Ausweitung in Blumenthal könnte Probleme machen Geologen warnen vor Wasser-Entnahme

Gefährdet die geplante Ausweitung des Trinkwasser-Schutzgebietes Blumenthal Gesundheit und Natur? Diese Befürchtungen hegen Bürger und Kommunalpolitiker, nachdem die Kurzfassung eines Gutachtens des Oldenburger Büros für Umwelt- und Rohstoffgeologie bekannt geworden ist.
28.08.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von KLAUS GRUNEWALD

Gefährdet die geplante Ausweitung des Trinkwasser-Schutzgebietes Blumenthal Gesundheit und Natur? Diese Befürchtungen hegen Bürger und Kommunalpolitiker, nachdem die Kurzfassung eines Gutachtens des Oldenburger Büros für Umwelt- und Rohstoffgeologie bekannt geworden ist.

Blumenthal. Wie berichtet, wollen die Stadtwerke Bremen dem Wasserschutzgebiet Blumenthal jährlich statt bislang fünf Millionen künftig 7,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser entnehmen. Das liegt auch im Interesse des Landkreises Osterholz, der die „Verordnung über die Festlegung eines Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Blumenthal“ bereits mit einer „Amtlichen Bekanntmachung“ veröffentlicht hat.

Aus Sicht des Landkreises Osterholz ist sie damit rechtswirksam. Allerdings nur für das niedersächsische Hoheitsgebiet mit einer Fläche von 19 Quadratkilometern, die Verordnung für das 12,2 Quadratkilometer große bremische Areal ist noch nicht in Kraft getreten. Deshalb könnte die Expertise der Oldenburger Gutachter die Diskussion über die Ausweitung des Wasserschutzgebietes in Richtung Weser (BWK-Gelände und Gewerbefläche Vulkan Ost) erneut befeuern.

Aus Sicht der Gutachter Markus Schmidt und Ulf Linnemann hat die zusätzliche Grundwasserentnahme von rund 2,3 Millionen Kubikmetern jährlich „erhebliche Auswirkungen auf die Grundwasserverhältnisse und die Trinkwassergewinnung“. In der Kurzfassung des Gutachtens wird vor dem Zufluss von salz- und schadstoffhaltigem Weser- und Oberflächenwasser gewarnt. Zudem rechnen die Diplom-Geologen damit, dass der Wasserstand der Blumenthaler Aue deutlich abfällt und der sogenannte Vorfluter teilweise versandet.

Darüber hinaus weisen Linnemann und Schmidt darauf hin, dass bei einer Ausweitung des Trinkwassereinzugsgebietes zusätzliche Boden- und Grundwasserverunreinigungen insbesondere durch das Tanklager Farge einbezogen würden. Dagegen sieht Umweltsenator Joachim Lohse keine Gefahr für das Bremer Trinkwasser durch kontaminiertes Grundwasser unter dem Tanklager, wie er unlängst gegenüber der NORDDEUTSCHEN versicherte.

Vor allem Bürgerinitiativen und die Handelskammer machen seit geraumer Zeit Front gegen die beabsichtigte Erweiterung des Wasserschutzgebietes. Auch der Blumenthaler Beirat hat sich mehrheitlich dagegen ausgesprochen. Vor allem SPD und CDU sehen sich denn auch in ihren Bedenken durch das Gutachten bestätigt.

Allerdings kennen angeblich weder die Blumenthaler Kommunalpolitiker, noch das Ortsamt, weder die Bürgerinitiative Tanklager Farge noch die Handelskammer den Auftraggeber der Expertise. Und auch im Hause des Umweltsenators ist das Papier unbekannt, wie gestern auf Nachfrage versichert wurde. Der Oldenburger Diplom-Geologe Linnemann wiegelte ebenfalls ab, weil er zunächst seinen Auftraggeber kontaktieren müsse, bevor er dessen Namen preisgebe. Allerdings, so Linnemann, habe sein Büro nichts an den Kernaussagen des Gutachtens zurückzunehmen.

Der Blumenthaler Beirat wird sich nach den Worten von Ortsamtsleiter Hans Peter Nowack am Montag, 9. September, mit der Thematik befassen. Dazu hat die SPD-Beiratsfraktion einen Antrag eingereicht, der die Bedenken der Oldenburger Gutachter aufgreift. Außerdem will die Fraktion Die Linke wissen, welche Auswirkungen die Grundwasserentnahmen durch die Bremer Wollkämmerei und die Müllverbrennungsanlage des Heizkraftwerks Blumenthal unter anderem auf Qualität und Fließrichtung des Grundwassers gehabt haben.

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