Prinzipien der Permakultur Gartenbau als sich selbst erhaltende Welt

Horn-Lehe. Prinzipien der Permakultur sind jetzt bei einem Vortrag von Volker Kranz in der Botanika erläutert worden. Dahinter steht die Idee nachhaltiger Ökosysteme, die sich weitgehend selbst erhalten.
24.08.2014, 00:00
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Von Sandy Bradtke

Eine Ausstellung in der Botanika zeigt dazu Beispiele.

Der herkömmlichen Agrarwirtschaft wird oft vorgeworfen, es mangele ihr an Weitsicht und Nachhaltigkeit. Die Permakultur versucht als ökologische Planungsstrategie, alle Elemente der Natur in eine sinnvolle Wechselwirkung miteinander zu bringen und ein sich selbst erhaltendes System zu nutzen. Der Permakultur-Designer Volker Kranz aus der Neustadt berichtete darüber jetzt in der Botanika und lieferte damit zugleich Hintergrundwissen für die aktuelle Ausstellung „Nutze die Vielfalt“ in der Botanika. Als Permakultur-Designer und Landschaftsgärtner entwickelt Kranz ökologische Konzepte für Gärten oder Naturspielplätze

„Nach herkömmlicher Wirtschaftsweise müssen etwa 100 Energieeinheiten aufgewendet werden, um eine Energieeinheit zu ernten“, sagt Kranz. „Diese Art von Landwirtschaft führt weltweit zwangsläufig zu Chaos, Hunger und Krieg“, meint er. In der Permakultur dagegen werde versucht, landwirtschaftliche Prozesse der Natur nachzubilden, um sie auf diese Weise möglichst nachhaltig zu gestalten. „Indem man das große Ganze betrachtet und schaut, was die einzelnen Dinge voneinander haben, erhält man durch das Prinzip der Permakultur 300 Energieeinheiten bei einem Einsatz von 100“, erklärt Kranz.

Die beiden Australier Bill Mollison und David Holmgren entwickelten in den 1970er-Jahren Ideen zum Aufbau langfristig ertragreicher landwirtschaftlicher Systeme. Der Begriff Permakultur ist aus der englischen Sprache aus den Wörtern „permanent“ (dauerhaft) und „agriculture“ (Landwirtschaft) abgeleitet.

Der Ansatz von Mollison und Holmgren schuf eine neue Grundlage für die Entwicklung dauerhafter Lebensräume für Mensch und Natur und zur Erzeugung von Lebensmitteln. Er ist auch in kleinen Systemen wie dem Hausgarten oder beim Urban Gardening in städtischen Parkanlagen umsetzbar. Inzwischen hat dieses Denkprinzip auch Bereiche wie Energieversorgung, Landschaftsplanung, Architektur und die Gestaltung sozialer Infrastrukturen erfasst.

„Wir haben in der Regel Schwierigkeiten, mit komplexen Situationen umzugehen, weil wir uns zu sehr an Details festbeißen“, erklärt Kranz. „Man muss jedoch nicht jedes Detail kennen, sondern nur wissen, was es braucht, damit sich ein System entwickelt.“ Ein System ist laut Kranz etwas, wo alles miteinander verknüpft ist.

Zur Veranschaulichung verweist er auf ein Beispiel in Bremen-Nord. Dort diene ein Hühnerstall zum Beheizen eines Gewächshauses. Das „hühnerbeheizte Gewächshaus“ nutze die Abwärme der Tiere, um das angrenzende Gewächshaus zu beheizen. „Das Gewächshaus ist mit dem Hühnerstall vernetzt, das funktioniert wunderbar“, berichtet Kranz. Wenn es draußen kälter wird, gehen die Hühner seinen Angaben zufolge von ganz allein in den Stall und erwärmen auf diese Weise das Gewächshaus.

Eines der Kriterien für ein lebendiges Ökosystem sei Flexibilität, sagt Kranz. „Bei der Planung eines Bauernhofes werden immer auch Flächen frei gelassen.“ Dieses „ungebundene Potenzial“ sei sehr wichtig, um jederzeit auf Veränderungen reagieren zu können. Das Prinzip der Permakultur könne ebenso für einen Stadtteil angewendet werden, erläutert Kranz. Zu sehen sei das beispielsweise bereits beim urbanen Gartenbau. Durch die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen sollen landwirtschaftliche Erzeugnisse nachhaltig bewirtschaftet, umweltschonend produziert und bewusst konsumiert werden. „Obwohl alle auf kleinem Raum arbeiten, wird es dann durch die Vernetzung zu etwas Großem“, betont er.

Das Referat von Kranz war nach seinen Worten „der theoretische Teil“ der Ausstellung „Nutze die Vielfalt – Vergessene Pflanzen und Tiere“ in der Botanika. „Der praktische Teil wartet in der Ausstellung auf die Besucher.“ Dort gibt es unter anderem eine Sonnenfalle, ein kleines Permakultursystem mit Waldrandgarten, Hühnertraktor und essbaren Kletterpflanzen und -stauden, Pilzzüchtungen und Wasserpflanzen zu sehen. Und es werden praktische Anregungen für urbane Selbstversorger und ein Einblick in kleine und große Zusammenhänge im Garten gegeben.

Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 7. September, in der Botanika im Rhododendronpark am Deliusweg 40.

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