Bodo Ramelow beim Wahlkampfauftakt der Linken Genosse Ministerpräsident

Das ist kein Fremder, der da am Pult steht, keiner von außerhalb, sondern einer von hier, auch wenn er jetzt aus Erfurt kommt. Bodo Ramelow ist in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsen, und klar, dass er das gleich erwähnt, wenn er einen Auftritt in Bremen hat.
10.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Genosse Ministerpräsident
Von Jürgen Hinrichs

Das ist kein Fremder, der da am Pult steht, keiner von außerhalb, sondern einer von hier, auch wenn er jetzt aus Erfurt kommt. Bodo Ramelow ist in Osterholz-Scharmbeck aufgewachsen, und klar, dass er das gleich erwähnt, wenn er einen Auftritt in Bremen hat. Sein Vater war bei Karstadt in der Obernstraße beschäftigt. Steilvorlage, denn Karstadt kann er als Beispiel nehmen, wie der Kapitalismus heute funktioniert. „Was ist nur aus diesem Unternehmen geworden“, beklagt Ramelow. Ausgeplündert von Finanzjongleuren. Verraten, verkauft, zerteilt.

So redet ein Linker. Und das ist er. Bodo Ramelow, der erste Ministerpräsident der Linken in Deutschland. Er hat in Thüringen die Wahlen gewonnen, führt eine rot-rot-grüne Koalition und ist nun auch schon seit mehr als 100 Tagen im Amt. „125“, sagt der 59-Jährige. „Wer dachte, die Bananen gehen aus, wenn wir an der Regierung sind, hat sich getäuscht.“ Mit Ironie gegen Vorurteile, das Publikum lacht.

Knapp 100 Zuhörer sind es am Donnerstagabend im Alten Fundamt. Wahlkampfauftakt der Linken in Bremen. Obwohl: „Gefühlt sind wir schon seit zwei Monaten dabei“, sagt Kristina Vogt zur Begrüßung, bevor sie dem „Genossen“ Ministerpräsident, wie sie Ramelow nennt, das Mikrofon überlässt.

Ein Thema, das bei der Linken in Bremen den Nerv trifft, auch bei den Gewerkschaften, bei ver.di zumindest: Rekommunalisierung, ein etwas sperriges Wort dafür, wenn Städte, Landkreise oder Gemeinden sich das Tafelsilber zurückholen, das sie einst verscherbelt haben. In Bremen wird darüber diskutiert, die Müllabfuhr zu rekommunalisieren. Die Linke ist schwer dafür und hört nun vom ersten Ministerpräsidenten in ihren Reihen, wie das klappen kann.

„Thüringen hat sich die Stromversorgung zurückgeholt“, erklärt Ramelow, „das gesamte Netz gehört jetzt den Kommunen.“ In einem zweiten Schritt müsse man sie dahin bringen, selbst Energie zu erzeugen. „Die Kommunen bestimmen dann, wie im Land Strom produziert wird. Und das Geld, das dabei erwirtschaftet wird, geht in die öffentlichen Kassen und nicht an Private“, zählt der Ministerpräsident die Vorteile auf. Seine Sicht der Dinge und eins-zu-eins die Argumentation der Bremer Linken, wenn sie für eine städtische Müllabfuhr streitet.

Ramelow, der Mann aus Osterholz-Scharmbeck, erklärt den Bremern, wie’s geht. Applaus vom Publikum für den „Genossen“ Ministerpräsident.

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