass eine Verlegung der Bahnstrecke insbesondere zu Lasten mobilitätseingeschränkter Fahrgäste ginge: Für sie würde der Weg in die Innenstadt mit dem Test deutlich beschwerlicher, ihre soziale Teilhabe würde geschmälert. Benachteiligt würden außerdem Pendler, die aus Stadtteilen im Osten und Westen der Stadt in Richtung Innenstadt unterwegs seien und aufgrund einer geänderten Fahrtstrecke längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten.

„Wir halten eine Hauruck-Aktion der probeweisen Verlegung für unangemessen, da die längeren Fahrzeiten von zwölf bis 15 Minuten nicht akzeptabel sind und zudem die Verkehrsbelastung der beiden Weserbrücken und der Oster- und Westerstraße stark zunehmen würde“, sagt Karsten Seidel von den Waller Grünen. „Insbesondere Bürger und Bürgerinnen, die den ÖPNV bevorzugen, oder nicht mit dem Pkw in die Innenstadt fahren, würden benachteiligt werden. Auch ist zu befürchten, dass diese Maßnahme zu einem weiteren Konsumrückgang in der Innenstadt führen würde.“

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Die Straßenbahn in der Obernstraße sei praktisch und ermögliche ein unproblematisches Einkaufen in der City, sagten die befragten Grünen außerdem. Längere Fahrzeiten aufgrund einer geänderten Streckenführung bewerteten sie als unattraktiv. Nur 22 Prozent gaben dabei an, den Innenstadtbereich von den Haltestellen Am Brill beziehungsweise Domsheide aus problemlos zu Fuß erreichen zu können. Nur elf Prozent bewerteten das Konzept einer Fußgängerzone ohne Straßenbahn hingegen als eine gute Idee.

Verkehrssenatorin Maike Schäfer (Grüne) hatte sich beim Innenstadt-Gipfel klar gegen ein entsprechendes Experiment ausgesprochen. Die nun befragten Grünen teilen diese Auffassung. Die citynahe Straßenbahn müsse erhalten bleiben, um Pendelverkehre mit dem Auto zu vermeiden und die verschiedenen Stadtteile effizient miteinander zu verbinden, betont etwa Seidel, der außerdem unterstreicht: „Aus dem Bremer Osten und Westen wünschen wir uns eine abgestimmte, strategische Planung für die Innenstadt. In diesem Kontext wären konstruktive Vorschläge der Handelskammer, wie mit den sich massiv ändernden Kaufgewohnheiten großer Teile der Bevölkerung umgegangen werden soll, willkommen.“

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