Internationales Gartenprojekt Gemeinsamkeit säen

„Ein Stadtgarten lässt Gemeinschaften wachsen und entstehen.“ Darie Todor aus Rumänien Arbergen.
03.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

Ein kreisrundes Loch im Boden, darin große und kleine Holzscheiben auf weißem Sand und ringsum viele fleißige Jugendliche, Kinder und jungen Erwachsene unterschiedlicher Herkunftsländer – im Arberger KulturGarten, direkt am Übergangswohnheim für Flüchtlinge, konnte man sehen, dass ein internationales Gartenprojekt mehr hervorbringt als eine babylonische Sprachverwirrung.

Der Verein Ökostadt Bremen hat es mit dem Austausch „Urban Gardening for Immigrants and Others“ möglich gemacht und 30 Jugendliche und junge Erwachsene aus Frankreich, Rumänien, Deutschland und sogar Malta in Bremen zusammengebracht, um Garten-Projekte zu unterstützen und ihr eigenes Wissen einzubringen. Und ein Teil der jungen Menschen schaufelte, schleppte und grub eben auch im Arberger KulturGarten.

Die Holzscheiben im besagten Loch bilden später das Fundament für eine Jurte, die – wie berichtet – in Zukunft als Begegnungs- und Versammlungsort am Übergangswohnheim dienen soll. Miriam Zillmer aus Gröpelingen leitet das Jurtenbauprojekt, das diese Woche abgeschlossen werden soll. „Ich baue und nähe seit Jahren Jurten, diese wird am Ende etwa 33 Quadratmeter groß sein“. Tatsächlich war am Freitag noch einiges zu tun. „Aber wir haben schon sehr, sehr viel geschafft, es war viel Material, das bewegt werden musste“, betont Miriam Zillmer.

Neben den Teilnehmern des Austauschs waren es auch die Bewohner des Übergangswohnheims, die tatkräftig mitgeholfen haben. „Viele Flüchtlinge haben sich eingebracht und hatten Spaß daran anzupacken“, beobachtete Miriam Zillmer. Sie habe das Gefühl, dass sie Freude daran hatten, etwas zu tun zu haben. Damit spricht sie ein Problem an, das mit der Zeit immer drängender wird: die Langeweile in den Übergangswohnheimen und Flüchtlingsheimen, in denen die Menschen überwiegend zum Nichtstun verdammt sind.

Neben dem Fundamentbau für den neuen Versammlungsort gab eine Gruppe Jugendlicher aus dem südfranzösischem Bayonne ihr gärtnerisches Wissen weiter. Sie legten im Arberger Kulturgarten Hügelbeete in sogenannter Permakultur an. Diese Beete erfordern nur eine geringe Pflege, erneuern sich selbst und bieten einer Vielzahl von Pflanzen ideale Wachstumsbedingungen. „Wir benutzen diese Technik bei uns in der Heimat“, erzählt Laurent Bernays vom Verein Graine de Liberté (etwa: Saat der Freiheit) aus Bayonne. Er ist Leiter der Jugendgruppe aus Frankreich und stolz, etwas weitergeben zu können. „Es kamen hier gleich viele Menschen und haben uns geholfen und wollten viel über unsere Technik wissen.“

Und auch in Rumänien sprießen, noch etwas verhalten, die Stadtgärten. Davon konnte Darie Todor berichten. Der rumänische Student der Agrarökonomie war durch eine Freundin auf das Austauschprojekt aufmerksam gemacht worden. Für ihn ging es aber um mehr, als das Gärtnern. „Ich will auch meine sozialen Fähigkeiten weiterentwickeln“, sagte der 22-Jährige, der sich auch in seiner Heimat engagiert. „Ich arbeite in sozialen Projekten mit Roma zusammen.“

In der Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen in Bremen habe ihn vor allem beeindruckt, wie viel Wissen diese Menschen mitbrächten. „Das sind sehr kluge Menschen, die zum Beispiel sehr viel über Politik und Globalisierung wissen.“

Urban Gardening dagegen stecke in Rumänien noch in den Kinderschuhen. „Viele Leute, gerade auf dem Land, haben sowieso noch einen eigenen Garten.“ Und in den großen Städten komme ein besonderes Problem hinzu: „Die Luftverschmutzung ist so hoch, dass man das Gemüse eigentlich nicht essen kann“, sagte Darie Todor.

Für ihn bedeutet aber, einen Stadtgarten zu schaffen, sowieso weit mehr als Gemüse großzuziehen: „Ein Stadtgarten lässt Gemeinschaften wachsen und entstehen“, ist der Student überzeugt. Darin sieht er auch den eigentlichen Kern des Urban Gardening. „Urban Gardening ist keine Lösung für die Ernährungsfrage, aber es verbindet Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen.“

Beim Austausch „Urban Gardening for Immigrants and Others“ konnte genau dieses beobachtet werden.

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