Pilotprojekt im Ohlenhof-Quartier

Gebäudesanierung spart Energie

Gröpelingen. Umwelt- und Bausenator Joachim Lohse startet im Ohlenhof-Quartier ein Pilotprojekt: energetische Stadtsanierung. Im Vordergrund steht, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten.
29.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Das Ohlenhof-Quartier belegt traditionell negative Spitzenplätze im Bremer Sozialindex. Zwingende Voraussetzung dafür, die Sozialstruktur zu verbessern, ist ein besserer Wohnungsbestand. Deshalb startet Umwelt- und Bausenator Joachim Lohse dort ein Pilotprojekt: Energetische Stadtsanierung. Ihr Ansatz: effiziente Energienutzung, optimierte Versorgung durch ein angepasstes Leitungsnetz und die Ergänzung möglichst erneuerbarer Energien miteinander. Im Vordergrund steht aber, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten.

VON EDWIN PLATT

Gröpelingen. Die Weltklimakonferenz hat just auf den wachsenden Anstieg der Kohlendioxid-Emission hingewiesen. Das Fraunhofer Institut prognostiziert laut Bau- und Umweltsenator Lohse 57 Prozent Einsparpotenzial für 2050, davon 71 Prozent bei Wohngebäuden. "Bremen hat 2009 sein Klimaemissionsgesetz verabschiedet und fördert das integrierte Quartierskonzept, das durch Mittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau für energetische Stadtsanierung gefördert werden kann", berichtete Joachim Lohse. Mit diesen Fakten wies er rund 80 Gäste der Info-Veranstaltung zur Energetischen Stadtsanierung im Bürgerhaus Helene Kaisen auf die wichtige Bedeutung der Gebäudesanierung hin.

Hoher Bedarf an Wärme

Weitere Fakten laufen als Präsentation über die Leinwand: Die Packeisabschmelzungen Grönlands, aber auch dass 35 Prozent der produzierten Energie bei uns ohne Nutzen im Leitungsnetz verschwinden. Der größte private Energiebedarf besteht für Wärme. Der durchschnittliche Bremer Energieverbrauch pro Quadratmeter und Jahr liegt bei 170 Kilowattstunden (vergleichbar mit 17 Litern Heizöl oder etwa einer Tonne Öl beim Single-Haushalt). Bis 2020 soll die vereinbarte Energieeinsparung 40 Prozent erreichen.

Wie Energie eingespart werden kann, soll die energetische Sanierung zeigen. Ihr Ansatz: effiziente Energienutzung, optimierte Versorgung durch ein angepasstes Leitungsnetz und Ergänzung möglichst erneuerbarer Energien. Dachflächen können mit Solaranlagen belegt werden. Abwärme aus Gewerbe kann genutzt und wiederverwendet werden. Wärmepumpenanlagen und Einspeicherkonzepte sind zu kombinieren. Sie könnten in einem, dem Bedarf angepassten Leitungsweg, Gebäude unterschiedlichen Charakters versorgen. Und: "Mit steigenden Energiekosten ist weiterhin zu rechnen", enden Vortrag und Präsentation. Die anwesenden Experten – Anne Gerken, Referatsleiterin Wohnungswesen aus dem Bauressort, Andreas Pfadt von der Architektengruppe ASK aus Hamburg, Bernd Schwarzfeld von Firma Ökoplan (Hamburg), die zeitgemäße Energieanwendung umsetzt, Thomas Dittert von DR-Architekten, der als Miterfinder des Energiesparpasses gilt, und Thomas Tietje (Brebau), Ralf Schumann (Gewoba) und Günter Warners (Espabau) – sind sich einig: Dämmen und Isolieren ist im Ohlenhof zweitrangig, weil die denkmalgeschützten Fassaden der Rotklinkerhäuser wenig geeignet sind. Zudem soll das Stadtbild erhalten werden. Die Wohnungsbaufirmenvertreter wissen um Probleme bei und durch Dämmung.

Die Zuhörer, darunter zehn Immobilienbesitzer, reagieren skeptisch: "Muss ich als Eigentümer mitmachen?" oder "Dann werden die Wohnungen viel teurer" und "Meine Nachbarn verschwenden Energie, und ich muss das mitbezahlen", sind spontane Befürchtungen und Vermutungen.

Viele wollen kaum glauben, dass noch kein Konzept existiert, dies die erste von weiteren Bewohnerbefragungen ist und ein Fragebogen zu Heizarten und Energieverbrauch pro Wohnung verteilt werden soll, um Zahlen für erste Berechnungen zu bekommen. "Wir brauchen diese Angaben für ein gutes Konzept. Es könnte sein, dass der Energiebedarf im Osten des Quartiers geringer ist als in anderen Teilen, dann wollen wir den Energiefluss auch so lenken", heißt es. Doch eine Brebau-Mieterin zweifelt: "Meine Nachbarn verbrauchen doppelt so viel wie ich. Wenn das in den Bedarf einfließt, wird die Berechnung viel zu hoch. Das will ich nicht mitbezahlen."

Der Info-Abend ist der Auftakt eines Prozesses der Bürgerbeteiligung. Im nächsten Schritt ermittelt das Team jetzt Zahlen über Thermen, Holzöfen, Ölöfen, Zentralheizungen, Verbrauchswerte und Leitungswege im Quartier – als Grundlagen für ein Konzept. "Wir blicken auf kleinteilige Steinhäuser, warten auf das Konzept und haben Lust mitzuarbeiten", sagt Ralf Schumann von der Gewoba.

Ziel ist, die Planungsphase bis Juni nächsten Jahres abgeschlossen zu haben. Das Projekt wird zu zwei Dritteln von der KfW und einem Drittel vom Bausenator und den drei Wohnungsbaugesellschaften finanziert.

Weitere Auskünfte: Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Anne Gerken, Telefon 3616022 oder E.Mail: anne.gerken@bau.bremen.de.

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