Nabu: Kleipütte ist zum Lebensraum für 75 Vogelarten geworden

Gebiet für Grünschenkel und Knäkenten

Lemwerder. Es hat ein wenig gedauert. Seit zwei Jahren ist der Kleiabbau für die Deicherhöhung in Lemwerder bereits beendet.
07.11.2016, 00:00
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Von Georg Jauken
Gebiet für Grünschenkel und Knäkenten

Die Kleipütte Barschlüte ist nach Zahlen des Naturschutzbundes Stedingen die Heimat von mittlerweile 75 Vogelarten.

Nabu Stedingen/frei

Lemwerder. Es hat ein wenig gedauert. Seit zwei Jahren ist der Kleiabbau für die Deicherhöhung in Lemwerder bereits beendet. Jetzt, mit Beginn des Monats November, ist die Kleipütte an der Industriestraße in Barschlüte in die Verantwortung der Stiftung Oldenburgisches Naturerbe des Naturschutzbundes (Nabu) übergegangen, wie Hartmut Drebing von der Nabu-Gruppe Stedingen mitteilt. Er sagt, die Kleipütte sei mittlerweile zur Heimat vieler seltener und stark gefährdeter Arten geworden.

Äußerlich hat sich nichts geändert. Die Vogelwelt hatte die etwa 2,7 Hektar große künstlich geschaffene Wasserfläche 2014 auf Anhieb für sich entdeckt. Gleich im ersten Jahr beobachteten Mitglieder der Umweltorganisation Nabu dort mehr als 60 verschiedene Vogelarten. Inzwischen ist die Kleipütte Barschlüte nach den Worten von Hartmut Drebing Lebensraum für mindestens 75 Vogelarten. Darunter sind laut Drebing 29 Vogelarten, die sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten in Niedersachsen befinden.

Einige Arten konnten sich erst ansiedeln, nachdem das Gebiet an der Kleientnahmestelle entstanden war. Dieses Jahr konnte das Mitglied der Nabu-Gruppe Stedingen auf der in der Pütte angelegten und mit Kies bedeckten Insel erstmals zwei Säbelschnäbler-Paare beobachten. Die Paare zogen Hartmut Drebing zufolge insgesamt sieben Junge auf.

Wie der Nabu im Internet berichtet, habe der Säbelschnäbler, ein eleganter, schwarz-weiß gefiederter Watvogel, seinen Namen wegen des auffällig langen, nach oben gebogenen Schnabels. Mit diesem sucht er in Flachwasserzonen den Boden nach Nahrung ab. Wie auch viele andere Limikolen, bevorzugt der Säbelschnäbler Brutplätze mit niedriger Vegetation, da er seine Nester auf dem Boden baut. „Dort scharrt er eine kleine Mulde für das Gelege und baut aus umliegenden Grashalmen ein Nest. Der Rotschenkel zieht oberhalb noch einige Grashalme zusammen, um das Nest besser vor Räubern aus der Luft zu schützen." Denn die Küken der Wiesenlimikolen sind dem Nabu zufolge Nestflüchter: Sie laufen bereits unmittelbar nach dem Schlüpfen mit den Eltern umher und müssen schon frühzeitig selbst nach Nahrung suchen.

Aufmerksamkeit ruft bei den Vogelfreunden auch ein Brutpaar der als stark gefährdet eingestuften Flussseeschwalbe hervor. Es brütete auf der Insel in der Pütte schon 2015 zum ersten Mal. Die in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Bruchwasserläufer, Flussuferläufer und den Grünschenkel beobachtete Hartmut Drebing bei der Nahrungssuche am Ufer des Gewässers. Ebenso sind hierzulande Knäkenten und Spießenten vom Aussterben bedroht. Drebing fotografierte sie beim Ausruhen auf dem Gewässer. Die Kleipütte Barschlüte versteht der Fachmann als „einen Mini-Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in der südlichen Wesermarsch“ im Sinne der UN-Dekade der Biologischen Vielfalt (2011 bis 2020) sowie der niedersächsischen Strategie zum Arten- und Biotopschutz.

Mit dem Genehmigungsverfahren zum Kleiabbau hätten intensive Gespräche zwischen dem I. Oldenburgischen Deichband, dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und dem Landkreis Wesermarsch begonnen, wie die Umwandlung des artenreichen Dauergrünlands in ein flaches Stillgewässer möglichst naturverträglich gestaltet werden könnte.

Um die Fläche für die Vogelwelt zu sichern, wollte der Nabu sie kaufen. Im Frühjahr 2015 berichtete Kai Wienken vom NLWKN, man sei sich grundsätzlich einig: „Ich denke, die Fläche ist dort in guten Händen.“

Zu dem gemeinsam ermöglichten Biotop gehört auch der Uferstreifen mit einer Gesamtgröße von etwa einem Hektar. Dort hat eine Biologin inzwischen etwa 120 landschaftstypische Blütenpflanzen-Arten registriert – ein Lebensraum für Kleinsäugetiere, Käfer, Libellen, Falter, Spinnen, Bienen, Wespen und Schrecken. Von Bedeutung ist das Biotop laut Hartmut Drebing aber auch als Lebensraum für landschaftstypische Weichtiere wie die Große Teichmuschel, für Moose, Flechten und Pilze, Amphibien und Fische.

„Die Kleipütte ist ein Mini-Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.“ Hartmut Drebing, Nabu
„Die Fläche ist dort in guten Händen.“ Kai Wienken, NLWKN
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