Perspektive für die Zeit nach dem Lockdown

Beiräte fordern weitere Teststationen in Viertel und City

Die Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt fordern den Senat auf, Covid-19-Teststationen im Viertel und in der City einrichten zu lassen. Außerdem fordern sie, die Gast-Bremen-App ausreichend zu finanzieren.
19.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Beiräte fordern weitere Teststationen in Viertel und City
Von Sigrid Schuer
Beiräte fordern weitere Teststationen in Viertel und City

Die Außenfläche des Weincafés Engel ist weiterhin verwaist, daran dürfte sich in den nächsten beiden Monaten nicht viel ändern.

Roland Scheitz

Die derzeitige Situation in der Corona-Pandemie hat etwas von der Quadratur des Kreises. Was auch immer beschlossen wird, das Virus scheint allen Planungen immer ein Stück weit voraus zu sein. Die Botschaft, die Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) jüngst formulierte, war deutlich: Es könne nicht in ständig weiter steigende Inzidenzzahlen hinein gelockert werden. Auch das Tübinger Modell, das vorsah, dass sich die Bevölkerung mit tagesaktuellen Corona-Tests frei testen lassen konnte, musste inzwischen wieder eingestellt werden.

Sommermonate nicht ungenutzt verstreichen lassen

Doch was ist, wenn der 7-Tages-Wert der Inzidenz wieder stabil unter 100 Ansteckungen pro 100.000 Einwohnern liegen wird? Dann sei schnelles Handeln dringend geboten, betonte Norbert Caesar, Vorsitzender der Interessengemeinschaft „Das Viertel“ auf der jüngsten Sitzung der Fachausschüsse für Öffentliches Leben, Handel und Gewerbe des Beirats Mitte sowie für Soziales, Kultur und Wirtschaft des Beirats Östliche Vorstadt. Es könne nicht sein, dass die Sommermonate ungenutzt verstrichen, ohne das zügig ein Öffnungsmodell nach Tübinger Vorbild umgesetzt werden würde, so der Einzelhändler.

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Die Beiratsmitglieder ließen sich auf ihrer gemeinsamen Sitzung ausführlich über die Situation von Handel und Gastronomie im Viertel informieren. Und die wird von Monat zu Monat verzweifelter. Die Nerven liegen sichtlich blank. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Beantworteten im Januar noch 20 Prozent der Betriebe im Viertel die Frage, wie ihre Lage aussehe, mit gut, waren es im April nur sieben Prozent. Befragt nach der Wahrscheinlichkeit, ob sie eine endgültige Schließung ihrer Läden für möglich hielten, antworteten im Januar 39 Prozent mit der Prognose gering. Im April gingen dagegen bereits 82 Prozent der Geschäftsleute von einer konkreten Schließungsgefahr aus.

Gastronomen und Einzelhändler befürchten Schließungen

„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, so das Fazit von Caesar und Andreas Hoetzel, der die Weinbar Engel und das benachbarte Restaurant Il Blu am Ostertorsteinweg betreibt. Ihre Prognose: Bis vielleicht irgendwann im Sommer mithilfe einer dementsprechend hohen Impfquote eine Herdenimmunität bei der Bevölkerung erreicht werden könnte, müssten viele Betriebe bereits zuvor für immer ihre Türen schließen. Besonders bitter für die Gastronomen: War in der Herbst- und Wintersaison bereits fest mit einer weiträumigen Außengastronomie, wie es sie im Sommer 2020 trotz Pandemie noch gegeben hatte, kalkuliert worden, machte die neue, wesentlich ansteckendere, britische Virus-Mutation auch diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Ob der geplante Freiluft-Kultursommer auch immer noch durch die Virus-Mutation beeinträchtigt werden wird, steht noch dahin.

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Andreas Hoetzel war zuletzt mit seiner gemeinsamen Klage mit zwei weiteren Gastronomen vor dem Oberverwaltungsgericht gegen ein Verbot der Außengastronomie gescheitert. Nun hat es also ganz den Anschein, als ob die Läden auch in den wichtigen Monaten Mai und Juni geschlossen bleiben müssten. Bei diesen Aussichten haben die Gastronomen wenig Verständnis für die beim Senat offenbar nicht vorhandene Gesprächsbereitschaft über ein Kontakt-Tracing über die Gast-Bremen-App, die die Bremer Gastro-Gemeinschaft (BGG) entwickeln lassen hat. Denn was ist mit den oftmals unkontrollierten und nicht sanktionierten Treffen größerer Gruppen von Privatpersonen unter freiem Himmel an der Schlachte oder an der Weserpromenade, bei denen oft nicht einmal die AHA-Regeln eingehalten werden? So das Argument von Einzelhändlern und Gastronomen. Diese sind nach ihrer Ansicht viel gefährlicher als die streng nach den Hygieneregeln normierten Treffen in der Außengastronomie. Entsprechende Aerosol-Studien von Wissenschaftlern hatten das zuletzt untermauert. Peter Bollhagen (FDP) gab zu bedenken, ob sich derlei Verbote unter dem Druck der Straße noch aufrecht erhalten ließen, wenn die Schönwettersaison erst richtig beginne.

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Vorplanen für die Zeit nach dem Lockdown

Ziel der Beiräte Östliche Vorstadt und Mitte in ihrem mit großer Mehrheit gefassten Beschluss ist es nun, die vom Senat bereits angedachten Lockerungsübungen für die Zeit nach dem Lockdown noch einmal dezidiert zu unterstützen und sie schnell und tatkräftig voranzutreiben. Deshalb wird der Senat in dem Beschluss aufgefordert, nach dem aktuellen Lockdown beziehungsweise zu dem Zeitpunkt, an dem die Inzidenzwerte in der Stadt Bremen stabil auf niedrigem Niveau liegen, in der Bremer Innenstadt und im Viertel Covid-19-Schnellteststationen einzurichten und damit auf Basis von Tagestickets den Besuch von Einzelhandel, Außengastronomie sowie kulturellen Einrichtungen nach Vorbild des Tübinger Modellprojektes „Öffnen mit Sicherheit“ zu ermöglichen. Es sind dabei weiterhin Hygienekonzepte und die AHA-Regeln einzuhalten.

Info

Zur Sache

Die Gast-Bremen-App

Die App wurde im Auftrag der Bremer Gastro-Gemeinschaft (BGG) entwickelt. Der Vorteil, so die Angaben von Thorsten Lieder von der BGG bestehe in der umfänglichen Datensicherheit. Die Gast-Bremen-Plattform kümmere sich automatisch um die Besucherdaten. Die Gäste werden beim Anmelden einem Ort zugeordnet und entsprechend gespeichert. Nach dem Ende der von dem jeweiligen Bundesland vorgegebenen Löschfrist, werden automatisch alle Kundendaten gelöscht. Werden Daten von Behörden zwecks Kontaktnachverfolgung angefordert, können diese unproblematisch transferiert werden. Um die App scharf zu schalten, sind laut Auskunft von Norbert Caesar noch rund 20.000 Euro notwendig. In dem jüngst gefassten und an den Senat gerichteten Beschluss der Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt heißt es denn auch: Eine (digitale und hinreichend datensichere) Kontaktnachverfolgung, beispielsweise mit der Gast-Bremen App-ist zu organisieren und ausreichend zu finanzieren.

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