111 Jahre Botanischer Garten Geburtstag mit Shakespeare

Er wird schön gemacht. Er lässt sich putzen und striegeln, hegen und pflegen. Gemeint ist der Botanische Garten, der in diesem Jahr seinen 111. Geburtstag feiert.
17.04.2016, 00:00
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Von Marie-Chantal Tajdel

Er wird schön gemacht. Er lässt sich putzen und striegeln, hegen und pflegen. Gemeint ist der Botanische Garten, der in diesem Jahr seinen 111. Geburtstag feiert.

Momentan sind die Gärtner damit beschäftigt, die Wege zu frei zu machen, neue Bäume und Büsche zu pflanzen, Laub zu harken, das Holz der Bänke zu streichen und die Beete zu säubern. Dort blühen Narzissen und Tulpen. Auch Magnolien, Kornelkirsche, Scheinhasel und die ersten Rhododendronbüsche zeigen ihre Pracht.

Vor einer Zierkirsche, an einem kleinen See versucht ein Mann, seine Frau für ein Foto in Position zu bringen. Der Baum ist voller Blüten, die im leichten Frühlingswind sanft ans sonnige Ufer wehen. Ein romantisches Foto wird das. „Der Baum ist noch aus den 1950er Jahren“, sagt Dr. Hartwig Schepker. Er leitet den Botanischen Garten und den Rhododendron-Park.

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Dass er den 111. Geburtstag feiert, hat einen wichtigen Grund. Der Parkleiter möchte die Bremer darauf aufmerksam machen, dass Rhododendron-Park und Botanischer Garten genauso von den Bürgern für die Bürger erhalten werden wie etwa der Bürgerpark. „Wir sind seit 2009 eine Stiftung – nur weiß das kaum jemand“, sagt Schepker, denn der Park habe eine bewegte Geschichte hinter sich. So befand sich der Botanische Garten 1905 am Osterdeich und zwar, wo mittlerweile das Autohaus Weller steht. Dort hatte der Bremer Mäzen Franz Schütte, der auch als der „Petroleumkönig“ bekannt war, nach Kölner Vorbild einen Botanischen Garten errichten lassen. „Schon um die Jahrhundertwende beklagte man eine zunehmende Verstädterung“, erzählt Hartwig Schepker. Um den Botanischen Garten erhalten zu können ist in Zeiten der Inflation in den 1920er die Stadt finanziell eingesprungen. 1936/37 wurde der Botanische Garten mit dem entstehenden Rhododendron-Park in Horn-Lehe zusammengelegt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Park in seiner heutigen Form und an seinem heutigen Standort in Schwachhausen ausgebaut. „Zweimal hat man versucht, Eintrittsgeld zu nehmen, das ist jedes Mal kläglich gescheitert“, sagt Hartwig Schepker.

Seit 2009 sind Park und Garten nicht mehr städtisch, sie sind in eine Stiftung übergegangen. Auf dem Gelände in Schwachhausen stehen im insgesamt 46 Hektar großen Rhododendron-Park für den Botanischen Garten 3,2 Hektar zur Verfügung. Gepflegt werden diese von 25 fest angestellten Gärtnern und sechs Auszubildenden. Außerdem gibt es vier Mitarbeiter in der Verwaltung. „Die Mittel zum Erhalt des Parks stammen zum überwiegenden Teil aus den Zinserträgen der Stiftung“, sagt der Parkleiter.

Doch seit einigen Jahren schmälern die sinkenden Zinsen die Erträge, es geht der Stiftung des Botanischen Gartens wie vielen anderen: Sie ist auf zusätzliche Spenden angewiesen – oder auf den Erlös von Aktionen. Hartwig Schepker versucht, beide Wege zu gehen und möchte deshalb mehr Besucher in den Rhododendron-Park und den Botanischen Garten locken. „Deshalb ziehen wir die Feierlichkeiten zum 111. Geburtstag etwas vor“, sagt er schmunzelnd. Der eigentliche Geburtstag ist erst am 17. September. „Aber dann ist das Jahr fast vorbei“, sagt Schepker „und die schönste Blütezeit im Rhododendron-Park obendrein“. Die meisten Sträucher und Büsche entfalten ihre bunte Pracht von Mitte April bis Mitte Juni. Vor allem in dieser Zeit kommen die meisten Besucher. Über das Jahr verteilt, schätzt das Statistische Bundesamt, wandeln rund 250 000 bis 350 000 Gartenfreunde zwischen den Blumen und Büschen. „Wie viele genau es sind, das wissen wir nicht, weil wir keinen Eintritt nehmen“, sagt der Parkleiter. Ca. 55 Prozent der Besucher wohnen mehr als 50 Kilometer von Bremen entfernt. Ein paar Bremer mehr könnten Park und Garten nicht schaden, findet Schepker.

Den 111. Geburtstag hat er darum auf das Datum des 400. Todestages von William Shakespeare verschoben und rund um dieses Datum einige Veranstaltungen organisiert. So wird ein kleines Rasenstück mit einer großen, griechischen Vase in der Mitte des Botanischen Gartens zur Bühne für ein sommerliches Potpourri aus Shakespeare-Stücken. Die Bremer Shakespeare Company wird am 10. und 11. Juni Szenen aus verschiedenen Werken des englischen Dramatikers unter dem Titel „Shakespeare durch die Blume“ aufführen. Auch eine Schülerveranstaltung plant der Parkleiter.

Gemeinsam mit der Shakespeare Company wird sich Hartwig Schepker noch ein weiteres Mal auf die Spuren in die Vergangenheit begeben. Gemeinsam mit einem Schauspieler wird er ein interaktives Stück erarbeitet, in dem der Schauspieler respektive Franz Schütte der Frage nachgeht: Was ist eigentlich aus meiner Idee mit dem Botanischen Garten geworden und welche Pflanzen zeigt ihr heute? „Ein ähnliches Stück wollen wir auch über Shakespeare ausarbeiten“, erzählt der Parkleiter. Dabei soll es um die Pflanzen zu Shakespeares Zeit gehen. Holunder, Eibe, Rose oder Mandragora – warum kommen sie in den Werken vor und welche Symbolik haben diese Gewächse?

Bis dahin muss die kleine Rasenfläche noch ein wenig aufgehübscht werden. „Es kommen ja viele Gäste“, hofft Schepker. Ansonsten solle der 111. Gartengeburtstag samt Schauspiel ganz im Sinne William Shakespeares verlaufen: unter freiem Himmel, nahe an den Schauspielern und dem Chor und nahe beim Garten.

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