Bremen hat Hygieneverordnung überarbeitet Gefährliche Krankenhauskeime nehmen zu

Bremen. Resistente in Krankenhäusern sind eine Gefahr – gegen sie helfen kaum Medikamente. Neue Zahlen geben Anlass zur Sorge.
20.09.2013, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von HANS–ULRICH BRANDT UND BASIL WEGENER

Bremen. In Deutschland werden jährlich etwa 17 Millionen Menschen im Krankenhaus behandelt. Hinzu kommen ambulante Behandlungen und die Versorgung in anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, zum Beispiel in Pflegeheimen. Resistente Keime sind deshalb eine Gefahr – gegen sie helfen kaum Medikamente. Neue Zahlen geben Anlass zur Sorge.

Gefährliche Krankheitserreger, die nicht oder kaum auf Antibiotika reagieren, werden in Krankenhäusern zum wachsenden Risiko. Ihr Anteil an der gemessenen Keimbelastung insgesamt ist in den vergangenen Jahren in Hunderten Kliniken deutlich gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Die Parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) bestätigt, dass der Anteil an Klinikkeimen, die gegen alle Antibiotika wenig oder gar nicht empfindlich sind, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Die Daten, die das belegen, stammen aus einem Kontrollprojekt zu Antibiotika-Resistenzen, bei dem Kliniken ihre einschlägigen Ergebnisse mitteilten. Widmann-Mauz wies in ihrem Schreiben an die Grünen allerdings auch darauf hin, dass eine genaue Aussage schwierig sei, denn die Zahl der teilnehmenden Krankenhäuser sei im Untersuchungszeitraum deutlich angestiegen.

Als Ursachen für die Entwicklung resistenter Keime gelten eine sorglose Gabe von Antibiotika an Patienten sowie der Antibiotika-Einsatz in der Tierzucht.

Die Sprecherin des Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), Karen Matiszick, bestätigt den Trend. „Wir stellen auch fest, dass die Erreger zunehmen.“ Die besonders gefährlichen vierfach resistenten Keime würden allerdings in den Geno-Kliniken noch sehr selten vorkommen. Im laufenden Jahr habe es bisher „weniger als zehn Fälle“ gegeben. In einem Netzwerk hätten sich Krankenhäuser, Laboratorien und Pflegeeinrichtungen zusammengeschlossen, um das Auftreten von multiresistenten Keimen besser erfassen und analysieren zu können. Auch würden bei Risikogruppen – zum Beispiel Menschen mit schwacher Immunabwehr – vorbeugende Routineuntersuchungen gemacht.

Der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Jens Schmidt, verweist auf das Landesaktionsprogramm Krankenhaushygiene, das Ende 2011 nach dem Keim-Skandal auf der Frühgeborenen-Station am Klinikum-Mitte gestartet worden ist. Bis zum Sommer diesen Jahres seien wesentliche strukturelle, personelle und organisatorische Verbesserungen umgesetzt worden. Dazu, so Schmidt, gehörten neben dem Netzwerk auch eine Überarbeitung der Krankenhaushygieneverordnung und eine bessere Personalausstattung der Gesundheitsämter.

Bernhard Koch, Sprecher der „Kliniken Region Hannover“ (KRH), einem Zusammenschluss von zwölf kommunalen Krankenhäusern in Niedersachsen, liegen keine neuen Zahlen zur Entwicklung von Klinikkeimen vor. Er verweist auf die guten vorbeugenden Erfolge, die mit der Untersuchung von Risikogruppen gemacht würden. So könnten Träger von multiresistenten Keimen rechtzeitig erkannt und isoliert werden.

In einem Gesundheitsreport hatte die Krankenkasse hkk im Mai für Bremen und den Nordwesten von einer Verdoppelung der Infektionsraten mit multiresistenten Keimen in der Zeit von 2007 bis 2011 gesprochen (wir berichteten). Ausgewertet wurden Daten von hkk-Versicherten.

Jörg Herrmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene in Oldenburg, relativiert im Gespräch mit unserer Zeitung aber die Aussage des Reports. Zwar sei es gut, dass sich auch die Krankenkassen um dieses wichtige Thema kümmerten, „die Zahlen der hkk sind aber mit Vorsicht zu genießen“, so Herrmann. Der Hygieneexperte verwies auf „hohe Fehlerquellen bei der Auswertung von Routinedaten“. Insgesamt gibt aber auch Herrmann keine Entwarnung: „Multiresistente Keime sind eine Riesenherausforderung für uns. Es braucht noch erhebliche Anstrengungen.“

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