Baubetrieb am Rönnebecker Hafen schreckt die Politik auf / Verwaltungsgericht entscheidet über Nutzung

Gastronom träumt von der Strandhalle

Baubetrieb an der alten Strandhalle in Rönnebeck hat die örtliche Politik aufgeschreckt. Die verwahrloste Immobilie sorgt seit mehr als zehn Jahren für Streit hinter den Kulissen. Die Grünen drängten zuletzt auf Abriss des ehemaligen Ausflugslokals. Der Eigentümer hingegen will an der Rönnebecker Landzunge eine Gastronomie betreiben. Doch eine Nutzung des Gebäudes ist ihm untersagt. Noch.
26.04.2012, 05:00
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Gastronom träumt von der Strandhalle
Von Patricia Brandt

Baubetrieb an der alten Strandhalle in Rönnebeck hat die örtliche Politik aufgeschreckt. Die verwahrloste Immobilie sorgt seit mehr als zehn Jahren für Streit hinter den Kulissen. Die Grünen drängten zuletzt auf Abriss des ehemaligen Ausflugslokals. Der Eigentümer hingegen will an der Rönnebecker Landzunge eine Gastronomie betreiben. Doch eine Nutzung des Gebäudes ist ihm untersagt. Noch.

Rönnebeck. Der Mann mit dem Strohhut, auf dem der Schriftzug "Havanna Club" prangt, hat einen Traum. Der Vegesacker Gastwirt Armin Mick träumt von Open-Air-Veranstaltungen vor der Strandhalle am Rönnebecker Hafen. Um den Traum zu verwirklichen, schüttet Mick dieser Tage Sand auf. Schaufel für Schaufel landet vor dem Haus mit den vernagelten Fenstern und den Graffiti an den Hauswänden. "Ich habe schon mit den Seemanns-Chören gesprochen. Die möchten hier gerne auftreten", erzählt Mick.

Seit den 1990er-Jahren steht die abgebrannte Immobilie zwischen Blumenthaler Fähranleger und Rönnebecker Hafen leer. Das Objekt wird mittlerweile im Verzeichnis für verwahrloste Immobilien beim Umweltressort geführt. Die Nordbremer Bürgerschaftsabgeordnete Maike Schaefer (Grüne) drängte zuletzt auf einen Abriss der Ruine. "Das ist ein Schandfleck, der einer Aufwertung dieses Areals im Weg steht", begründete sie Ende vergangenen Jahres ihr Engagement.

Dabei ging es ihr um Naherholung. Eine Neubebauung ist auf dem Grundstück nicht möglich, seitdem der Bebauungsplan 2004 geändert wurde. Doch weil keine akute Einsturzgefahr besteht, darf die Umweltbehörde das Gebäude nicht einfach abreißen (wir berichteten). Schaefer drängte dennoch: Der Stadt stünden inzwischen eine Reihe von Rechtsinstrumenten zur Verfügung, um bei verfallenden Gebäuden einzuschreiten.

Derzeit nutzt Mick die Strandhalle nach eigenem Bekunden als Wohnhaus. Im vergangenen Herbst habe ihm die SWB Strom gelegt und die Herrentoilette funktioniere auch, meint er. Mick, Jahrgang '39, führt bereitwillig durch sein vermeintliches Heim. Gleich vornean steht ein Tresen mit aufgemalter Palme. Ein Überbleibsel aus der "Lagune", einem Internetcafé, das Mick mal gehört habe. Wie das "Treppchen" und andere Gastronomiebetriebe in Vegesack. Der Mann ist Unternehmer. Hinter dem Tresen steht eine Vitrine mit Biergläsern. Ein Raum weiter finden sich Stühle - jede Menge. Und Bretter sowie anderer Sperrmüll.

900 Quadratmeter misst das Strandhallen-Gebäude, in dem die Blumenthaler in früherer Zeit getanzt haben. Die mannshohen Fenster in einem hinteren Raum sind mit Brettern vernagelt. Auf eine der nackten Betonwände hat jemand die Botschaft "Blondie loves Patrick" gekritzelt. Mit Vandalismus hat Mick in den vergangenen Jahren viel zu tun gehabt, berichtet er. Von einem Fenster hat Armin Mick die Bretter entfernt. Er will die schöne Aussicht auf den Rönnebecker Hafen präsentieren. Die Idylle scheint perfekt: Die vertäuten Boote schaukeln nur wenige Meter entfernt auf den Wellen, im Hintergrund kreischen einige Möwen.

Schon als Mick die Strandhalle nach eigenen Worten 1999 für rund 400000 Mark ersteigerte, hatte er den Traum, hier Gastronomie zu betreiben. "Ich habe hier meine Rente reingesteckt", sagt er. Immer wieder habe er in der Vergangenheit auch den Versuch unternommen, den Betrieb aufzunehmen und Getränke auszuschenken. Doch genauso oft wurde er von der Polizei gestoppt. Oder vom Bauamt. Die alte Strandhalle, urteilt Mick, habe sich als Unglücksgriff erwiesen. Doch jetzt endlich habe sich das Blatt gewendet. Der Gastronom behauptet, er habe gegen den Senat geklagt und gewonnen: "Ich darf hier seit Februar alles machen."

Verfahren seit 2010 anhängig

Seine Bautätigkeit hat die CDU-Beiratsfraktion auf den Plan gerufen. Auf ihr Betreiben hin soll das Bauressort in Kürze den Beirat über die Aktivitäten unterrichten. Fraktionschef Ralf Schwarz und seine Fraktionskollegen wollen wissen: "Wurden Instandsetzungsmaßnahmen in der jüngsten Vergangenheit getätigt? Wenn ja, konnten diese ohne Genehmigung erfolgen und wer hat sie ausgeführt und in welchem Umfang fanden sie statt?" Nach dem Kenntnisstand der Christdemokraten darf wegen des schlechten Gebäudezustands nur der Besitzer selbst Unterhaltungsarbeiten ausführen.

Bautätigkeiten an der Strandhalle sind nach Behördenangaben offenbar nicht erlaubt. "Dass der Eigentümer seit Februar alles machen darf, ist falsch", betont Bauamtsmitarbeiter Helmut Böttjer auf Nachfrage. Und der Experte aus dem Referat Bauordnung fügt hinzu: "Hier ist keinerlei Nutzung möglich." Böttjer verweist in der Sache ans Verwaltungsgericht. Dort ist seit April 2010 ein Verfahren zwischen Mick und der Rechtsabteilung des Bausenators über die Nutzung der Immobilie anhängig. Wann das Gericht entscheidet, ist offen. Die Sache sei bisher nicht terminiert, so eine Sprecherin.

Armin Mick fehlt derzeit ohnehin ein Investor. Sagt er. Denn: "Ohne Geld kann man nicht viel reißen." Deshalb parkt draußen vor der Tür der Strandhalle seine Schubkarre. In seiner Freizeit arbeitet Mick nun Schritt für Schritt an der Verwirklichung seines Traums. Derzeit schüttet er wie gesagt Sand auf.

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