Baden offiziell nur am Café Sand erlaubt

Die Weser ist der viertgefährlichste Fluss in Deutschland

Weil die Weser eine Bundeswasserstraße ist, gelten viele Verbote, die die Flächen für Schwimmer eingrenzen. Am Café Sand liegt Bremens einzige offizielle Badestelle.
25.07.2020, 05:00
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Die Weser ist der viertgefährlichste Fluss in Deutschland
Von Ulrike Troue
Die Weser ist der viertgefährlichste Fluss in Deutschland

Die einzige offizielle Bremer Badestelle in der Weser liegt am Café Sand. Sie ist nur zur Abkühlung gedacht.

Frank Thomas Koch

Wer auf dem Osterdeich an sommerlich warmen Tagen unterwegs ist und das Treiben auf der gegenüberliegenden Weserseite beobachtet, kann schon mal neidisch werden. Viele Menschen planschen am Café Sand in der Weser, es herrscht meist eine ausgelassene Stimmung. Wer will da nicht auch mal kurz abtauchen, gerade jetzt, wo die die geplante Urlaubsreise in diesem Sommer ausfallen muss. Und der Besuch im Freibad wegen der Zeitfenster auch einen gewissen Termindruck mit sich bringt. Also rein in die Weser – aber ist das eigentlich erlaubt?

Der Abschnitt am Café Sand ist seit 1989 die einzige offiziell ausgewiesene Badestelle in der Weser in Bremen. Trotz dieses Status darf in diesem Abschnitt nicht überall geschwommen werden, weil der Fluss eine Bundeswasserstraße ist. Der Tidenhub, die starken Strömungen und der Schiffsverkehr auf der Weser seien „extrem gefährlich“, erklärt Jens Tittmann, Pressesprecher der Umwelt-Senatorin.

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„Die offizielle Badestelle am Café Sand ist eher etwas zum Abkühlen. Das Schwimmen in der Weser sollte man bleiben lassen, es ist lebensgefährlich“, sagt Tittmann. „Wer richtig schwimmen will, sollte in die Bäder gehen.“ Man vertraue beim Strand am Café Sand auf das Verantwortungsbewusstsein jedes einzelnen. Darauf, dass jeder, der sich dort in der Weser abkühlen möchte, schwimmen kann und auch wirklich gute, ausdauernde Schwimmer nicht auf die Idee kommen, weiter raus zu schwimmen oder gar bis ans andere Ufer schwimmen zu wollen.

Weil die Weser eine Bundeswasserstraße sei, habe sich Bremen nach der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes zu richten, führt Jens Tittmann aus. „Das sind beinharte Verbote.“ Daraus ergibt sich beispielsweise, dass Baden, Schwimmen oder Tauchen innerhalb von 100 Meter oberhalb bis 100 Meter unterhalb von Brücken, Wehren, Schiffs- und Fähranlegestellen sowie innerhalb von 200 Meter oberhalb und 200 Meter unterhalb von Hafeneinfahrten sowie im Schleusen- und Sperrwerksbereich absolut verboten sind. Zur Sielwall-Fähre müssen auch 50 Meter Abstand gehalten werden, weil Schwimmer sonst von ihr erfasst werden könnten. Die Fahrrinne dieses Verkehrsweges ist generell tabu. „Grundsätzlich geht jeder auf eigene Gefahr ins Wasser“, unterstreicht Jens Tittmann. In absehbarer Zukunft wird es in Bremen keine weiteren offiziellen Badestellen in der Weser geben. „Es gibt schlicht und ergreifend keine Debatte darüber – wegen der Gefahren“, stellt er klar.

DLRG rät vom Weser-Baden ab

Was macht nun aber den Unterschied zwischen der einzigen offiziell ausgewiesenen und den anderen Weser-Badestellen aus, etwa den Rablinghauser Uferpark oder die Habenhauser Uferaue? Im Abschnitt des Café Sand wird laut Tittmann die Qualität des Wassers regelmäßig in einem Labor geprüft und die Wassertemperatur gemessen. Es müssen ferner Toiletten vorhanden sein. Eigentlich gehört noch eine Überwachung durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dazu.

Die Aktiven, die sich rein ehrenamtlich in ihrer Freizeit dafür einsetzen, Menschen vor dem Ertrinken zu retten, sind jedoch weder dort noch an einer anderen Bremer Strandbadestelle am Fluss vertreten. „Als DLRG raten wir grundsätzlich vom Baden in der Weser ab“, betont Philipp Postulka als Pressesprecher des DLRG-Landesverbandes Bremen auf Nachfrage. „Dort gibt es gleich mehrere Gefahrenlagen“, erklärt er im Hinblick auf wiederholte Weservertiefungen: den Schiffsverkehr, Tidenhub und die sehr hohe Fließgeschwindigkeit.

