Messe für Pawel Adamowicz Gedenken mit Danzigern

Im Haus der Bremischen Bürgerschaft ist des ermordeten Danziger Bürgermeisters Adamowicz gedacht worden. An ihn erinnerten auch Gäste aus Bremen polnischer Partnerstadt wie der Politologe Basil Kerski.
25.01.2019, 22:24
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Hoesmann

Wer am Freitag den Festsaal der Bürgerschaft betrat, schaute auf Pawel Adamowicz. Ein großes Bild auf der Leinwand zeigte den verhalten lächelnden Danziger Stadtpräsidenten und Bürgermeister, der nur 53 Jahre alt wurde. Am Sonntag, 13. Januar, war er während einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf offener Bühne niedergestochen worden und am Tag darauf gestorben. Sein tragischer, sinnloser Tod hat auch in Bremen viele Menschen erschüttert. Am Freitagabend konnten sie gemeinsam Abschied nehmen – bei einer Gedenkveranstaltung im Haus der Bürgerschaft mit Vertretern aus Danzig. Auch in der Propsteikirche St. Johann war zuvor an Pawel Adamowicz erinnert worden – mit einer deutsch-polnischen Messe und einer Fürbitte.

„Mir gehen noch die Bilder der Ermordung durch den Kopf“, sagte Bürgerschaft-Vizepräsident Frank Imhoff (CDU) im Festsaal. „Dann kamen Trauer, Entsetzen, bei manchen auch Wut“. Adamowicz sei einer der großen Motoren der Städtepartnerschaft Bremen-Danzig gewesen. „Er hat sie mit Leben gefüllt“, für besonders enge Freundschaften zwischen Bürgern beider Hansestädte gesorgt. Das würdigte auch Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), er sprach von einem „wirklichen Freund Bremens“. Viermal habe er Adamowicz getroffen, davon dreimal in Bremen. „Ich habe einen Mann kennengelernt, der sofort alle ergriffen hat.“ Die EU verliere einen großen Europäer. „Wir werden ihn nie vergessen.“

Er hoffe sehr, dass die Hintergründe des Mordes aufgeklärt werden, sagte Sieling. Schon beim zurückliegenden Wahlkampf habe ein Klima des Hasses und der Drohungen in Polen geherrscht. „Wie bedroht Adamowicz war, musste bekannt gewesen sein.“ Er frage sich, so Sieling, warum der Attentäter, ein ehemaliger Häftling, mit einer Presse-Akkreditierung ausgestattet war und ungehindert mit einem Messer zur Bühne gelangen konnte. Letztlich aber müsse aus dem grausamen Attentat Versöhnung entstehen. Gerade jetzt sei es wichtig, die Städtepartnerschaft zu intensivieren. Dabei helfen könne auch die neue Flugverbindung von Bremen nach Danzig ab April.

Für Piotr Grzelak, stellvertretender Danziger Stadtpräsident, war Adamowicz „wie ein Mitglied unserer Familie“. Vor dem Bild seines toten Freundes im Festsaal erzählte Grzelak, dass Bremens ehemaliger Bürgermeister Hans Koschnick für diesen ein Vorbild gewesen sei. „Seine Arbeit hat er der Arbeit von Koschnick abgeschaut.“ Wie Koschnick ein mutiger Mann gewesen sei, so habe sich auch Adamowicz bemüht, mutig zu sein. Zu Koschnicks Zeiten entstanden die ersten Bremer Kontakte nach Danzig und zur Solidarnosc-Bewegung, für die auch Adamowicz kämpfte. Grzelak dankte für die Bremer Unterstützung damals, „in den dunklen Zeiten des Kommunismus“.

Auch Basil Kerski war befreundet mit Adamowicz. Kerski leitet das Europäische Solidarnosc-Zentrum auf dem Areal der früheren Danziger Lenin-Werft, in Bremen erinnerte er an den langjährigen Einsatz des Freundes für Freiheit in einem neuen Polen. Adamowicz sei in den 80ern Streikführer gewesen und eine Schlüsselfigur der jungen Generation. „Seine Biografie ist mindestens 30 Jahre aktive polnische Demokratie.“ Viele sähen den Mord an ihm als Mord an der Demokratie.

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