Pachtvertrag bis zum Jahr 2034

Galopprennbahn: Golfclub will nicht weichen

Die Fläche ist vor dem geistigen Auge der Planer bereits bebaut: Lauter Häuser auf der Galopprennbahn in der Vahr, 1000 Wohnungen, die entstehen sollen. Doch wird das überhaupt möglich sein?
23.02.2017, 20:40
Lesedauer: 3 Min
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Galopprennbahn: Golfclub will nicht weichen
Von Jürgen Hinrichs
Galopprennbahn: Golfclub will nicht weichen

1000 Wohnungen sollen hier entstehen. Doch der Club Golf-Range besitzt einen unkündbaren Pachtvertrag für die Fläche mitten in der Galopprennbahn, der bis zum Jahr 2034 läuft.

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Die Fläche ist vor dem geistigen Auge der Planer bereits bebaut: Lauter Häuser auf der Galopprennbahn in der Vahr, 1000 Wohnungen, die entstehen sollen. Doch wird das überhaupt möglich sein?

In einem aktuellen Schreiben des Clubs Golf-Range, der auf dem Areal eine Neun-Loch-Anlage betreibt, betont der Verein noch einmal, den Platz nicht räumen zu wollen: „Unsere Position ist weiterhin, dass wir an den bestehenden Verträgen festhalten möchten und momentan keinen Grund sehen, eine andere Haltung einzunehmen.“ Der Club besitzt einen Pachtvertrag mit einer Laufzeit bis zum Jahr 2034. Er ist unkündbar.

Nach einer ersten Information vor elf Monaten habe es mit der Stadt keine weiteren Gespräche über ihre Pläne gegeben. Erst jetzt sei die Wirtschaftsbehörde wegen eines neuen Termins auf den Verein zugekommen, heißt es in der Mitteilung von Golf-Range-Geschäftsführer Hans Peter Thomßen. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) hatte in der Vergangenheit angekündigt, Golf-Range aus dem Vertrag herauskaufen zu wollen.

Der Ausgleich könne sich daran bemessen, was der Betreiber beim Bau der Anlage investiert hat und welche Einnahmen er pro Jahr erzielt. Die Finanzierung ist laut Günthner kein Problem: „Wir haben ja die Erlöse aus dem Verkauf der Grundstücke.“

Beiräte für Hemelingen und die Vahr strikt dagegen

Über die Art des Umgangs mit seinem Verein scheint Thomßen verwundert, wenn nicht verärgert zu sein: „Dass wir als direkt betroffenes Unternehmen gerne möglichst aktuell und aus erster Hand informiert sein möchten, sollte klar sein.“ Nicht nachvollziehbar sei, warum von „involvierten Stellen der Stadt“ Gerüchte verbreitet würden, es gebe bereits konkrete Verhandlungen.

Golf-Range ist in einer anderen Position als der Bremer Rennverein von 1857, der die Galopprennbahn betreibt. Dem Verein ist von der Stadt zum Ende dieses Jahres gekündigt worden. In diesem Fall gab es die Möglichkeit dazu, weil die Verträge anders als beim Golfclub ein Sonderkündigungsrecht vorsehen. Bedingung dafür ist, dass die Stadt konkret in die Bauplanung für das 36 Hektar große Gelände an der Ludwig-Roselius-Allee einsteigt. Mit einem entsprechenden Beschluss der Baudeputation ist das Ende vergangenen Jahres geschehen.

Die beiden Beiräte für Hemelingen und die Vahr sind strikt dagegen, dass die Rennbahn in der geplanten Form bebaut wird. Sie bringen andere Varianten ins Spiel, zum Beispiel eine Verkleinerung des 2600 Meter langen Geläufs. Anwohner haben eine Bürgerinitiative gegründet und verfolgen das gleiche Ziel.

"Galopprennbahn Bremen - ein Stadtteil von morgen"

Ablehnung kommt jetzt auch von einer Organisation der SPD. Das Forum Sport, ehemals Landesarbeitsgemeinschaft Sport, schlägt vor, die Galopprennbahn in einen „Sportpark Ludwig-Roselius-Allee“ umzubauen. „Wir stellen uns gegen den Beschluss der Baudeputation, alles plattzumachen“, erklärt Reiner Holsten, Vorsitzender des Forums Sport. Gegen eine moderate Bebauung der Randbereiche habe er nichts, nur müsse man bedenken, dass die Gegend schon jetzt dicht bebaut sei und der Bremer Osten stark von Industrie geprägt werde.

Während sich immer wieder Bedenken gegen die geplante Bebauung Bahn brechen, scheint das Projekt auf höherer politischer Ebene bereits gelaufen. Die Regierungsparteien SPD und Grüne haben die Galopprennbahn längst in ihr Mantra aufgenommen, wo in naher Zukunft die meisten Wohnungen in der Stadt entstehen werden: im Hulsberg-Quartier, in der Gartenstadt Werdersee und eben auch auf der Rennbahn.

Für das Areal dort gibt es bereits Gedankenspiele der Planer. Seit Mittwoch zeigt das Zentrum für Baukultur die Ausstellung „Galopprennbahn Bremen – ein Stadtteil von morgen“. Zu sehen sind Entwürfe von 17 Master-Studenten der „School of architecture“ an der Hochschule Bremen. Erarbeitet wurden sie mit Experten der Universität Antwerpen und mit der Landschaftsarchitektin Christina Kautz.

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