Heim für straffällige Jugendliche Geplantes Jugendheim sorgt für Unruhe

Bürger und Beirat in Lesum ärgern sich über das Vorgehen der Behörde. Sie wären gerne früher über die Pläne für eine intensivpädagogische Einrichtung für straffällige Jugendliche informiert worden.
21.08.2017, 22:24
Lesedauer: 4 Min
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Geplantes Jugendheim sorgt für Unruhe
Von Julia Ladebeck

Die Nachricht, dass an der Käthe-Kollwitz-Straße eine intensivpädagogische Einrichtung für straffällige Jugendliche entstehen könnte, versetzt die Anwohner in Unruhe. „Wir haben ganz große Bedenken und sind absolut schockiert. Auch darüber, wie wir davon erfahren haben: aus der Zeitung“, sagt Antje Kolweyh. Die Lesumerin will sich am Mittag gerade auf den Weg zum Ortsamt machen und mit Ortsamtsleiter Florian Boehlke über ihre Bedenken sprechen, als sie auf der Straße mehrere Nachbarn trifft. Die sind nicht minder besorgt. Die Einrichtung, die nach Willen der Sozialbehörde in der Käthe-Kollwitz-Straße 1 entstehen soll, ist Gesprächsthema Nummer eins.

Wie berichtet, sollen in dem Haus sieben Plätze für straffällig gewordene Jugendliche entstehen. Sie sollen in der Einrichtung auf anstehende Jugendstrafverfahren vorbereitet werden. Die Informationen entstammen einem internen Papier der Sozialbehörde, das dem WESER-KURIER vorliegt. Es sei, heißt es darin, an eine stationäre Betreuung zur Haftvermeidung gedacht. Die Jugendlichen könnten sich aber im Prinzip frei bewegen. Als Träger der Einrichtung ist der Verein für Innere Mission vorgesehen.

Laut Anke Mirsch, Sprecherin der Inneren Mission, wurde der Verein 2016 von der Behörde angesprochen. Daraufhin sei ein Konzept erarbeitet und eingereicht worden. „Die Immobilie ist uns Anfang des Jahres vorgeschlagen worden“, so Mirsch. „Im April oder Mai wurde sie von uns angesehen und räumlich für geeignet befunden.“ Ob das Umfeld für diese Einrichtung geeignet sei, so Mirsch, müsse indes die Behörde entscheiden. Verträge gebe es bisher noch nicht. Es wäre die erste Einrichtung dieser Art, die der Verein für Innere Mission Bremen betreiben würde. „Aber wir würden das natürlich nicht machen, wenn wir die Kompetenz nicht hätten. Wir haben Personal, das schon mit straffällig gewordenen Jugendlichen gearbeitet hat.“

Lieber an Flüchtlinge vermieten

Nach Ansicht von Antje Kolweyh eignet sich das Umfeld nicht. „Es geht mir darum, dass es Wiederholungsstraftäter sind, die hier untergebracht werden sollen. Ich habe Angst, vor allem um meine Tochter. Hier wohnen viele Kinder. Natürlich müssen diese Jugendlichen resozialisiert werden, aber doch nicht mitten in einem Wohngebiet.“

Dieser Meinung ist auch Heike Rech, die ebenfalls in der Nachbarschaft wohnt. Ihrer Ansicht nach wäre die Einbindung in Naturprojekte geeigneter, abseits einer Umgebung, die die Jugendlichen erneut in Versuchung führen könnte, Straftaten zu begehen. Eine weitere Nachbarin denkt bereits darüber nach, eine Alarmanlage in ihrem Haus zu installieren. „Ich werde mich nicht mehr sicher fühlen“, sagt sie und fragt: „Warum entstehen diese Einrichtungen immer in Bremen-Nord?“ Damit spielt sie auf die Einrichtungen an der Rekumer Straße und im Sattelhof in Blumenthal an. Sie würde sich wünschen, dass das Haus stattdessen an Flüchtlingsfamilien vermietet wird.

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Helene Peniuk und Manfred Wulf haben ambivalente Gefühle, wenn es um die Unterbringung straffälliger Jugendlicher in ihrer direkten Nachbarschaft geht. „Wir sind eine Gesellschaft, die tolerant sein und nicht ausgrenzen sollte“, betont Manfred Wulf. „Ob das der richtige Ort für so eine Einrichtung ist, muss letztlich die Gemeinschaft entscheiden. Ich finde allerdings, die Informationen reichen nicht. Ich würde mir wünschen, dass das Ortsamt die Bürger einladen und informieren würde.“

Darüber sind sich die Nachbarn, die auf der Straße diskutieren, alle einig. Sie wären gerne wesentlich früher über die Pläne informiert und daran beteiligt worden. Martin Hornhues (CDU), Sprecher des Beirats Burglesum, ist ebenfalls verärgert. Er habe zwar im Februar die Information bekommen, dass über eine intensivpädagogische Einrichtung in Lesum nachgedacht wird. Im Mai habe die Sozialbehörde den Sprecherausschuss des Beirats „grob informiert“. Details seien jedoch nicht kommuniziert worden. „Es geht nicht an, dass der Beirat seine Informationen aus einer Senatsvorlage bekommt.“

CDU für geschlossene Einrichtung

Bettina Hornhues, stellvertretende Kreisvorsitzende der CDU Bremen-Nord und Beiratsmitglied in Burglesum, kritisiert die Behörde ebenfalls dafür, dass der Stadtteil nicht informiert wurde und von den Plänen aus der Zeitung erfahren musste. Sie betont außerdem, dass die CDU Bremen immer eine geschlossen Einrichtung im Blockland gewollt habe.

Für Intensivstraftäter, die in Bremen für schwere Straftaten verantwortlich sind, müsse es eine Unterbringung in geschlossen Einrichtungen mit intensivpädagogischen Maßnahmen geben. „Nur in einer solchen Einrichtung ist gewährleistet, dass einerseits die Bürger vor diesen Intensivstraftätern geschützt, auf der anderen Seite die Täter resozialisiert werden können.“ Es sei vollkommen verständlich, dass die Bürger verunsichert und in Aufruhr seien, wenn sie aus der Zeitung erfahren, dass in ihrer Nachbarschaft eine offene Einrichtung geschaffen werden soll. „Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigen, dass diese Jugendlichen schnell wieder rückfällig werden.“

Auch die Bürger in Wut (BIW) in der Bürgerschaft lehnen die geplante Einrichtung ab. Nach Ansicht des BIW-Abgeordneten Klaus Remkes ist Bremen-Nord bereits mit dem Wohnheim Rekumer Straße stark belastet. Remkes: „Wir lehnen offene Einrichtungen für schwerkriminelle Jugendliche wegen der damit verbundenen Gefahren für die öffentliche Sicherheit kategorisch ab. Der Schutz der Bevölkerung vor Straftaten muss grundsätzlich Vorrang vor den Interessen von Rechtsbrechern haben.“ Junge Intensivtäter müssten deshalb geschlossen untergebracht und betreut werden.

Der Beirat Burglesum hat das Thema auf die Tagesordnung seiner Sitzung an diesem Dienstag, 22. August, gesetzt, ab 19 Uhr im Sitzungsraum des Ortsamtes, Oberreihe 2. Nach Angaben von Martin Hornhues hat die Sozialbehörde zugesagt, einen Vertreter zu schicken.

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