Polizeikontrolle in der neuen Fußgängerzone Gelbe Karte für Autofahrer

Polizeiauszubildende haben Falschfahrern in der Fußgängerzone in der Knochenhauerstraße die Gelbe Karte gezeigt. Zunächst bleibt die Verwarnung ohne Konsequenzen. Das soll sich nächste Woche ändern.
30.08.2017, 13:09
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Gelbe Karte für Autofahrer
Von Lisa Schröder

Die Ladendiebe sind nicht geplant. Plötzlich tauchen sie auf. Für vier Polizisten geht es auf eine Verfolgungsjagd durch die Innenstadt. Dabei sind zwei von ihnen erst Anwärter auf den Job in Uniform und gerade im allerersten Einsatz. Denn an Bremens umstrittener temporärer Fußgängerzone sollen am Mittwoch Studenten eine Verkehrskontrolle übernehmen. In der Knochenhauerstraße fahren immer wieder Autos und Motorräder durch den Abschnitt zwischen Carl-Ronning-Straße und Kleine Hundestraße, obwohl dort neue Regeln gelten. Seit Mai ist auf 150 Metern eine neue Fußgängerzone entstanden. Ein Piktogramm und Schilder weisen darauf hin. Doch das reicht scheinbar nicht aus.

Als die zwei Ladendiebe geschnappt sind, beginnen die Nachwuchspolizisten mit ihrer Arbeit. Es dauert einen Moment. Denn viele Autofahrer biegen korrekt ab Richtung Parkhaus. Doch da geht die Kelle das erste Mal raus. Ein Motorradfahrer hat sich in die Fußgängerzone verirrt.

29 Studenten an verschiedenen Stationen eingesetzt

Im Alltag können sich die Beamten wegen der dünnen Personaldecke solche Kontrollen kaum leisten. Das ist nur ein Grund für die Aktion. Bei ihrem Einsatz sollen die Studenten nämlich zugleich Erfahrung mit den Bürgern sammeln. „Das ist eine Win-win-Situation“, sagt Polizeisprecherin Ines Roddewig deshalb. Insgesamt 29 Studenten sind abwechselnd an verschiedenen Stationen in der Bremer Innenstadt unterwegs, weisen Radfahrer darauf hin, in der Obernstraße abzusteigen, oder warnen Touristen vor Handtaschendieben. „Heute geht es noch auf die nette Art“, sagt Roddewig. Denn das freundliche Gespräch mit den Bürgern steht im Vordergrund.

In der Knochenhauerstraße verwarnen die Polizeianwärter nur: Die Studenten teilen an die Falschfahrer lediglich eine Gelbe Karte aus. Darauf zu lesen ist jedoch ein kleiner Bußgeldkatalog, der ab dem nächsten Montag gelten soll. Eine Fahrt durch die Fußgängerzone kostet dann 20 Euro, dort zu parken 30 Euro. Plötzlich biegt die nächste Fahrerin in die Straße. Die Kelle geht raus. Die junge Frau im eleganten Wagen muss schließlich den Rückwärtsgang einlegen.

Autos in der Fußgängerzone – da ist hier keine Ausnahme, sagen die Anwohner Laura Breitkopf und Dennis Sobotta. „Einige Autos und Motorräder brettern extrem laut durch die Straße“, sagt Breitkopf. „Dabei gibt es keinen Grund, hier lang zu fahren.“ Oft gebe es Streitigkeiten zwischen Passanten und Autofahrern, sagt Sobotta. Dann öffneten die Nachbarn ihre Fenster und schauten dem Schauspiel auf der Straße zu: „Das ist hier wie ein Amphitheater.“ Breitkopf hält einen Polder für die einzige Lösung des Problems. Die könne jedoch um die 60.000 Euro kosten, sagt Enno Smidt, stellvertretender Leiter des Reviers in der Innenstadt. Derzeit sei wegen der Abrisspläne für das Parkhaus aber unklar, ob die Nebenstraßen der Knochenhauerstraße nicht in Zukunft ohnehin zur Fußgängerzone werden.

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