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Postulka kann gut verstehen, dass der normale Bürger kaum durchblickt, wo in der Weser nun schwimmen offiziell erlaubt ist und wo nicht. „Es ist gut nachvollziehbar, dass die Weser eine Faszination auf die Menschen ausübt“, sagt der DLRG-Vertreter. „Außerdem suggerieren Renaturierungsmaßnahmen, dass man da wieder baden darf. Diese besonderen Ufer verführen dazu.“ Und gemeinhin sei für den normalen Bürger schwer, zu unterscheiden, wo endet der Uferbereich und wo beginnt die Fahrrinne. Dass am neu angelegten „Waller Sand“ in der Überseestadt keiner ins Hafenbecken springt, dürfte auf der Hand liegen. „Aber ein Badeverbotsschild steht dort nicht“, berichtet Philipp Postulka.

Rechtlich sei auf der Wasserschifffahrtsstraße grundsätzlich Baden erlaubt, informiert das DLRG-Landesverbandsvorstandsmitglied. Aber es gibt viele kleine Einzelverbote, in denen zum Baden in der Nähe von Brücken oder Pollern untersagt ist. „Damit wird die Fläche, auf der juristisch gesehen das Schwimmen in der Weser erlaubt ist, total klein“, stellt er fest und verweist auf die acht Badeseen mit DRLG-Station: den Unisee, Sportparksee Grambke, Waller Feldmarksee, Mahndorfer See, Achterdieksee, Werdersee, Bultensee und Sodenmattsee. „Darauf konzentrieren wir uns.“

Risiko im Fließgewässer erheblich größer

Die Wachstation am nördlichen Ufer des Werdersees liegt in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Wer in diesem Nebenarm des Flusses ins Wasser springt, badet zwar in Weserwasser, aber nicht im Fließgewässer, wo das Risiko erheblich größer ist. „Der Werdersee ist durch ein Wehr von der Weser abgetrennt, da gibt es keine Strömung“, klärt Philipp Postulka über den Unterschied zwischen Badesee und Fließgewässer auf.

„Die Badeseen sind alle bewacht, haben einen schönen Sandstrand, ein ähnliches Tiefenprofil, eine flache Uferzone und eine Abbruchkante“, wirbt der DLRG-Sprecher fürs Planschvergnügen unter Aufsicht. Die Abbruchkanten seien dort das größte Risiko, sagt er. Nur geübte Schwimmer sollten sich darüber hinaus wagen.

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„Bisher haben wir in Bremen keine schweren Badeunfälle“, stellt der DLRG-Pressesprecher erleichtert fest. In der vergangenen Woche gab es nach seiner Auskunft drei Badeunfälle mit Jugendlichen in Bremer Seen. „Sie sind einfach im See versunken“, sagt er, konnten aber glücklicherweise dank des sofortigen Erkennens der Notlage von Passanten und DLRG-Helfer gerettet werden. Offenbar lernen immer weniger Kinder richtig Schwimmen, Baderegeln sind kaum bekannt. Auch an Badeseen könne etwas passieren, gibt Philipp Postulka zu bedenken und rät Eltern, ihre Kinder beim Baden im Auge zu behalten. „Ertrinken geschieht lautlos.“

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Zur Sache

Die Weser ist der viertgefährlichste Fluss in Deutschland

Die Weser in Bremen ist nach einem Ranking des Bundesverbandes der Lebens-Rettungs-Gesellschaft, der Badeunfälle bundesweit registriert, der viertgefährlichste Fluss in Deutschland - nach Rhein, Main und Donau. 2017 sind 157 Menschen bei Unfällen in Flüssen gestorben, in 2018 waren es 161. Vor drei Jahren kamen 117 Personen in Seen ums Leben, vor zwei Jahren waren es 237.

Wenn man alle Fälle mit Todesfolge zusammenrechnet, kommt man für 2017 auf 404 ertrunkene Menschen, ein Jahr später waren es 504. Für das vergangene Jahr ist ein Rücklauf der Todesfälle zu verzeichnen: 417 Menschen sind ertrunken. Laut DLRG gab es im vergangenen Sommer mehr Gewitter und weniger Badende als sonst.

Weitere Informationen

Unter der Internetadresse www.bremen.de/leben-in-bremen/sport/baden sind die ausgewiesenen Badestellen in Bremen aufgelistet. Auch eine Übersicht über Qualitätskontrollen, Temperaturmessungen und etwaige Warnungen wegen Verunreinigungen ist dort zu finden.

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