Montagsmalerinnen der Rot-Kreuz-Begegnungsstätte zeigen ihre Werke / Neue Teilnehmerinnen willkommen Gemeinsam versunken im Schaffensprozess

Schwachhausen. Die Begegnungsstätte des Deutschen Roten Kreuzes in der Wachmannstraße wirbt mit dem Slogan „… von, mit und für Senioren“. Das Wochenprogramm der Einrichtung beginnt am Montagmorgen mit einer Malgruppe und geht weiter mit Sprach- und Selbsthilfegruppen sowie Angeboten zu chinesischer Medizin, psychosozialer Krebsnachsorge oder für psychisch Erkrankte, Esssüchtige in Genesung, Epileptiker und Angehörige von suizidalen Personen sowie mit dem Frauenchor und den Schach- und Bridge-Spielern.
25.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Die Begegnungsstätte des Deutschen Roten Kreuzes in der Wachmannstraße wirbt mit dem Slogan „… von, mit und für Senioren“. Das Wochenprogramm der Einrichtung beginnt am Montagmorgen mit einer Malgruppe und geht weiter mit Sprach- und Selbsthilfegruppen sowie Angeboten zu chinesischer Medizin, psychosozialer Krebsnachsorge oder für psychisch Erkrankte, Esssüchtige in Genesung, Epileptiker und Angehörige von suizidalen Personen sowie mit dem Frauenchor und den Schach- und Bridge-Spielern.

„Wir bestehen seit 1998 und waren ursprünglich eine Malgruppe für an Krebs erkrankte Frauen“, sagt Angelika Blanco Cazas über die Montagsmalerinnen. Längst hat sich die Gruppenzusammensetzung verändert, auch wenn sie in sich stabil wirkt. Heute, bei glatten Straßen, sind nur Angelika Blanco Cazas, Elfriede Färber und Neuling Kirsten Kapmann, die erst seit einem Jahr regelmäßig teilnimmt, gekommen. Alle Gruppenmitglieder kommen aus Schwachhausen und Umgebung. Auch die hundertjährige Elga tom Dieck, die wegen des Wetters dem Treffen diesmal fern bleibt. „Ich glaube, Elga ist die Fleißigste von uns“, sagt Kirsten Kapmann.

Doch um Fleiß geht es keiner der Montagsmalerinnen, sondern um die Kunst und die Freude am gemeinsamen Schaffen. Selbstständig haben sie Ulla Fuchs engagiert, um von ihr Anleitungen während ihrer Schaffensstunden zu erhalten. „Wir bräuchten mehr Interessierte, um die Kosten für die Anleitung gering zu halten“, sagt Angelika Blanco Cazas und ergänzt. dass sie sich von mehr Beteiligung in der Malgruppe auch mehr Austausch und Inspiration erhofft.

Gesticktes Buch

Anregungen fänden neue Malerinnen hier reichlich. Bei Kirsten Kapmann zum Beispiel. „Ich male weniger, ich sticke“, erklärt sie und blättert zur nächsten Seite ihres Buches. Das Buch ist fein gebunden und fällt äußerlich durch schwarzen Grund auf, auf dem sich rot, fast leuchtend, gleichgroße Sechsecke verteilen. Innen zeigt jeweils die linke Seite die Konturen und Verästelungen von Blättern. Diese Konturen und Adern hat Kirsten Kapmann mit feinen Garnen durch die Papierseiten gestickt. Die jeweils gegenüberliegende Seite ziert ein ausgewähltes Gedicht, das fein Hand aufgetragen wie Kalligrafie erscheint. Kapmann durchzeichnet mit der Sticknadel ein ganzes Buch, Seite für Seite, und stellt jeder Stickerei ausgewählt wohlklingende Worte gegenüber. Es entsteht ein Schatz, von dem sich die Künstlerin nicht mehr trennen mag.

Angelika Blanco Cazas war für Kapmann die Ideengeberin für die Buchform ihrer Arbeiten, denn bei Blanco Cazas entsteht so etwas wie ein im Mittelalter anzusiedelndes Reisebuch. Blanco Cazas hält bei Fernreisen ihre Eindrücke als Skizzen und Notizen fest und verarbeitet sie dann zur Buchform, in einem Format, das an Taschenkalender erinnert. In Miniaturzeichnungen hält sie Reiseeindrücke in dem Buch durch feine aber farbintensive Aquarelle fest. Daneben stehen kurze Texte. Insgesamt erschließen sich durch das Buch ferne Länder durch persönliche Blickwinkel. In feiner handwerklich geschickter Malerei, ergänzt um Anekdoten, Eindrücke und Erlebnisse, entsteht auch hier ein Buch mit vielen Seiten, das Bild für Bild, Text für Text als einmaliges Exemplar an Umfang gewinnt. Elfriede Färber, die älteste der anwesenden Malerinnen, lässt in Motiven wie Blumen und Landschaften Farben wirken, doch daneben schließen sich Kreise ihres Lebens. Wer Färber kennt, rät leicht, wer der Junge und die Frau auf dem Hof sind, die gerade die Hühner füttern. Die idyllische Szene ist für sie nicht nur die malerische Romantik einer Vorlage, sondern sie malt nach Vorlagen in Ermangelung realer ländlicher Idyllen. Die dargestellten Szenen erinnern sie an ihre Jugend, die sie im landwirtschaftlichen Betrieb durchlebte. Und ihre Personen zeichnet sie in Erinnerung an Mutter, Vater, Verwandte und Spielkameraden vergangener Jugend. „Niemand von uns kann so ausdrucksvolle Augen malen wie Elfriede“, schwärmt Kapmann.

„Das Wissen aus verschiedenen Kursen ballt sich in unserer Gruppe“, sagt Angelika Blanco Cazas angesichts ausgesuchter Materialien wie besonderen Papieren, ausgewählten Farbsorten und Pinseln, die sich bei ihr für kleine Formate besonders gut eignen. Darauf legen die Damen großen Wert, wenn sie sich ganz ihrer Malerei hingeben, wie Kirsten Kapmann sagt: „Im Schaffensprozess versinken wir. Dann fällt der Alltag ab.“

Die Ausstellung in den Fluren der Begegnungsstätte des Deutschen Roten Kreuzes, Wachmannstraße 9a (Hofgebäude), ist montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Montagsmalerinnen treffen sich in der Begegnungsstätte immer montags von 10 bis 12 Uhr. Neue Teilnehmerinnen sind sehr willkommen.

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