Beluga-Prozess Gericht eröffnet Verfahren gegen Stolberg

Nach fast fünf Jahren, in denen Staatsanwälte und Richter ermittelt und geprüft haben, kommt es im Fall der Reederei Beluga jetzt zum Prozess. Am 20. Januar beginnt das Verfahren gegen Niels Stolberg.
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Gericht eröffnet Verfahren gegen Stolberg
Von Jürgen Hinrichs

Nach fast fünf Jahren, in denen Staatsanwälte und Richter ermittelt und geprüft haben, kommt es im Fall der Reederei Beluga jetzt zum Prozess. Wie das Bremer Landgericht am Donnerstag mitteilte, soll das Verfahren am 20. Januar beginnen. Angeklagt sind der ehemalige Chef des Unternehmens, Niels Stolberg, und drei seiner früheren Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Betrug, Untreue und Kreditbetrug vor. Der Strafrahmen liegt bei bis zu zehn Jahren Gefängnis.

Im einzelnen sollen Stolberg und seine Kollegen ab dem Jahr 2006 in 16 Fällen über Scheinverträge Geschäfte vorgetäuscht haben, um von den Banken höhere Darlehen zur Finanzierung von Schiffsneubauten zu erlangen. Die Investitionskosten seien höher angegeben worden als sie tatsächlich waren. Die Banken haben über den üblichen Kreditrahmen hinaus entsprechend mehr Geld zur Verfügung gestellt. Das Volumen der Scheininvestitionen liegt laut Anklage bei rund 93 Millionen Euro.

Getäuscht haben soll die Beluga-Führung auch den milliardenschweren Kapitalinvestor Oaktree Capital Management. Das Unternehmen aus den USA war im Jahr 2010 bei Beluga eingestiegen und hatte Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe gewährt. Die Angeklagten, so der Vorwurf, hatten zuvor die Bilanzen frisiert, weshalb der Investor von falschen Voraussetzungen ausgegangen war.

Die ersten beiden Anklagen zielen auf Kreditbetrug, die dritte auf Betrug und Untreue bei Geschäften mit Schiffsbetreibergesellschaften, in denen neben Oaktree auch andere Investoren involviert waren. Den Vermögensschaden, der dabei entstanden ist, beziffert die Staatsanwaltschaft mit rund 7,9 Millionen Euro.

Ein Sprecher des Landgerichts bezeichnete das Beluga-Verfahren als äußerst komplex und kompliziert. Die Anklageschriften umfassten mehrere Hundert Seiten. Gerechnet werde zunächst mit 56 Verhandlungstagen, genau abschätzen könne man das aber nicht. „Es dürfte wohl das ganze Jahr dauern.“

Niels Stolberg ist nach eigenen Angaben froh, dass der Prozess beginnt: „Die Zeit des Wartens ist vorbei“, so der ehemalige Reeder, „vieles wird sich im Zuge der Verhandlung relativieren, davon bin ich überzeugt.“ Der 54-Jährige hat sein gesamtes Vermögen verloren und lebt in Privat-Insolvenz. In Oldenburg ist er als Geschäftsführer einer kleinen Firma tätig, die unlängst wegen Mietrückständen ihre Büros räumen musste und woanders in der Stadt eine neue Bleibe gefunden hat. Stolberg spricht von „ersten erfolgreichen Abschlüssen“ als Berater bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. „Ich werde diesen Weg weitergehen und bin sehr zuversichtlich, dass sich hier noch so einiges bewegen lässt.“
Gescheitert ist er offenbar mit einem anderen Projekt in Hamburg. Der Plan war, Kreuzfahrtschiffe zu bauen, sogenannte „Green Cruiser“, die mit Segeltechnologie betrieben werden. Mitte dieses Jahres sollte das erste Schiff fertig sein, ein Neubau für 135 Millionen Euro. Doch davon ist nun nichts mehr zu hören. Die Firma in Hamburg hat ihre Aktivitäten mehr oder weniger eingestellt.

Aufstieg und Fall der Reederei Beluga sind beispiellos in Deutschland. In nur 15 Jahren hat Niels Stolberg ein Unternehmen aufgebaut, das in der Schwergut-Branche mit zuletzt 72 Spezialschiffen zu den größten in der Welt gehörte. Stolberg, dem in Bremen zunächst mit Skepsis begegnet wurde, stieg dank seiner Erfolge auch gesellschaftlich auf. Er wurde zum Unternehmer des Jahres gewählt und war im Jahr 2008 einer von drei Schaffern bei der Schaffermahlzeit. Unter den Kaufleuten in Bremen gilt das als höchste Auszeichnung.

Der Anklage zufolge soll Stolberg zu der Zeit bereits mit seinen Tricksereien begonnen haben. Ins Rollen kamen die Ermittlungen aber erst drei Jahre später, nachdem Oaktree Beluga übernommen hatte. Stolberg wurde am 1. März 2011 kurzerhand vor die Tür gesetzt. Einen Tag später informierte Oaktree die Staatsanwaltschaft und warf dem Firmengründer vor, fiktive Umsätze ausgewiesen zu haben. Seitdem ist ein Wust weiterer Anschuldigungen hinzugekommen.

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