„Hackerspace“ möchte technikbegeisterte Bremerinnen und Bremer aus dem stillen Kämmerlein locken

Gemeinschaftswerkstatt der guten Ideen

Bahnhofsvorstadt. Andree Brodt ist stolzer Besitzer eines "Ei-Bots": einer selbst gebauten kleinen Maschine, die computergesteuert Tischtennisbälle verzieren kann. Im kommenden Frühjahr wird die Konstruktion ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden: Dann soll sie die Ostereier im Hause Brodt dekorieren.
22.08.2013, 05:00
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Von Anke Velten
Gemeinschaftswerkstatt der guten Ideen

Findorffer Jugendliche machen einenTestlauf im "Hackerspace (von links): Felix Behrens (19), Jannes Höke (18), Simon Grafenhorst (17) und Jessca Horn (19).

Scheitz

Bahnhofsvorstadt. Andree Brodt ist stolzer Besitzer eines "Ei-Bots": einer selbst gebauten kleinen Maschine, die computergesteuert Tischtennisbälle verzieren kann. Im kommenden Frühjahr wird die Konstruktion ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden: Dann soll sie die Ostereier im Hause Brodt dekorieren.

Auf eine solche Idee muss man man erst einmal kommen – und der Bremer "Hackerspace" ist ein Ort, an dem Projekte wie dieses entstehen. Ein Jahr nach seinem Einzug in die Räume einer ehemaligen Tischlerei an der Bornstraße lud der Verein zum Tag der offenen Tür ein. Mehr als 100 Neugierige konnten sich ein Bild davon machen, wie andere ihre Freizeit verbringen.

Zu sehen gab es zum Beispiel eine nostalgische Holzschatulle, in der sich ein ganz modernes Internet-Radio verbarg, oder eine "Buchstabenuhr" mit Leuchtziffern, die die Uhrzeit in ganzen Sätzen anzeigt. "Die wollten mir schon viele abschnacken", verriet Andree Brodt. Auf große Bewunderung stieß auch die Schienenkonstruktion, die sich Vereinsmitglied Michael Kötter baute, um damit Zeitraffer-Filme zu drehen. Dabei habe er auch selbst dazugelernt, sagte der 32-Jährige: "Ich hatte vorher noch nie mit einem Mikro-Controller gearbeitet. Aber zum Glück gab es hier Leute, die sich auskannten."

Von seinem "Arduino Timelapse Slider" – so der Name der Vorrichtung – konnte sich zum Beispiel Besucher Thomas Nieretz kaum lösen und nutzte die Gelegenheit, mit dem Konstrukteur zu fachsimpeln. "Ich bastele schon seit meiner Kindheit mit Elektronik", erklärte der Habenhauser und zeigte durchaus Lust, sich der Gemeinschaft anzuschließen: "Nach einer offenen Werkstatt habe ich schon lange gesucht."

Sein Sohn Nicolas war vor allem von einer anderen Attraktion angetan. Der 14-jährige Schüler staunte über den 3-D-Drucker, der computergesteuert dreidimensionale Objekte aus Kunststoff produzieren kann, von Spielfiguren bis zu passgenauen Bauteilen für Selbstbauprojekte. Noch sind die Geräte mit ihren Anschaffungspreisen ab 800 Euro ein ziemlicher Luxus. Experten sagen aber voraus, dass sie in einigen Jahren in Haushalten genauso selbstverständlich sein werden wie Kaffeemaschinen, erzählte Vorstandsmitglied Steve Liedtke. Auf dem Wunschzettel des Vereins stehen eine computergesteuerte Fräse und ein Laser-Cutter, sagte der Student: "Richtig teuer, aber man könnte tolle Sachen damit machen."

Der "Hackerspace" ist eine Gemeinschaftswerkstatt, in der sich technik- und handwerklich interessierte Laien treffen. Sie dürfen dort Werkzeuge und Maschinen nutzen, die man sich alleine nicht anschaffen würde, haben Platz, der zu Hause oft nicht zur Verfügung steht, und können außerdem vom Wissen anderer profitieren. Erfunden haben die Bremer den Namen und die Idee nicht. "Hackerspaces" gibt es auf der ganzen Welt. Der Bremer ist Ende 2011 von acht Freunden in einer Findorffer Gaststätte gegründet worden und bietet auch Workshops und Vorträge an. Der Verein finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Die 35 Mitglieder im Alter zwischen 16 und 60 plus kommen nicht nur aus ganz Bremen: "Es gibt sogar ein Mitglied, das einmal pro Woche mit dem Zug aus Hannover anreist, weil es dort so etwas nicht gibt", erzählte Gründungsmitglied Andree Brodt. Seit einiger Zeit ist der Hackerspace auch das Heimstadion der "Brainfuck Robots": Hinter dem Roboter-Fußball-Team, das bundesweit schon beachtliche Erfolge erzielt hat, stehen vier Findorffer Jugendliche, darunter mit der 19-jährigen Jessica Horn eine der beiden Frauen unter den Mitgliedern. "Vorher haben wir immer zu Hause im Keller trainiert", erklärte die Studentin, "hier haben wir jetzt viel mehr Platz und Möglichkeiten." Das langfristige Ziel: Bis zum Jahr 2050 sollen die kickenden Maschinen in der Lage sein, gegen die "menschlichen" amtierenden Weltmeister zu bestehen, erzählt das Quartett.

Wunsch des Vereins ist es vor allem, dass sich seine Vorzüge herumsprechen und noch viel mehr Hobby-Techniker aus ihren stillen Kämmerlein gelockt werden. Für die Bremer wäre es auch eine Frage der Ehre, sagt Andree Brodt: "Der Hackerspace in Oldenburg wurde zeitgleich gegründet und hat jetzt schon 85 Mitglieder."

Der "Hackerspace" befindet sich an der Bornstraße 14/15 in der Bahnhofsvorstadt. Mitglieder zahlen monatlich 20 Euro. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.hackerspace-bremen.de.

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