Grundschule An der Gete wird offizieller Partner der Bremer Philharmoniker / Zusammenarbeit für vier Jahre Gemeinsam für die Musik

„Wir finden dieses Engagement wichtig.“ Christian Kötter-Lixfeld, Philharmoniker Gete.
26.03.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von CHRISTIANE MESTER

„Die Musik erklingt und ein ganzes Auditorium mit 300 Menschen ist schlagartig still. Das habe ich schon anders erlebt, ich bin begeistert.“ Christian Kötter-Lixfeld, Intendant der Bremer Philharmoniker, ist in die Grundschule An der Gete gekommen, um dem alljährlichen Frühlingskonzert beizuwohnen. Doch das ist nicht der einzige Grund. Er ist auch gekommen, weil er einen Kooperationsvertrag mit Schulleiter Tido Hokema unterzeichnete.

Man kennt sich bereits durch Projekte der vergangenen Jahre, denn die Grundschule bietet ein spezielles Musikprofil an. Nun ist sie eine von sieben Schulen in Bremen, die ganz offiziell mit den Philharmonikern zusammenarbeitet. Damit die Kooperation jeder sehen kann, überreicht der Intendant eine große Plakette, die in der Schule angebracht werden soll. „Wo auch immer sie dann sein wird“, sagt er und bringt das Publikum, Eltern und Schüler, zum Lachen. Die Schule wird nämlich gerade umgebaut.

In den kommenden vier Jahren werden die Schülerinnen und Schüler nicht nur Konzerte besuchen oder bei den Proben der Bremer Philharmoniker zuschauen. Das Orchester wird auch die Turnhalle zum Konzertsaal umfunktionieren, wenn die Musiker gemeinsam mit den Kindern dort das Stück „Die Planentenreise“ aufführen. Das ist der Höhepunkt der für 2016 geplanten Projektwoche. „Jeder Grundschüler soll im Laufe seiner Schulzeit mindestens ein Mal mit den Philharmonikern in Kontakt kommen“, sagt Christian Kötter-Lixfeld.

Für die Profimusiker war die Zusammenarbeit mit Schulen anfangs eine Herausforderung, erzählt der Intendant: „Das war sicherlich ein Prozess, weil es nicht zum Tagesgeschäft zählte, aber wir finden dieses Engagement wichtig.“ Seit dem Jahr 2002 gibt es einen regen Austausch zwischen dem Orchester und der Grundschule An der Gete: „Der Kontakt kam damals über Frau Adler zustande“, erklärt Marko Gartelmann, bei den Philharmonikern für den Bereich Musikvermittlung zuständig.

Stefanie Adler, die Klassenlehrerin der 1b, hat während ihres Studiums in der „Glocke“ gearbeitet und im Rahmen ihrer späteren Abschlussarbeit die Bremer Philharmoniker mit den Kindern der Gete-Grundschule zusammengebracht. Dort absolvierte sie ihr Referendariat. „Die Glocke wollte die Kindersinfonie von Mozart aufführen. Ich habe die Partitur um weitere Kinder-Instrumente erweitert und die dazugehörige Unterrichtseinheit zusammen mit Marko Gartelmann geplant“, sagt Adler. Einige der Grundschüler hätten das Konzert dann gemeinsam mit den Philharmonikern gespielt. Kurze Zeit später gab es ein Rückspiel in der Turnhalle An der Gete.

Seither gibt es viele lose Verbindungen zwischen Orchester und Schule, die „mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung lediglich verstetigt werden“, betont der Intendant. Für eine Schule mit Musik-Schwerpunkt ist das noch „das Sahnehäubchen“, wie Schulleiter Tido Hokema findet. „Die Kooperation macht unsere Schule sicher auch beliebt für Kinder aus anderen Stadtteilen“, sagt er weiter, „aber wir müssen zunächst die Schulanfänger aus unserem Einzugsbereich aufnehmen und in der nächsten Umgebung wohnen sehr viele Kinder.“

Viertklässlerin Nele aus dem Steintor hatte das Vergnügen mit den Philharmonikern bereits: „Ich war letztes Jahr beim ‚Karneval der Tiere‘ schon dabei. Da waren wir Fische.“ Die Profimusiker fand die Neunjährige „voll nett.“ Ihren Wunsch, Querflöte spielen zu lernen, den sie seither hegt, möchte sie sich nach dem Wechsel an die Oberschule Am Barkhof erfüllen. So gesehen eine gute Wahl, denn auch hier besteht bereits eine Kooperation mit dem Orchester. Der Kontakt wird also nicht abreißen.

Die Bremer Philharmoniker sind im Jahr 2002 aus dem Philharmonischen Staatsorchester hervorgegangen und seither eine Orchester-GmbH mit privater Mehrheitsbeteiligung. Bremen hält nur noch einen Anteil von 26 Prozent. Geht es bei den Kooperationen auch darum, die Zuhörer von Morgen zu binden und die Zukunft des Orchesters langfristig zu sichern? „So würde ich das nicht sagen“, antwortet Kötter-Lixfeld, der die Gesellschaft zusammen mit dem Generalmusikdirektor leitet. „Mir geht es vorrangig um das Prinzip der Offenohrigkeit.“ Diese Hypothese aus der Musikpsychologie besagt, dass der Grundstein für den Musikgeschmack eines Menschen bis zum zwölften Lebensjahr gelegt wird. „Bis dahin haben Kinder offene Ohren, sie speichern ab, was sie hören“, erklärt er die Theorie. Ob ein Mensch sich im Laufe seines Lebens für klassische Musik begeistern wird, entscheidet sich also in der Kindheit und positive Erfahrungen sind dem zuträglich. „Das sind die Momente, die wir bei ihnen abspeichern wollen“, sagt Kötter-Lixfeld.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+