Gasumstellung

Wesernetz setzt Hausbesuche trotz Corona-Pandemie fort

Auch während der Corona-Pandemie setzt Wesernetz die Hausbesuche seiner Monteure fort. Der unverändert enge Zeitplan lasse dem Gasnetzbetreiber keine andere Wahl, heißt es.
17.04.2020, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Wesernetz setzt Hausbesuche trotz Corona-Pandemie fort
Von Timo Thalmann
Wesernetz setzt Hausbesuche trotz Corona-Pandemie fort

Die Servicetechniker von Wesernetz erfassen unter anderem weiterhin Gasverbrauchsgeräte in Bremen-Nord.

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Auch in der Corona-Pandemie setzt Wesernetz die sogenannte Gasumstellung in Bremen fort. Das bedeutet, die Hausbesuche von Monteuren, um vorhandene Heizungen und Herde für das neue, energiereichere H-Gas anzupassen, gehen weiter. Diese von Wesernetz verordneten Handwerker-Einsätze stoßen bei einigen Kunden aber angesichts der geltenden Kontaktverbote auf Ablehnung.

Auch Monika Wöhler hätte den Termin gerne verschoben. „Mein Mann und ich gehören wegen Vorerkrankungen und des Alters eindeutig zur Risikogruppe und vermeiden seit Wochen jeden unnötigen Kontakt zu Dritten“, erzählt die Rablinghauserin. Doch ihrem Wunsch, den lange angekündigten Besuch des Technikers später anzusetzen, habe Wesernetz nicht entsprochen. „Man hat uns sogar mitgeteilt, wenn der Techniker nicht kommen kann, müsse man uns vom Gasnetz trennen.“ Nur angesichts dieser Konsequenz habe man eingewilligt.

Keine Alternative

Wesernetz-Sprecher Christoph Brinkmann bestätigt die Darstellung prinzipiell. „Wir haben in den Stadtteilen, in denen das H-Gas bereits teilweise eingespeist ist, leider keine Alternative“, sagt er. Das betrifft derzeit auf der linken Weserseite Strom, Seehausen, Woltmershausen sowie Rablinghausen und auf der anderen Weserseite Gröpelingen sowie Teile von Burglesum. Die Umstellung ist dort laut Wesernetz so weit vorangeschritten, dass es bereits technische Zwangsläufigkeiten gebe. „Wir haben im Vorfeld eigens für die Gasumstellung Trennschieber in den Gasleitungen eingebaut. Sie trennen Netzbereiche mit dem bisherigen L-Gas von den Versorgungsbereichen mit dem neuen H-Gas“, erklärt Brinkmann.

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Werden die Schieber geöffnet und dadurch neue Bereiche mit H-Gas versorgt, müssen die Verbrauchsgeräte in alle dadurch betroffenen Haushalte ausnahmslos umgestellt sein oder dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr am Netz hängen. „Daher können wir dort die Arbeit in einzelnen Haushalten nicht nach Belieben verschieben", so der Sprecher. Allerdings gebe es klare Anweisungen für die Monteure, bei ihren Besuchen die jetzt geltenden Hygienebestimmungen und Abstandsgebote zu beachten, sich also zum Beispiel vor jedem neuen Kontakt die Hände zu desinfizieren.

Nur wenn ein Kunde mitteilt, unter Quarantäne zu stehen oder Erkältungssymptome hat, wird auf den Besuch zunächst verzichtet. „Dann suchen wir nach einer individuellen Lösung. Das bedeutet, wir vereinbaren einen Extra-Termin, bei dem die Monteure mit Schutzausrüstung wie Handschuhen und Masken kommen“, sagt Brinkmann.

Kunden werden verstärkt zur Selbstablesung aufgefordert

Bei Arbeiten, die unter keinem technisch bedingten Zeitdruck stehen, verzichtet Wesernetz aber inzwischen auf Hausbesuche, wenn die Kunden das aktuell wünschen. „Das betrifft etwa vereinbarte Zählerwechsel oder auch das Ablesen von Verbräuchen.“ Hier fordere man die Kunden derzeit verstärkt zur Selbstablesung auf. „Wir haben daher in diesen Tagen zahlreiche Anrufe in unserem Kundencenter, weil das für viele, gerade ältere Kunden, etwas Neues ist“, berichtet Brinkmann. Soweit man die Wohnungen für all diese Arbeiten aber nicht betreten müsse, etwa weil die Zähler im Keller eines Hauses montiert seien, gehe man allerdings davon aus, sämtliche Arbeiten wie vereinbart ohne zusätzliche Rückfrage durch Mitarbeiter von Wesernetz durchführen zu können.

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Ein Grenzfall ist die aktuell laufende Erfassung der Heizungen und Herde für die Gasumstellung in Bremen-Nord. Hier soll das energiereiche H-Gas erst ab kommendem Jahr eingespeist werden, sodass es eigentlich keine technischen Zwänge gibt, die Erfassungstermine unbedingt fortzusetzen. Allerdings gilt ein enger Zeitplan. Wesernetz hat darum offenbar auf Entscheidungen an höherer Stelle gehofft. „Unsere Terminplanung hängt wesentlich davon ab, wann die europäischen Gaslieferanten welches Gas in das Verbundnetz einleiten“, sagt Brinkmann.

Begonnene Umstellung sollen zu Ende gebracht werden

Entsprechend hatten die regionalen Gasnetzbetreiber in der Corona-Pandemie darauf gedrungen, den Zeitplan zu strecken. Doch bei einer eigens anberaumten Sitzung von Wirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur Ende März wurde der Ball zurückgespielt. „Aus Sicht des Bundes ist es verständlich, wenn Netzbetreiber entscheiden, vorerst keine neuen Anpassungen mehr einzuleiten“, heißt es zwar in der entsprechenden Erklärung. Aber auch, es müsse sichergestellt werden, dass einmal begonnene Umstellungen geordnet zu Ende gebracht werden, um eine sichere Versorgung der Endkunden mit Gas zu jeder Zeit zu gewährleisten.

Anders gesagt: Am Zeitplan ändert sich nichts. Falls die Netzbetreiber vor Ort ihre Arbeit verschieben, ist das ihr Problem. Für Wesernetz bedeutet dies laut Brinkmann, dass die Arbeiten auch in Bremen-Nord fortgesetzt werden – mit weiterhin bis zu zehn Hausbesuchen eines Monteurs pro Tag, der sich zwischen zwei Besuchen immer die Hände waschen soll.

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Gasumstellung

Die sogenannte Gasumstellung von niederkalorischem Gas (L-Gas) auf hochkalorisches Gas (H-Gas) ist notwendig, weil die Förderung von L-Gas in den Niederlanden zurückgeht. Für die Umstellung auf H-Gas vor allem aus Russland müssen in Haushalten, Gewerbe- und Industriebetrieben Gasgeräte an die veränderte Gasqualität angepasst werden. In den vergangenen Jahren wurden laut Bundesnetzagentur deutschlandweit dafür bereits rund 500 000 Gasgeräte angepasst, für dieses Jahr sind etwa 400 000 Anpassungen vorgesehen. In Bremen soll das Projekt 2021 abgeschlossen sein.

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