Bundesstraße 212 Geplant wird mit Verzögerung

Die Fertigstellung der Berner Ortsumgehung wird sich weiter verzögern. Der Untergrund ist wenig tragfähig. Noch ist nicht bewiesen, dass die geplante Brücke über den Motzener Kanal tragen würde.
22.06.2018, 11:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Georg Jauken

Berne/Lemwerder. Die Liste der Zeitverzögerungen beim Bau der B 212 neu ist lang. Jetzt droht eine weitere dazuzukommen. „Wir sind immer noch bemüht, das bis zum Jahresende hinzubekommen“, versichert Frank Zielesny von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg. Doch zurzeit sieht es eher nicht danach aus, dass es gelingt.

Es geht um den zweiten Bauabschnitt der neuen Bundesstraße zwischen der Weserstraße (B 74) in Berne und der Motzener Straße nordöstlich der Ortschaft Harmenhausen. Liefe alles nach Plan, würde der Straßenabschnitt noch dieses Jahr dem Verkehr übergeben. Es soll sogar schon Nachfragen von Verkehrspolitiken gegeben haben, welchen Tag sie sich für die Teilnahme an der feierlichen Eröffnung freihalten sollten.

Doch der genaue Termin ist nicht abzusehen. Die Freigabe der Straße droht sich bis ins Frühjahr 2019 zu verzögern. Der Grund ist der gleiche, der schon seit Beginn der Arbeiten an der Huntebrücke vor fast neun Jahren dafür gesorgt hatte, dass die ursprünglich kalkulierte Bauzeit von fünf Jahren für den 9,9 Kilometer langen Straßenabschnitt bis zur Motzener Straße nicht eingehalten werden konnte und mehrmals korrigiert werden musste.

Der wenig tragfähige Untergrund aus Kleiboden, Schluff und Torf machte ein aufwendiges Gründungssystem für die Hunte­brücke erforderlich. Um die Straßentrasse zu stabilisieren, wurden tonnenweise Sand aufgefahren, die das Wasser aus dem weichen Bodenschichten verdrängen (Überschüttverfahren). Wie schon beim ersten Bauabschnitt wurden auch zwischen Weser­straße und Motzener Straße zusätzlich geo-textilummantelte Sandsäulen in die Trasse eingebaut, die die Lasten des Straßendamms aufnehmen und ableiten. Zielesny: „Wir haben es in der Wesermarsch mit einem schwierigen Untergrund zu tun.“

Einigen Aufwand verlangt daher auch das Brückenbauwerk „Berne 9“ über den Motzener Kanal. Bevor der Autoverkehr über den neuen zweiten Straßenabschnitt bis zur Motzener Straße rollen und die enge Berner Ortsdurchfahrt umfahren kann, muss diese Brücke erst noch gebaut werden. Im Prinzip würde die Zeit dafür auch ausreichen, um die Straße noch in diesem Jahr freizugeben, glaubt Zielesny. Doch noch ist der Nachweis nicht erbracht, dass der Untergrund die ­Brücke trägt. „Wir sind dabei, die Statik neu berechnen zu lassen“, sagt Zielesny. Je nach Ergebnis müsste die Gründung eines Brückenpfeilers verstärkt werden, um die Lasten der Brücke in tiefere, festere Bodenschichten abzuleiten.

Der weiche Marschboden war auch Thema im jüngsten Dialogforum zum weiteren Streckenverlauf der B 212 neu bis zum Bremer Autobahnring, in dem die bisherigen Trassenvarianten noch einmal überprüft werden. Auch dort wird das mindestens zwei Jahre Zeit in Anspruch nehmende Überschüttverfahren mit Sand notwendig sein, um den Boden zu stabilisieren, wie es hieß. Der überschüssige Sand der derzeitigen Baumaßnahme wird bis dahin abgefahren sein und anderweitig verwendet, hieß es auf die Frage, warum der Sand nicht schon für den Damm auf dem unstrittigen Teilstück in Lemwerder verwendet wird. Ohne vorherige Planfeststellung könne nicht mit der Baumaßnahme begonnen werden, hieß es zur Begründung. Außerdem gebe es auch in Lemwerder noch „kleinräumige Optimierungsüberlegungen“.

Sollte im weiteren Verlauf die bisherige Vorzugsvariante durch das südliche Deichhausen realisiert werden, sind weiterhin drei Anschlussvarianten im Gespräch. Bei einem Vollanschluss wäre demnach ein vierstreifiger Ausbau notwendig, die neue Bundesstraße würde sowohl im Norden als auch im Süden Auf- und Abfahrten zur Stedinger Landstraße in Delmenhorst erhalten. Bei einem Teilanschluss von und nach Westen oder einem Knoten ohne Anschluss wird dagegen ein sogenannter 2+1-Ausbau vorgesehen. Gemeint sind zwei Fahrbahnen plus eine dritte, die im Wechsel in beiden Richtungen als Überholspur dient.

Thema des Dialogforums waren auch die ersten Ergebnisse der Kartierungen für die Umweltuntersuchungen. Ein darin erfasstes Fledermausvorkommen an der Sandhauser Brake würde von den beiden Nord-Trassen tangiert werden. Außerdem wurden in dem Bereich Rohrweihen und Waldwasserläufer gesichtet. Weil der Waldwasserläufer streng geschützt ist und für den Naturraum Watten und Marschen bislang nicht nachgewiesen wurde, könnte diese lokale Besonderheit zum K.-o.-Kriterium für die Nordvarianten werden, fürchtet die Interessengemeinschaft B 212 – freies Deich- und Sandhausen. Sie kämpft seit Jahren gegen den Bau der Straße auf der Südtrasse vor der eigenen Haustür.

Für die weitere Planung steht noch ein neues Verkehrsgutachten aus. Es soll im Sommer vorliegen und beim nächsten Dialogforum am Montag, 27. August, ab 18 Uhr in der Milchbar der Ernst-Rodiek-Halle in Lemwerder zusammen mit den Ergebnissen einer Landwirtschaftlichen Betroffenheitsanalyse vorgestellt werden. Die Ergebnisse der umweltrelevanten Untersuchungen sowie des Verkehrslärmgutachtens sind das Thema des siebten Dialogforums am Montag, 29. Oktober, ebenfalls in Lemwerder. Beginn ist um 18 Uhr in der Begegnungsstätte Begu.

Das Ergebnis des Variantenvergleichs erwartet Ansgar Behrens, Leiter des Fachbereichs Planen bei der Oldenburger Straßenbaubehörde, Anfang 2019. Es soll beim achten Dialogforum und anschließend in einer oder mehrerer Veranstaltungen zur Bürgerinformation vorgestellt werden.

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