Terrorismus Gefährder aus Bremen bestätigen Forschung aus London

Eine Studie aus London spricht davon, dass immer mehr islamistische Gefährder einen allgemein kriminellen Hintergrund haben. Zwei Fälle aus Bremen bestätigen dies.
13.05.2019, 21:20
Lesedauer: 3 Min
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Gefährder aus Bremen bestätigen Forschung aus London
Von Ralf Michel

Täter, die aus einem allgemeinen kriminellen Milieu kommen, sich dann radikalisieren und zu Gefährdern werden? Daniel Heinke, Leiter des Landeskriminalamtes, muss nicht lange überlegen, um Beispiele aus Bremen zu finden, die die Aussagen des Terrorismusexperten Peter Neumann über Verbindungen zwischen Terrorismus und Kriminalität belegen. Der im Januar 2018 nach Algerien abgeschobene Algerier Oussama B. passe geradezu phänotypisch zu dieser Entwicklung. Ebenso Harry S., der 2016 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt wurde.

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Oussama B. habe sich auf unterschiedlichen kriminellen Feldern betätigt, sagt Heinke. Detaillierter will er sich hierzu nicht äußern. „Sagen wir, er war sehr eingebettet in die hiesige Szene.“ Zusammen mit seiner offenkundigen Sympathie für die Märtyrerideologie der terroristischen Vereinigung Islamischer Staat (IS) und seinen regelmäßigen Kontakten zu Personen, die der besonders radikalen Strömung des Salafismus angehörten, ergab dies aus Sicht der Bremer Sicherheitsbehörden genau die gefährliche Mischung, vor der Peter Neumann warnt. Dabei habe der damals 37-jährige Algerier nicht einmal besonders religiös gelebt, erläutert Heinke.

Und er sei auch nicht als der Typ eingeschätzt worden, der selbst Anschläge verübt. „Aber als einer, der andere dazu befähigt, indem er sie unterstützt.“ Zustimmung bei Peter Neumann. „Der wäre in der Lage gewesen, die entsprechenden Strukturen aufzubauen.“

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Daran, dass Oussama B. eine besondere Gefahr für die Sicherheit darstellte, seine Abschiebung damit rechtmäßig war, bestand auch für das Bundesverwaltungsgericht kein Zweifel. Der Algerier hatte laut Bremer Sicherheitsbehörden mehrfach öffentlich betont, stolz auf die Taten des IS zu sein, den Anschlag von Anis Amri auf dem Berliner Breitscheidplatz, bei dem zwölf Menschen getötet wurden, als gerechtfertigt bezeichnet, auf seiner Facebook-Seite IS-Propagandavideos veröffentlicht und offen mit dschihadistischen Inhalten sympathisiert.

Zusätzliche Reputation in der Szene habe er durch den Märtyrertod seines Bruders erhalten, der 2015 nach Syrien ausreiste und sich Ende November 2015 im Irak als Selbstmordattentäter in die Luft sprengte, ergänzt Peter Neumann. Oussama B. habe diese Tat gutgeheißen und damit geprahlt, heißt es in der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts.

Der in Bremen geborene Harry S. steht ebenfalls für die von Neumann aufgezeigte Vermischung von kriminellen und terroristischen Milieus. Harry S. reiste 2015 nach Syrien aus, 2016 verurteilte ihn das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu drei Jahren Haft.

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Durch Straftaten aufgefallen war Harry S. aber schon vorher. Für einen Überfall auf einen Supermarkt saß er bereits im Gefängnis. Und nach seiner Rückkehr aus Syrien verurteilte ihn das Landgericht Verden für den Überfall auf ein Ehepaar in Oyten zu vier Jahren Haft.

Schließlich gibt es ein weiteres Detail in der Biografie von Harry S., das zu den Forschungsergebnissen von Peter Neumann passt: Harry S. behauptet, während seiner Haftstrafe für den Supermarktüberfall in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen von einem Islamisten indoktriniert worden zu sein. Nach seiner Entlassung schloss er sich dem mittlerweile verbotenen islamistischen Kultur- und Familienverein (KuF) in Bremen an. Und reiste anschließend nach Syrien aus.

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Zur Sache

Neuer Terrorismus-Experte

Jasper Schwampe (34) ist neuer Mitarbeiter der Staatsschutzabteilung des Bremer Landeskriminalamtes. Der promovierte Politik- und
Sicherheitswissenschaftler ist zuständig für die Extremismusprävention und vertritt die Polizei auch im Kodex-Netzwerk. Hinter Kodex verbirgt sich das ressortübergreifende Konzept Bremens zur Abwehr möglicher Terroranschläge.

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