Rabba regt sich auf über ...

Gemeinheiten des Freimarkts

Jetzt heißt es wieder "Ischa Freimaak". Für unseren Kolumnisten ist das eine schwere Zeit. Denn der Rummel ist richtig gemein zu ihm, findet er.
22.10.2018, 13:07
Lesedauer: 1 Min
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Von Michael Rabba

Ischa wieder Freimaak! Man kommt in Bremen nicht vorbei an diesem Rummel. Eigentlich ist es einer wie alle, und doch irgendwie wieder nicht. In Bremen ist der Freimarkt eine besondere Institution. Und eine echt gemeine.

Zeitgenossen wie mir, die die Autoscooter-Rumhängephase ebenso lange hinter sich gelassen haben wie die Zeit, in der ihr Metabolismus zugeführte flüssige und feste Nahrung optimal verwerten konnte und das Skelett hoch belastbar war, offenbart sich zunehmend die andere, die dunkle Seite des Freimarkts.

Heute hat der Freimarkt was gegen mich. Er ist gemein, will meinen Ischiasnerv einklemmen und mein Ilio-Sakral-Gelenk verhaken. Ich soll mir blaue Flecken holen und meine Nackenmuskulatur überdehnen. Und dafür auch noch einen Haufen Geld bezahlen. Aber da schlage ich dem Rummel ein Schnippchen. Karussells gucke ich mir längst nur noch an.

Olfaktorische Verlockungen

Die gemeinen olfaktorischen Verlockungen des Freimarktes machen allerdings auch aus mir immer noch ruckzuck einen Homo sabberis. Der aber im Gegensatz zu früher bei der Nahrungsaufnahme auch an die Folgen denken muss, die selbige haben kann. Und der Freimarkt will meine Blutfettwerte und meinen Cholesterinspiegel in gefährliche Höhen treiben! Angesichts des Fetts und der vielen Kalorien, die allein in einer kleinen Tüte Schmalzkuchen stecken, müssten gefährdete Besucher wie ich am Eingang einen Hinweiszettel in die Hand gedrückt bekommen: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Miss Freimarkt." Tja, Bremen ist zwar arm, der Freimarkt aber nicht kalorienarm.

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Doch ich kann Schmalzkuchen, gebrannten Mandeln und Pferdewürstchen einfach nicht widerstehen. Vor allem Letztere schmecken mir halt auf dem Freimarkt am besten. Und deshalb gehe ich wieder hin - trotz der Menschenmassen und der ständigen Gefahr, in diesem Lindwurm mit Senf, Ketchup und allerlei Flüssigkeiten besudelt zu werden. Trotz grölender und kreischender Prolls. Trotz matschiger Pommes und Wurstresten an den Schuhen. Und trotz schlechtem Gewissen auf dem Heimweg, es wieder mal zugelassen zu haben, dass der Freimarkt gemein zu mir werden konnte.

Alle "Rabba regt sich auf"-Beiträge gibt es in unserem Dossier.

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