Corona-Strategie

Schluss mit den Halbgruppen

Gastautor Leonard Geßner ist selbst Schüler, er besucht ein Bremer Gymnasium - und ist unzufrieden mit der Unterrichtsgestaltung unter Pandemie-Bedingungen.
11.04.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Schluss mit den Halbgruppen
Von Silke Hellwig
Schluss mit den Halbgruppen

Zu den Schutzmaßnahmen an Bremens Schulen gehören neben einer Masken- von diesem Montag an auch eine Testpflicht. Unterricht in Halbgruppen bleibt erhalten.

Guido Kirchner

Endlich die Testpflicht – die meisten Schüler konnten aufatmen: Die Halbgruppen haben ein Ende, und man schafft vielleicht doch noch den Abi-Stoff. Doch zu früh gefreut. Denn im aktuellen Erlass der Bildungssenatorin zur Schulorganisation steht zwar, dass „die Vermittlung von abschluss- und prüfungsrelevanten Inhalten Vorrang [hat] und für alle Schüler der Abschlussjahrgänge gesichert [wird]“. Allerdings steht dort auch: „Je jünger, desto wichtiger ist die Sicherung eines Präsenzunterrichts“.

Dass das ein Widerspruch ist, ist den Verfassern offenbar nicht aufgefallen – denn dazu müsste man den Schulalltag besser kennen. Dass auch sehr guter Distanzunterricht den Präsenzunterricht nicht ersetzen kann, ist für Menschen, die selbst seit vielen Jahren keinen Unterricht mehr besucht haben, vielleicht schwer zu verstehen. Leider bestimmen sie aber über die Bildungspolitik, wahrscheinlich ohne sich mit den Schülern selbst auszutauschen.

Denn anders als Schulleitungen und Politiker behaupten, schafft man in Halbgruppen nicht den gleichen Stoff wie im „normalen“ Präsenzunterricht – zumindest nicht im erforderlichen Umfang. Videokonferenzen sind besser als nichts, ersetzen aber nicht das Miteinander beim Lernen. Und langsam zeigt sich, dass gerade Schüler ohne unterstützendes Umfeld massive Defizite haben, die der Distanzunterricht nicht ausgleichen kann. Das gilt natürlich auch in höheren Klassen.

Wenn alle anwesenden Schüler getestet werden, was spricht dann dagegen, die Klassen wieder in voller Besetzung gemeinsam zu unterrichten? Ohne Impfstoff für diese Altersgruppe kann man das Risiko nicht weiter senken. Auch die Lehrer könnten so entlastet werden, wenn sie keinen parallelen Halbgruppen- und Distanzunterricht vorbereiten und organisieren müssen. Wenn es jetzt immer noch Schüler gibt, die die Tests verweigern, ohne gesundheitliche Gründe dafür zu haben, sollten sie die Inhalte selbstständig aufarbeiten.

Insgesamt ist es enttäuschend, wie mutlos die Bildungspolitik gestaltet wird. Nicht nur, dass Bremen seit Jahren das Schlusslicht in diesem Bereich ist – die Bedürfnisse der Schüler spielen mal wieder keine Rolle. Nur weil sie der Landesregierung nicht zur Wiederwahl verhelfen können, dürfen sie bei den Entscheidungen nicht immer an letzter Stelle stehen. Falls es nur daran liegt, dass man zu wenig Ahnung hat, was in der Schule wirklich los ist, sollte man doch bitte das Gespräch mit Schülern suchen.

Info

Zur Person

Leonard Geßner

ist 16 und geht in Bremen zur Schule. 2020 veröffentlichte er das Buch „Politik der Generation Z“. Für seinen Youtube-Kanal und einen Podcast führt er Interviews mit Politikern.

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