Größeres Gebiet in Findorff verunreinigt

Gefahr im Grundwasser

Bremen. Etwa 2000 Haushalte in Findorff haben ein Schreiben der Umweltbehörde erhalten: Da Schadstoffe im Grundwasser gefunden wurden, sollen Anwohner die Gartenbrunnen nicht mehr benutzen. Sonst bestehen ernsthafte Gesundheitsrisiken.
09.05.2014, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Gefahr im Grundwasser
Von Matthias Lüdecke
Gefahr im Grundwasser

In Findorff sollte kein Grundwasser verwendet werden - nicht mal zum Blumen gießen.

dpa

Etwa 2000 Haushalte in Findorff haben ein Schreiben der Umweltbehörde erhalten: Da Schadstoffe im Grundwasser gefunden wurden, sollen Anwohner die Gartenbrunnen nicht mehr benutzen. Sonst bestehen ernsthafte Gesundheitsrisiken. Mittlerweile gilt diese Warnung für zwei Prozent der Fläche Bremens. Und es könnten sogar noch mehr werden.

Der Gang zum Briefkasten war für viele Findorffer am Freitag mit einem Schreck verbunden. Denn in der Post fand sich ein Schreiben aus der Umweltbehörde. Ein Schreiben, das in dickgeschriebenen Lettern eine Warnung ausspricht: „Bitte nutzen Sie kein Grundwasser aus Gartenbrunnen“. Beim Leitungsnetz der öffentlichen Trinkwasserversorgung besteht laut Behörde keinerlei Gefahr. Das Grundwasser jedoch, so erfuhren die Empfänger des Briefes, ist verunreinigt, belastet mit Schadstoffen.

Bei den Schadstoffen handelt es sich um leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW). Es sind Stoffe, die vorwiegend als Reinigungsstoffe in der chemischen Textilreinigung oder zur Entfettung bei der Metallverarbeitung verwandt werden. Bis heute werden diese Stoffe eingesetzt, unterliegen aber, so erklärt die Umweltbehörde, mittlerweile deutlich schärferen Kontrollen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Behörde eine Warnung für ein Gebiet in Findorff herausgegeben. Jetzt ist dieses Gebiet deutlich erweitert worden. Etwa 2000 Haushalte sollten das Schreiben erhalten, berichtet Harald Bethke, stellvertretender Referatsleiter Bodenschutz in der Umweltbehörde. Er erklärt auch, dass sich die Schadstoffe unter der Erde wohl nicht ausgebreitet haben seit der ersten Warnung im vergangenen Jahr. Nicht das betroffene Gebiet sei größer geworden, so Bethke, sondern die Messungen seien genauer. „Diese Untersuchungen sind sehr aufwendig und zeitintensiv“, erklärt er. „Und wenn wir uns bei einem Gebiet sicher sind, warnen wir und warten nicht ab.“ So sei zu erklären, dass es im vergangenen Jahr eine Warnung gab und diese jetzt erweitert werden musste.

Das heißt, sagt Bethke, dass sich das betroffene Gebiet wohl noch einmal verändern werde, auch wenn es unwahrscheinlich sei, dass es einen erneuten Zuwachs in dieser Größenordnung gebe. Das heißt aber auch, so räumt Bethke ein, dass die Gefahr im Wasser der Findorffer Gartenbrunnen schon länger besteht. Einige der Schadstoffquellen könnten bis zu 50 Jahre alt sein, sagt er. Doch die Art und Beschaffenheit dieser Quellen sollen erst in einem nächsten Schritt untersucht werden. Zunächst sei es darum gegangen, das betroffene Gebiet so präzise wie möglich einzugrenzen.

Findorff ist mit diesem Schadstoffproblem nicht allein. Überall in der Stadt gibt es Gebiete, in denen vom Gebrauch der Gartenbrunnen abgeraten wird. 29 Gebiete seien es mittlerweile in Bremen, sagt Bethke. Zusammen haben sie eine Fläche von etwas über sechs Quadratkilometern – was 1,9 Prozent der gesamten Fläche Bremens entspricht.

Eine akute Gefahr besteht durch LHKW nicht zwangsläufig. So sei es auch in Findorff, erklärt Sabine Luther vom Gesundheitsamt. Die Stoffe können über die Atemluft aufgenommen werden, etwa durch Verdunstungen beim Rasensprengen, durch den Magen-Darm-Trakt oder über die Haut, etwa in einem Planschbecken. Reizungen der Augen und Schleimhäute können die Folgen sein. Einige der Einzelstoffe können aber auch Leber und Nieren schädigen oder krebserregend sein.

Grenzwerte, ab wann das Risiko erhöht ist, gibt es allerdings nicht, sagt Luther. Dazu lägen keine wissenschaftliche Erkenntnisse vor. „Man weiß aber, dass LHKW grundsätzlich diese Wirkungen haben können“, sagt Luther, „deswegen sprechen wir die Empfehlung sehr vorsorglich aus. Anwohner könnten sich bisher diesem Risiko ausgesetzt haben, weil die Belastung nicht bekannt war. Jetzt ist sie bekannt, und daher raten wir, jede zusätzliche Belastung zu vermeiden.“

Bis die Warnung aufgehoben werden kann, wird es noch Jahre dauern, sagt Bethke. Zunächst müssten alle Quellen ausfindig gemacht und bestimmt werden, dann könne man sich an den Versuch machen, sie zu beseitigen. „Realistisch betrachtet wird es Jahre dauern, bis Teilgebiete wieder freigegeben werden können“, sagt er. „Wann das ganze Gebiet von den Schadstoffen befreit ist, ist nicht absehbar.“

Und absehbar ist laut Bethke auch noch nicht, wie viele Gebiete in Bremen betroffen sind. Systematisch untersuche man das, dazu gebe es auch eine Liste mit Standorten ehemaliger und aktueller chemischer Reinigungen. „Je mehr man sucht, desto mehr findet man auch – also werden noch Gebiete dazukommen“, sagt Bethke. Immerhin habe Bremen mit der Suche begonnen. „Andere Großstädte sind da noch nicht so weit.“

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