Sozialressort will Mittel für Prävention aufstocken

Geld für Schuldnerberatung

Bremen. Mit rund 30 500 Euro steht jeder erwachsene Bremer durchschnittlich in der Kreide. Die Hansestadt ist damit eine der Kommunen mit einem besonders hohen Anteil an Haushalten, die große finanzielle Probleme haben.
16.12.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Geld für Schuldnerberatung
Von Jürgen Theiner
Geld für Schuldnerberatung

Susanne Wendland

Lukas Klose

Mit rund 30 500 Euro steht jeder erwachsene Bremer durchschnittlich in der Kreide. Die Hansestadt ist damit eine der Kommunen mit einem besonders hohen Anteil an Haushalten, die große finanzielle Probleme haben. Von 60 000 Menschen mit Verschuldungsproblemen geht die Sozialbehörde aus, etwa 34 000 gelten als regelrecht überschuldet. Das heißt, die laufenden Einnahmen der Betroffenen reichen nicht mehr aus, um die Schulden zu bedienen. Eine Privatinsolvenz ist in solchen Fällen oft der letzte Ausweg.

Angesichts der bedrückenden Zahlen setzt das Sozialressort des Senats bereits seit 2012 auf Vorbeugung. Schuldnerberatung soll nicht nur Langzeitarbeitslosen und Rentnern zugute kommen, die einen Rechtsanspruch auf diese Leistung haben, sondern auch Menschen, die noch über ein eigenes Einkommen verfügen oder Arbeitslosengeld I beziehen. 400 000 Euro jährlich ist der Sozialbehörde diese sogenannte präventive Schuldnerberatung wert. 2016/17 soll dieser Betrag sogar noch ein wenig aufgestockt werden.

Das Ressort zog am Dienstag in der Sozialdeputation eine positive Zwischenbilanz dieses Programms. Das freiwillige Angebot werde über die 16 Schuldnerberatungsstellen in der Stadtgemeinde gut nachgefragt – so gut, dass die 400 000 Euro in den vergangenen Jahren meist schon gegen Ende des dritten Quartals aufgebraucht waren und interessierte Bürger auf das Folgejahr vertröstet werden mussten.

Einigkeit bestand fraktionsübergreifend darin, dass Schuldenprävention eigentlich schon viel früher ansetzen müsste. In den Schulen zum Beispiel. Kindern die Wichtigkeit geordneter Privatfinanzen nahezubringen, sei ein lohnendes Ziel, hieß es. Doch auf diesem Weg ist man bisher kaum vorangekommen. Die Sozialbehörde hat sich zwar nach eigener Darstellung bemüht, die Bildungsbehörde für ein entsprechendes Kooperationsprojekt zu gewinnen, doch ohne Erfolg.

Wohin Überschuldung führen kann, wurde in der Sozialdeputation bei einem weiteren Thema deutlich, den Liefersperren für zahlungsunfähige Kunden des Energie- und Wasserversorgers SWB. 2015 gab es zum Stichtag 30. September in Bremen insgesamt 4348 Fälle, in denen Haushalte aufgrund von Zahlungsrückständen nicht mehr mit Strom, Wasser oder Gas beliefert wurden. Hält der bisherige Jahrestrend an, dann wird die Marke von 5517 Sperren aus dem vergangenen Jahr am 31. Dezember überschritten sein. Die Zahl der Fälle nimmt weiter zu, obwohl sich Behörden, Energieversorger und Akteure aus dem sozialen Bereich verstärkt bemühen, Sperren zu vermeiden. Ein dafür eingerichteter Runder Tisch entwickelt rechtliche und finanzielle Instrumente, um Haushalten mit Energieschulden schneller und gezielter zu helfen. Die Grünen kritisieren, dass diese engere Kooperation von SWB und Behörden bisher offenbar wenig Wirkung zeigt. Ihre sozialpolitische Sprecherin Susanne Wendland hält die Zahl der Energiesperren für „nach wie vor zu hoch“. Sie fordert einen Härtefonds nach dem Vorbild Hannovers. Dieser Finanztopf wird in der niedersächsischen Landeshauptstadt vom dortigen Energieversorger gespeist. Aus ihm werden insbesondere Alte, Kranke, Alleinerziehende und Familien mit kleinen Kindern unterstützt, die unverschuldet in Not geraten sind. Wendland fordert von der SWB, sich an diesem Beispiel zu orientieren und ihre soziale Verantwortung „jetzt endlich wahrzunehmen“.

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