Amtsgericht verhandelt gefährliche Körperverletzung / Mutmaßlicher Täter weilt krank in Nigeria

Geldstrafe in Abwesenheit

Bremen. Ein Mann sticht mit dem Messer auf einen anderen ein. Ein Dritter geht dazwischen und wird ebenfalls mehrfach mit dem Messer verletzt.
17.12.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Geldstrafe in Abwesenheit
Von Ralf Michel
Geldstrafe in Abwesenheit

Ohne den Angeklagten wurde vor dem Amtsgericht gestern ein Fall von gefährlicher Körperverletzung verhandelt.

Frank Thomas Koch

Ein Mann sticht mit dem Messer auf einen anderen ein. Ein Dritter geht dazwischen und wird ebenfalls mehrfach mit dem Messer verletzt. Für all dies gibt es mehrere Zeugen... Es klingt nicht nach einem besonders komplizierten Prozess, was da am Dienstag auf der Tagesordnung des Amtsgerichts stand. Wenn denn der Mann, der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war, vor Gericht erschienen wäre.

Es ist bereits der zweite Versuch, strafrechtlich zu würdigen, was sich im Juli 2013 spätabends im Hulsberg-Quartier ereignet hat. Ein Streit, gefolgt von handgreiflichen Auseinandersetzungen. Die Polizei wird gerufen. Doch während auf die gewartet wird, geraten der mutmaßliche Täter und sein späteres Opfer erneut aneinander. Dabei soll der Angeklagte den anderen Mann beleidigt haben, bis der auf ihn losgehen wollte.

Es kam erneut zu Handgreiflichkeiten. In deren Verlauf, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll der Angeklagte mit einem Taschenmesser „herumgefuchtelt“ und seinem Kontrahenten in den Bauch gestochen haben. Als ein Dritter versuchte dazwischenzugehen, habe auch er mehrere Messerstiche auf den Körper erhalten.

Im ersten Prozess Anfang Oktober wurde lediglich der Angeklagte, nicht aber die Zeugen gehört. Beim möglichen Strafmaß war zwar von Freiheitsstrafe die Rede, erörtert wurde aber auch damals schon die Möglichkeit, das Verfahren mit einer Geldstrafe zu beenden. Letztlich bestand der Angeklagte, der für sich geltend machte, aus Notwehr gehandelt zu haben, dann aber doch auf die Vernehmung der acht Zeugen. So wurde ein zweiter Verhandlungstermin angesetzt.

Zu dem allerdings erschien der Angeklagte gestern nicht. Am Montag habe er sich telefonisch gemeldet, und mitgeteilt, dass er erstens krank sei und sich zweitens derzeit in Nigeria aufhalte, teilte sein Anwalt mit. Zwar habe sein Mandant ein ärztliches Attest per Fax angekündigt, bislang sei dies aber nicht eingegangen.

Womit der Angeklagte unentschuldigt fehlte und dem Gericht somit mehrere Optionen blieben: Warten auf das Attest und einen neuen Verhandlungstermin vereinbaren, einen Haftbefehl gegen den Mann in die Wege leiten oder aber, dass Verfahren doch auf dem Wege eines Strafbefehls zu beenden, wie schon in der ersten Verhandlung angedacht.

Offensichtlich im Bemühen, die Angelegenheit vom Tisch zu bekommen, verständigten sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richterin auf die letzte Variante. Was so einfach dann aber auch nicht war, weil nicht nur ein, sondern gleich drei Verfahren zu berücksichtigen waren und das Ganze notgedrungen ohne Einwilligung des Angeklagten vonstatten gehen musste.

Letztlich sah sich der Verteidiger des Mannes dazu bevollmächtigt, folgenden Deal zu akzeptieren: Wegen schwerer Körperverletzung erhält der Angeklagte einen Strafbefehl über 145 Tagessätze à 15 Euro, zu zahlen in Raten von mindestens 75 Euro im Monat. Das ist weniger als die in der ersten Verhandlung im Raum stehenden 150 Tagessätze à 15 Euro.

Andererseits nimmt der Angeklagte seinen Einspruch gegen einen anderen Strafbefehl zurück. Bei dem ging es um 30 Tagessätze à acht Euro für ein Vergehen des Mannes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Gericht seinerseits erklärte sich bereit, ein drittes gegen ihn laufendes Verfahren einzustellen. Auch hierbei ging es um einen Strafbefehl wegen Körperverletzung, begangen an einer Bekannten des Angeklagten, die inzwischen seine Verlobte ist.

Ob der Angeklagte den Strafbefehl akzeptiert, bleibt wie seine Gesundung und die Rückkehr aus Nigeria abzuwarten. Tut er dies nicht, wird ein weiteren Gerichtstermin angesetzt, inklusive der Anhörung von acht Zeugen.

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