Der Vorsitzende des Bremer Frauenärzteverbandes fordert ein neues Konzept für die Versorgung Schwangerer "Geburtshilfe in Mitte 2013 wiedereröffnen"

Unter der Regie der Gesundheitsbehörde trifft sich heute zum zweiten Mal ein Runder Tisch, der sich mit der Sicherstellung der geburtshilflichen Versorgung befasst. Der Berufsverband der Bremer Frauenärzte hatte ihn gefordert, weil es nach der Schließung des Kreißsaals im Klinikum Bremen-Mitte in anderen Krankenhäusern mit Geburtshilfe-Stationen zu Versorgungsengpässen gekommen war. Darüber sprach Sabine Doll mit dem Verbandsvorsitzenden Dr. Andreas Umlandt.
12.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Unter der Regie der Gesundheitsbehörde trifft sich heute zum zweiten Mal ein Runder Tisch, der sich mit der Sicherstellung der geburtshilflichen Versorgung befasst. Der Berufsverband der Bremer Frauenärzte hatte ihn gefordert, weil es nach der Schließung des Kreißsaals im Klinikum Bremen-Mitte in anderen Krankenhäusern mit Geburtshilfe-Stationen zu Versorgungsengpässen gekommen war. Darüber sprach Sabine Doll mit dem Verbandsvorsitzenden Dr. Andreas Umlandt.

Bremens Frauenärzte fürchten um die Versorgung Schwangerer – worum geht es konkret?Andreas Umlandt:

Anlass sind Meldungen von Patientinnen über Versorgungsengpässe und Überlastung der Mitarbeiter in den Geburtshilfe-Stationen der Krankenhäuser. Vor allem, wenn gleichzeitig mehrere Frauen entbinden, die gleichen Anspruch auf optimale Versorgung haben. Geburtshilfe heißt aber auch, dass es eine Betreuung vor der Geburt und eine qualifizierte Wochenbettpflege mit Stillförderung geben muss. Das soll kein Luxus werden.Was ist der Grund für die Versorgungsengpässe?Die Schließung der Geburtshilfe im Klinikum Bremen-Mitte ist aus unserer Sicht ohne wirkliche Not erfolgt. Sie hatte vor allem betriebswirtschaftliche Gründe.Laut Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) wurden Station und Kreißsaal geschlossen, weil man die Quelle für den tödlichen Keimausbruch noch nicht finden konnte und deshalb auf Nummer sicher gehen wollte.Dann ist es aber verwunderlich, warum man andere Stationen wie die Dermatologie, in der immungeschwächte und damit gefährdete Patienten liegen, nicht geschlossen hat. Wenn das Keimrisiko tatsächlich der Grund ist, hätte man konsequenter handeln und das gesamte Gebäude schließen müssen. Vielmehr scheint der Auslöser zu sein, dass es betriebswirtschaftlich auch nicht mehr sinnvoll war, die Geburtshilfe ohne Neonatologie weiterzubetreiben. Die Zahl der Geburten war durch den Keimausbruch und den großen Imageverlust seit Anfang des Jahres dramatisch zurückgegangen.Aber war es nicht dennoch richtig aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Keims und neuen Infektionen die Geburtshilfe zu schließen – zumal die Geburtszahlen zurückgegangen sind?Für den aktuellen Zeitpunkt war das sicherlich richtig. Wir kritisieren aber, dass dies in einer Nacht-und-Nebel-Aktion geschehen ist, ohne mit den Beteiligten vorher darüber zu sprechen und Pläne für eine ausreichende Versorgung von Müttern und Neugeborenen zu erarbeiten. Das hätte geholfen, manches Problem zu vermeiden. Die Beteiligten sind ......das Personal und die anderen Krankenhäuser mit einer Geburtsklinik. Man kann nicht einfach 1100 Geburten im Jahr, die jetzt am Klinikum Mitte weggefallen sind, durch die Zahl der anderen Häuser und durch 365 Tage teilen. So funktioniert Geburtshilfe nicht. Kinder kommen, wann sie wollen. Und dann muss die Infrastruktur optimal vorhanden sein. Sie haben von lazarettähnlichen Zuständen gesprochen.Das war sicherlich sehr pointiert formuliert und galt für Spitzenzeiten des Arbeitsanfalls. Dennoch gibt es eindrucksvolle Beispiele: So müssen zum Beispiel Ärzte aus der Chirurgie in der Gynäkologie bei Kaiserschnitten aushelfen. Das Problem ist erkannt, nicht zuletzt wegen des Falles einer Schwangeren, die einen Blasensprung hatte und für eine Frühgeburt nachts ohne ärztliche Begleitung von Bremen nach Hannover transportiert werden musste: Die Gesundheitsbehörde hat einen Runden Tisch ins Leben gerufen, der heute zum zweiten Mal zusammenkommt. Was ist da zu erwarten?Die Arbeitsgruppen haben jetzt getagt. Wir, der Berufsverband der Frauenärzte, sowie die Bremer Kinderärzte fordern die Wiedereröffnung der Geburtshilfe im Klinikum Bremen-Mitte ab 2013, und nicht erst 2015 mit dem Start des geplanten Eltern-Kind-Zentrums. Und erst recht, wenn jetzt auch die Infektionsquelle gefunden sein sollte.Mit der Wiedereröffnung fordern Sie außerdem ein neues Gesamtkonzept für die Geburtshilfe – warum das?Bremen ist in der Geburtshilfe traditionell ein innovatives Pflaster. Und genau diese Fähigkeit müssen wir wieder in den Mittelpunkt stellen. Wie das geschehen kann, wollten wir schon vor Längerem mit der Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper besprechen. Vielleicht klappt dies ja jetzt. Wird sich das Klinikum Mitte von dem riesigen Image- und Vertrauensverlust überhaupt erholen können?Ganz sicher. Bremen braucht das Klinikum Bremen-Mitte. Es ist ein fester Bestandteil im Bewusstsein der Bremerinnen und Bremer. Die Chance, mit einem Neustart die Krise hinter sich zu lassen und auch einmal wieder ein überregionales Meilenstein-Konzept zu entwickeln, ist jetzt da. Und zwar nicht nur für die Geburtshilfe, sondern für den gesamten Klinikverbund. Wesentlich ist dabei allerdings, dass der überzogene Personalabbau wieder rückgängig gemacht wird. Ansonsten wird ein ehemals großes Klinikum mit universitären Ansprüchen auf das Niveau eines Kreiskrankenhauses abrutschen. Wie groß sind die Chancen, dass die Geburtshilfe im Klinikum Mitte tatsächlich ab 2013 wiedereröffnet wird?Auf eine Große Anfrage der CDU hierzu hat der Senat in der vergangenen Woche folgendermaßen geantwortet: Entscheidend hierfür sei die Einschätzung der Infektionslage und das Vorhandensein von qualifiziertem Personal. Nach derzeitiger Planung der Geschäftsführung der Gesundheit Nord werde angestrebt, die Geburtshilfe im Jahr 2013 wiederzueröffnen. Daran sollte jetzt konsequent gearbeitet werden.

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