Aus ist besiegelt

Gelände der Recyclingstation im Weserpark wird zur Lagerfläche

Die Gespräche zwischen Bremer Stadtreinigung, Umweltressort und Bürgerinitiative zur Zukunft der Recyclingstation im Weserpark bleiben ohne konkrete Ergebnisse. Der Weserpark nutzt die Fläche inzwischen selbst.
12.02.2020, 20:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Gelände der Recyclingstation im Weserpark wird zur Lagerfläche
Von Christian Hasemann
Gelände der Recyclingstation im Weserpark wird zur Lagerfläche

Das Ende der Recyclingstation im Weserpark ist endgültig besiegelt.

Christina Kuhaupt

Das Ende der Recyclingstation im Weserpark ist endgültig besiegelt. Statt als Sammelstelle für Grünabfälle und Elektroschrott nutzt das Einkaufszentrum die Fläche künftig selbst als Lagerfläche. In der nächsten Woche folgen Baucontainer. Der Grund: Bauarbeiten an einem neuen Supermarkt im Weserpark. Dennoch wurde in den vergangenen Wochen weiter nach Lösungen für die geschlossene Recyclingstation im Weserpark gesucht. Mitte Januar trafen sich Vertreter der Bürgerinitiative und des Beirats mit der Bremer Stadtreinigung.

Konkrete Ergebnisse blieben allerdings aus. Ende Januar bekräftigte Bau- und Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) in der Bürgerschaft, dass es bei einem wohnortnahen Konzept mit vielen Standorten bleiben solle, nachdem der WESER KURIER darüber berichtet hatte, dass die Stadtreinigung intern an einem neuen Standortkonzept arbeitet. Ebenfalls Ende Januar hatte das Centermanagement der Bürgerinitiative in einem Gespräch mitgeteilt, dass sie vorhabe, das Gelände selbst zu nutzen.

Lesen Sie auch

Wolfgang Schäfer von der Bürgerinitiative, die sich für einen Erhalt der Station einsetzt, berichtet über ein Treffen mit Umweltsenatorin Schaefer in der vorigen Woche. „Die Vorzeichen stehen ganz gut“, sagt Wolfgang Schäfer. Die Senatorin habe sich „vehement“ für eine Recyclingstation in Osterholz eingesetzt. „Bei der Stadtreinigung hat man wohl noch nicht mitbekommen, dass sich die Politik für 16 Stationen ausgesprochen hat. Wir sind jetzt verhalten optimistisch.“

Sollte der Standort am Weserpark nicht erhalten werden können, habe die Umweltsenatorin kurzfristige Lösungen für die Anwohner zugesagt, sagt Schäfer weiter. Denkbar seien beispielsweise Container für Grünabfälle, die von der Bremer Stadtreinigung zu leeren seien. Jens Tittmann, Pressesprecher des Umweltressorts, bestätigt das Gespräch. „Wir prüfen alles, was möglich ist für eine Übergangslösung.“ Spruchreif sei allerdings noch nichts. Er betont, dass die Senatorin mit den Vorständen der Stadtreinigung und mit dem Unternehmen Nehlsen gesprochen habe, um einen neuen Standort in Osterholz finden. „Da arbeiten wir mit Hochdruck dran“, so Tittmann.

Lesen Sie auch

Wolfgang Schäfer hält die Argumentation der Stadtreinigung, dass die Recyclingstation Weserpark nicht wirtschaftlich umzubauen sei, weiter für nicht schlüssig. „In Bremen stehen zum Beispiel sehr viele Container zur Verfügung, die als Sozialcontainer für die Mitarbeiter genutzt werden können“, sagt er. Ein von der Stadtreinigung in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass die Recyclingstation nicht der Arbeitsstättenverordnung entsprach – eben weil Räume zum Umziehen oder eine Mitarbeitertoilette fehlten.

Von einem Erhalt ist die Recyclingstation weit entfernt, die Hoffnung der Bürgerinitiative voraussichtlich zwecklos. Monika Mehrtens, Centermanagerin des Weserparks, bestätigt, dass die Fläche inzwischen vom Einkaufszentrum genutzt wird. Der Grund sind große Umbauarbeiten im Weserpark. „Bisher ist keiner auf uns zugekommen, und das gesamte Eigentum der Bremer Stadtreinigung ist abgebaut“, sagt Monika Mehrtens. Letztlich sei mit der Nicht-Nutzung durch die Stadtreinigung die Vertragssubstanz nicht mehr erfüllt. „Und Fakt ist, dass wir eine Baustelle haben und die Fläche brauchen“, erklärt Monika Mehrtens. Ein Edeka-Supermarkt, ein Drogeriemarkt und ein weiteres Geschäft sollen künftig den ehemaligen Real-Markt auf insgesamt 15 000 Quadratmeter beerben. Voraussichtlich im Herbst sollen die Bauarbeiten beendet sein.

Lesen Sie auch

Die Recyclingstation im Weserpark war für Bremen einzigartig. Zum einen richteten sich ihre Öffnungszeiten nach denen des Einkaufszentrums und damit war sie auch am Sonnabend geöffnet, zum anderen war sie auch für Kunden aus dem niedersächsischen Umland zugänglich. Damit hat die Recyclingstation, finanziert von Bremer Gebührenzahlern, den Müll aus dem Umland entgegengenommen. Im Gegenzug war die Anlage ein, wenn auch vermutlich kleiner Kundenbringer für das Einkaufszentrum, das wiederum in Bremen Steuern zahlt. Im Gegenzug hatten die Betreiber, zuletzt also die Bremer Stadtreinigung, keine Miete gezahlt. Ob eine solche Regelung, die sich aus dieser besonderen Konstellation ergab, zukünftig an einem Ersatzstandort Bestand hätten, ist also unwahrscheinlich.

Unterdessen arbeitet die Bremer Stadtreinigung weiter an einer Verbesserung der Situation an der Recyclingstation Oberneuland. So soll einerseits die Verkehrssituation verbessert werden, andererseits ist auch eine Erweiterung des Serviceangebots geplant. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten sei in der Prüfung, aber nicht kurzfristig umzusetzen, heißt es in einer Mitteilung an das Ortsamt Osterholz. Für Wolfgang Schäfer hat sein Engagement persönliche Erfahrung gebracht. „Mir hat das viel gebracht, dass man sieht, wie Politik funktioniert und wie Behörden eine Eigendynamik entwickeln können.“ Er wolle gar nicht wissen, wie hoch die Gutachter- und Planungskosten für das neue Standortkonzept seien. „Für eine Lösung, die keiner will.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+