Husky beißt Frau

Gassi gehen endet blutig – und vor Gericht

Ein 36-jähriger Bremer muss sich vor dem Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Sein Hund hat eine Frau gebissen. Doch der Mann ist mit der Anklage nicht einverstanden.
28.03.2019, 19:13
Lesedauer: 4 Min
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Gassi gehen endet blutig – und vor Gericht
Von Ralf Michel
Gassi gehen endet blutig – und vor Gericht

Ein 36-jähriger Bremer muss sich vor dem Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Friso Gentsch

Es ist nicht die klassische Geschichte „Nicht angeleinter Hund beißt Jogger“, die zu diesem Prozess vor dem Amtsgericht geführt hat. Aber thematisch ist man davon nicht weit entfernt: „Nicht angeleinter Hund beißt Frau, die ihren eigenen Hund schützen wollte“, lautete am Donnerstag die Ausgangslage für die Verhandlung. Angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung ist ein 36-jähriger Hundebesitzer. Der ist damit „nicht ganz einverstanden“, wie er sagt. Und hat deshalb Einspruch gegen den Strafbefehl über 30 Tagessätze eingelegt, mit dem die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit eigentlich ohne mündliche Gerichtsverhandlung ad acta legen wollte.

Am 6. April 2018, kurz vor Mitternacht, soll der Hund des Mannes eine 38-Jährige gebissen haben, die selbst mit ihrem Hund Gassi ging. Zweimal habe der Hund zugebissen, heißt es in der Anklage. Zunächst in die rechte Hand der Frau, dann in ihren rechten Oberschenkel. Die Frau wurde per Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht, wo die Wunde am Bein genäht werden musste.

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Sein Hund sei tatsächlich nicht angeleint gewesen, räumt der Angeklagte ein. Oder besser: „noch nicht“. Seine damals 14-jährige Tochter habe den Alaskan Husky zusammen mit einer Freundin ausführen wollen und sei gerade dabei gewesen, dem Tier im Hauseingang das Halsband mit Hundeleine anzulegen. Die Freundin habe in diesem Moment jedoch schon die Haustür geöffnet. Daraufhin sei der Hund ohne Leine losgeprescht und auf die Straße gelaufen. Das Halsband sei dabei sogar kaputtgegangen.

Auf der anderen Straßenseite sei eine Frau mit ihrem Hund unterwegs gewesen. Die habe sofort angefangen zu schreien und ihren Hund auf den Arm genommen. Sein Hund habe die Frau dann zwar angesprungen. Aber nur, um sich den anderen Hund anzusehen. „Ich habe nicht gesehen, dass er sie gebissen hat“, sagt der Angeklagte. Und dann folgt die Mutter aller Sätze in derlei Auseinandersetzungen: „Es war eher so, als ob er spielen wollte.“

Opfer schildert die Situation anders

Seine Tochter, deren Freundin und er selbst seien aber unmittelbar hinter dem Hund aus dem Haus gekommen und hätten sich sofort bei der Frau erkundigt, ob alles in Ordnung sei, es ihr gut ginge und man ihr helfen könne. Sie jedoch habe nur weiter geschrien, ihn beleidigt und sei dann sofort weggegangen. Von den Bissen habe sie nichts gesagt, beteuert der Angeklagte. Auch nicht gegenüber der Polizei, die fünf Minuten später vor Ort gewesen sei.

Ganz anders die Version des Opfers: Sie sei mit ihrem Hund, ein Havaneser, Gassi gegangen, als sie plötzlich hinter sich ein Geräusch hörte. Als sie sich umdrehte, habe sie den Husky auf sich zu rennen sehen. Sie habe ihren deutlich kleineren Hund hinter sich versteckt und dem anstürmenden Hund mit vorgehaltener Hand gesagt, dass er verschwinden solle. „Energisch, aber nicht gebrüllt, wie in der Hundeschule gelernt.“

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Der Hund habe ihr daraufhin aber in die Hand gebissen und versucht, um sie herum in Richtung Havaneser zu laufen. Sie habe sich deshalb weggedreht und ihren Hund schützend auf den Arm genommen. „Dabei hat der Husky mich in den Oberschenkel gebissen.“ „Irgendwann“ sei dann eine junge Frau gekommen und habe gesagt, „dass alles meine Schuld sei, weil ich mich falsch verhalten und geschrien habe“, berichtet die Zeugin.

Sie habe zu diesem Zeitpunkt aber nur das Blut gesehen, das an ihrem Oberschenkel herunterlief und sei deshalb schnell nach Hause gegangen. In Panik, weil sie zu diesem Zeitpunkt wegen einer Thrombose Blutverdünner zu sich nahm. „Mein Sohn hat dann sofort den Rettungswagen gerufen.“ Im Krankenhaus sei ihr Oberschenkel genäht worden, anschließend habe sie aber noch in derselben Nacht nach Hause können.

Ohne weitere Zeugenvernehmungen geht es nicht

Zu diesem Vorfall gibt es eine Vorgeschichte, von der sowohl der Angeklagte als auch das Opfer berichten. Ein Dreivierteljahr zuvor habe der Husky bereits ihrem Mann ins Bein gebissen, erzählt die 38-Jährige. Auch damals habe man Anzeige erstattet, die aber im Sande verlaufen sei. „Er hat ihren Mann gebissen – aber nur, weil er meinen Hund vorher getreten hatte“, sagt der Angeklagte. Sein Husky sei nicht aggressiv. Nie habe es Probleme mit ihm gegeben. Nur zweimal und das ausgerechnet mit derselben Familie.

Damit endet am Donnerstag der ursprünglich nur auf einen Verhandlungstag angesetzte Prozess. Ohne weitere Zeugenvernehmungen wird es nicht gehen. Gehört werden sollen noch mindestens ein Polizeibeamter, die Tochter des 36-Jährigen sowie weitere Nachbarn, die das Geschehen an dem Abend laut Angeklagtem beobachtet haben. Der Prozess wird am 16. April fortgesetzt.

Info

Zur Sache

Leinenpflicht in Bremen

Hunde ohne Leine sind praktisch im gesamten bebauten Stadtgebiet Bremens verboten. Auf Straßen, Plätzen, in Einkaufszentren oder bei Großveranstaltungen ohnehin, aber auch in Parks sowie Garten- und Grünanlagen gilt ganzjährig die Anleinpflicht. Auf Äckern, Wiesen, Weiden, Heiden, Moor- und Ödflächen, in größeren Wäldern sowie auf den Deichen außerhalb des bebauten Stadtgebietes dürfen Hunde frei laufen, allerdings nicht während der sogenannten Brut- und Setzzeit vom 15. März bis 15. Juli. Ohne Leine dürfen Hunde in Bremen lediglich in zwei hierfür speziell gekennzeichneten Freiluftflächen laufen, eine davon in der Vahr, die andere am Neustadtwall. Kontrolliert wird die Leinenpflicht vom Ordnungsdienst. Die Höhe des Bußgeldes für nicht angeleinte Hunde beträgt 50 Euro.

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