Die Windmacher, Teil 16: Der Hafenbau-Spezialist Inros Lackner aus Bremen Gefragte Ingenieurskunst

Bremen. Es begann mit der Forschungsplattform "Fino 2" in der westlichen Ostsee am Standort Kriegers Flak, einem Vorboten der großen Windparks in Nord- und Ostsee. "Das war unser Einstieg ins Offshore-Geschäft", sagt Hauke Krebs, Vizechef der Bremer Niederlassung der Inros Lackner AG. Das Ingenieurbüro hat weltweit einen guten Ruf im Wasser- und Hafenbau. Nun ist die Expertise der Experten aus Vegesack auch auf offener See gefragt - an zwei Offshore-Windparks haben sie schon maßgeblich mitgewirkt.
19.01.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Krischan Förster

Bremen. Es begann mit der Forschungsplattform "Fino 2" in der westlichen Ostsee am Standort Kriegers Flak, einem Vorboten der großen Windparks in Nord- und Ostsee. "Das war unser Einstieg ins Offshore-Geschäft", sagt Hauke Krebs, Vizechef der Bremer Niederlassung der Inros Lackner AG. Das Ingenieurbüro hat weltweit einen guten Ruf im Wasser- und Hafenbau. Nun ist die Expertise der Experten aus Vegesack auch auf offener See gefragt - an zwei Offshore-Windparks haben sie schon maßgeblich mitgewirkt.

Die Referenzliste ist allein in Bremen lang. Vor dem Krieg entwarfen die Ingenieure des Firmengründers Arnold Agatz Columbuskaje und Nordschleuse, danach halfen sie, die zerstörten Häfen wieder aufzubauen. Und seither gab es kaum ein Großprojekt an der Weser, das ohne sie stattfand - ob Containerterminal und Kaiserschleuse in Bremerhaven, der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, das Wasserkraftwerk am Bremer Weserwehr, dazu viele Hochwasserschutzbauten oder auch die neue Schleuse in Dörverden.

Die bereits in den 1950er-Jahren von Agatz und seinem damaligen Partner und späteren Unternehmenschef Erich Lackner verfassten "Empfehlungen des Arbeitsausschusses Ufereinfassungen", ein mehrfach aktualisiertes Fachbuch, gelten als sogenannte Lackner-Fibel bis heute in der Branche als Standardwerk für den Wasserbau. Danach bauen die Bremer Ingenieure auch Häfen in Karachi (Pakistan), in Pointe-Noir (Kongo), auf den Kapverden, in Vietnam. Die gesammelte Erfahrung eines Unternehmens, das in seiner 75-jährigen Geschichte bereits viele Tausend Tonnen Stahl im Wasser versenkt hat, wird nun in der noch jungen Offshore-Industrie gebraucht. "Und für uns ist es ein neues, interessantes Geschäftsfeld", sagt Krebs.

Die Inros-Lackner-Leute verstehen sich nicht nur auf Baugrunduntersuchungen. Sie können das grundsätzliche Design eines Windparks entwerfen oder überprüfen. Sie kennen sich mit den Herausforderungen komplexer Bauabläufe und mit logistischen Transportketten aus. Vor allem aber ist ihr Sachverstand gefragt, wenn es um die Überwachung des Baufortschritts geht. Offshore-Vorhaben bieten eine besondere Herausforderung: "Die Projekte werden nach internationalem Vertragsrecht abgewickelt, das sich erheblich vom deutschen Rechtsverständnis unterscheidet", sagt Tim Brunert.

Der 29-Jährige verstärkt seit zwei Jahren die derzeit 15 Mann zählende Offshore-Abteilung bei Inros Lackner als einer der sogenannten Fidic-Ingenieure, benannt nach einem international gültigen Standard für Bauvertragsabwicklung. Solche "Vertragsmanager" überwachen, organisieren und moderieren notfalls das Zusammenspiel der vielen beteiligten Gewerke und Firmen auf See sowie die Einhaltung der standardisierten, meist aber höchst komplexen Verträge und der gesetzten Termine - sie sind damit eine übergeordnete und neutrale Kraft. "Damit kennen sich nur wenige in Deutschland aus", sagt Brunert.

Bei zwei größeren Ostsee-Windparks - "BalticI" und "BalticII" - wurde Inros Lackner bereits engagiert. In der Nordsee sind es Projekte wie "DanTysk", "Nordergründe" oder "Global Tech1". "Dabei hat uns geholfen, dass wir Fino 2 und 3 als Referenz vorweisen konnten", sagt Krebs. Die Forschungsplattformen lieferten erste Erfahrungen beim Bau große Strukturen im Meer. Inzwischen hat das Ingenieurbüro aber die Fühler in die gesamte Branche ausgestreckt, darunter auch zu bekannten Projektentwicklern und zu allen großen Energieversorgern, die einen Großteil der geplanten Milliardeninvestitionen in der Nordsee stemmen wollen.

So manche Schwierigkeit, so steht zu befürchten, wird noch immer unterschätzt. Die Branche sei vor allem auf Turbinenleistung fokussiert. "Das Bau eines Windparks beginnt aber am Meeresgrund mit Fundamenten, die stabil abgesetzt werden müssen", sagt Krebs. Ein potenzielles Problem, auf das auch ein Bauunternehmen wie Hochtief vehement hinweist. Denn Leute vom Fach kennen die stürmische Gewalt der See. "Wenn eine Zehn-Meter-Welle anrollt, dann bedeutet das für ein Schiff einen Hub um insgesamt 20 Meter", nennt Krebs ein Beispiel. Das entspricht einem fünfstöckigen Bürogebäude. Ganz zu schweigen von der Wucht, mit der eine solche Welle auf schlanke Windtürme mit tonnenschweren Turbinenhäusern 100 Meter über dem Wasser aufprallen kann. "Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen."

Überhaupt das Wetter: Ein paar Tage Sturm, danach noch langanhaltender Schwell (Seegang) - schnell können angesichts einer jahreszeitlich begrenzten Bauzeit Pläne und Kosten aus dem Ruder laufen. "Wir haben längst nicht alles schon erlebt, aber wir bringen aus unseren Projekten viel Erfahrung mit", sagt Krebs.

Zum Beispiel bei der Vorbereitung der Ausschreibungen. Sie benennen bereits die technische Anforderungen und die vor Ort herrschenden Rahmenbedingungen wie etwa Restriktionen. "Wir sehen so eine Großbaustelle als Gesamtkunstwerk", erklärt Krebs. Im Angebot sind auch "Häfenchecks" auf ihre Tauglichkeit als Umschlags- und Logistikdrehscheiben. Im Bremerhavener Labradorhafen plante und überwachte Inros Lackner den schwerlasttauglichen Umbau. Und für den Essener Stromriesen RWE wurde die Nutzung des Containerterminals CTI geprüft. RWE hat das Südende der Bremerhavener Kaje bekanntlich langfristig von Eurogate gemietet und wird ab Herbst von dort aus den ersten Windpark errichten. So schließt sich für die Ingenieure von Inros Lackner der Kreis: Ihre langjährige Hafenkompetenz paart sich mit dem gänzlich neuen Geschäftsfeld der Offshore-Windenergie.

Unser nächster Windmacher ist Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie. Mit einem Ausblick auf die aktuellen Trends und Entwicklungen der Branche endet unsere Reihe.

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