Parseval-Grundschüler werben für den Schulexpress Gelbe Zitronen für alle Autofahrer

Sebaldsbrück. Eine knallgelbe Zitrone bekamen jetzt viele Eltern-Taxis von Sebaldsbrücker ABC-Schützen überreicht. Die Pappfrucht soll auf den Schul-Express hinweisen, der mehr Kinder dazu bewegen soll, sich mehr zu bewegen und den Schulweg zu Fuß zurückzulegen.
07.03.2010, 17:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Alexander Klay

Sebaldsbrück. Klar, die Lehrer werden durchgelassen. Die wohnen in anderen Stadtteilen. Aber für Eltern, die ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule bringen, für die gibt?s eine knallgelbe Papp-Zitrone von Michelle und Samet. Denn Michelle weiß: 'Wenn ich zu Fuß zur Schule gehe, kann ich meine Freunde abholen.' Sie und ihre Klassenkameraden aus der 3c der Grundschule an der Parsevalstraße hoffen, dass mehr Kinder in den Schulexpress einsteigen und zu Fuß kommen.

Denn dass es seit einem halben Jahr insgesamt 13 'Haltestellen' des Schulexpress? gibt, an denen sich die ABC-Schützen morgens treffen können, hat sich noch längst nicht bei allen Eltern herumgesprochen.

Seilspringen statt Autoverkehr

Deswegen sind die Drittklässler am Mittwochmorgen eine halbe Stunde eher zur Schule gekommen und haben die Parsevalstraße, die zum Schulgebäude führt, besetzt. Statt rollender Autos sind dort Seilspringen und Murmeln angesagt.

Während Michelle und Samet in leuchtenden Warnwesten ihre Zitronen verteilen, drückt Schulleiterin Jutta Schmidt den autofahrenden Eltern ein Faltblatt mit Infos zum Schulexpress in die Hand.

Mama-Taxi keine Seltenheit

Was die Moral an dem Morgen etwas verdirbt, sind die Eltern, die ihre Kinder zum benachbarten Schulzentrum Sebaldsbrück bringen - auch bei den älteren Schülern ist 'Taxi Mama' keine Seltenheit.

'Im Schulzentrum finden die Eltern die Idee ziemlich uncool', weiß Schmidt. Während Michelle und Samet auch für die älteren Schüler eine Zitrone von ihrer Bambusstange locker machen, sieht es eine autofahrende Mutter nicht ganz so gelassen: Sie ereifert sich, warum die Drittklässler die Straße blockieren und warum die Stoppschild-Girlande ihr den Weg versperrt.

Da kann auch Jutta Schmidt nur gelassen bleiben und den Kopf schütteln. Denn als Schulleiterin hat sie schon oft beobachtet, wie das vermeintliche Sicherheitsdenken der autofahrenden Eltern vor der Schule endet: 'Es ist eng in der Straße, wer hier wieder raus will, der muss rangieren.'

Und wenn es dunkel ist oder regnet, kann vor der Grundschule schon mal ein kleiner ABC-Schütze übersehen werden.

Beobachtungen, Freundschaften und Bewegung

Dabei ist die Gleichung für Jutta Schmidt eigentlich ganz einfach: 'Wer selber in die Schule geht, der ist schon groß', sagt die Schulleiterin, 'der kann etwas beobachten, Freundschaften schließen und sich auf dem Weg zur Schule bewegen.'

Ein Vater aus Oberneuland, der in Sebaldsbrück arbeitet und deswegen seine Tochter jeden Morgen mitnimmt, zeigt sich einsichtig: 'Und wie kann ich das jetzt wieder abarbeiten?', fragt er nach, als Samet mit der Zitrone vor ihm steht. 'Ich werd sie mir in den Wagen hängen und dran denken', versichert er.

Kein Verkehrschaos vor der Schule

Vielleicht gehört der Mann demnächst auch zu denen, die an den Auto-Haltestellen stoppen und dort ihre Kinder aus dem Wagen lassen, hofft Jutta Schmidt. Diese speziellen Schulexpress-Autostationen befinden sich in der Zeppelinstraße vor dem Kindergarten und an der Vahrer Straße.

'Das sind keine 200 Meter zur Schule, aber die Kinder können noch etwas gehen und wir haben kein Verkehrschaos', betont die Schulleiterin. Für alle anderen Kinder, für die ein paar hundert Meter Schulweg nicht zu viel sind, gibt es Treffpunkte von der Hützelstraße im Norden, über die Bippenstraße bis hin zur südlichen Vahrer Straße.

Aktionswochen als Anreiz

Um den Kleinen noch mehr Lust aufs zu Fuß gehen zu machen, gibt es derzeit Schulexpress-Aktionswochen an der Grundschule. Nicht nur die 3c, sondern auch alle anderen Klassen beteiligen sich daran und haben beispielsweise eine 'lebende Schranke' in der Sackgasse Parsevalstraße gebildet.

Außerdem gibt es einen Wettbewerb unter den Schülern: Drei Klassen mit dem höchsten Anteil an Fußgängern können sich über Spielzeug und Eis freuen, kündigt Jutta Schmidt an.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+