Gesundheit in Bremen

Gefährlicher Keim soll besser bekämpft werden

Bremen. Über die Gefährdung von Patienten im Krankenhaus wird seit dem Tod dreier Säuglinge durch einen Darm-Keim im Uniklinikum Mainz erneut stärker diskutiert. In Bremen soll der Umweltkeim MRSA nun verstärkt bekämpft werden.
30.08.2010, 16:23
Lesedauer: 2 Min
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Gefährlicher Keim soll besser bekämpft werden
Von Iris Hetscher
Gefährlicher Keim soll besser bekämpft werden

Das post-antibiotische Zeitalter wird kommen: Die gefährlichen MRSA-Keime sind jetzt schon multiresistent.

ZDF / Annika Schipke / pro TV Produktion, Berlin

Bremen. Über die Gefährdung von Patienten im Krankenhaus wird seit dem Tod dreier Säuglinge durch einen Darm-Keim im Uniklinikum Mainz erneut stärker diskutiert. In Bremen soll der Umweltkeim MRSA nun verstärkt bekämpft werden.

Die Abkürzung MRSA steht für "Methicillin resistenten Staphylococcus aureus" und bezeichnet ein Bakterium, das resistent gegen fast jedes Antibiotikum ist. Gefährlich kann die Infizierung mit dem Keim vor allem bei Operationen werden - Wunden können sich entzünden und diese Entzündungen können dann nicht wirksam bekämpft werden, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Auf Intensivstationen kann eine Infizierung bei geschwächten Patienten zu einer Lungenentzündung oder einer Blutvergiftung führen.

Laut Staatsrat Dr. Hermann Schulte-Sasse ist Bremen bereits heute "ziemlich weit", was das Vorgehen gegen Krankenhauskeime angeht. Während die Verbreitung des MRSA-Keims in ganz Deutschland in den vergangenen Jahren von zwei auf 25 Prozent nach oben geschnellt ist, liegt die Anstiegsrate laut Schulte-Sasse in Bremen bei unter 20 Prozent.

Der Staatsrat führt dies unter anderem darauf zurück, dass es in der Hansestadt bereits seit 1990 eine Hygiene-Verordnung für die Kliniken gibt. Sobald Patienten ins Krankenhaus aufgenommen werden, werden sie auf Keime untersucht. Sind sie betroffen, werden sie isoliert. Auch die "Aktion saubere Hände", bei der 2008 an alle Klinikmitarbeiter appelliert wurde, sich möglichst häufig die Hände zu waschen, sei ein Mosaikstein im Kampf gegen den Keim. Dies klinge zwar simpel, sei aber ein gewichtiger Grund dafür, dass in den Niederlanden und in Skandinavien der MRSA-Anteil bei weniger als drei Prozent liege.

All dies reiche aber noch nicht aus, um die Verbreitung von MRSA aufzuhalten, betonte auch Heike Briesch, Bremer Landesvorsitzende der Vereinigung der Hygiene-Fachkräfte und angestellt am Klinikum Bremen-Ost. Daher ist in Bremen nun ein Netzwerk angestoßen worden, das möglichst viele Akteure im Gesundheitswesen mit einbezieht. Mitglieder des Netzwerks sind zunächst alle Bremer Krankenhäuser sowie zahlreiche Laboratorien. Die Krankenhäuser haben dabei nicht nur das Wohl der Kranken im Blick, sondern auch die Kosten, die MRSA verursacht: Pro betroffenem Patienten erhöhen sich die Behandlungskosten um 6000 bis 20.000 Euro.

Durch das Netzwerk hoffen die Beteiligten nun, einen detaillierten Überblick über die Infizierung der Bremer mit MRSA zu bekommen und auf dieser Basis gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, diese einzudämmen. So sollen beispielsweise die Abstriche, die im Krankenhaus gemacht werden, um die Belastung mit dem Keim zu ermitteln, systematisch erfasst werden, ebenso die Anzahl der Tage, die die Patienten im Krankenhaus verbringen.

Auch eine Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Arztpraxen halten Hermann Schulte-Sasse und Heike Briesch perspektivisch für sinnvoll. Auch in Praxen tummele sich der Keim. Und gerade was die Versorgung von Wunden angehe, wäre eine bessere Kooperation zwischen Kliniken und Arztpraxen sinnvoll: Wird ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen, sollte es einen Übergabebogen an den Hausarzt geben, auf dem eine mögliche MRSA-Belastung vermerkt sei.

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