Mädchen wurde lebensgefährlich verletzt

Gericht verhandelt über Schüsse im Treppenhaus

Vor dem Amtsgericht Bremen hat der Prozess gegen einen Mann begonnen, der mit einer Schreckschusspistole auf die Polizei geschossen hatte. Die feuerte zurück und verletzte eine 17-Jährige lebensgefährlich.
21.09.2017, 12:16
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Gericht verhandelt über Schüsse im Treppenhaus
Von Ralf Michel
Gericht verhandelt über Schüsse im Treppenhaus

Vor dem Bremer Amtsgericht hat die juristische Aufarbeitung des Vorfalls begonnen.

China Hopson

Im März 2016 wurde ein 17-jähriges Mädchen durch Schüsse eines Polizisten lebensgefährlich verletzt. Die Polizei war nachts wegen einer vermeintlichen Schlägerei auf einer Party alarmiert worden. Als zwei Beamte an der Tür klopften, öffnete der Wohnungsinhaber diese einen Spalt weit und schoss mit einer Schreckschusspistole auf die Polizisten. Daraufhin schoss einer der Polizisten fünfmal durch die wieder geschlossene Tür zurück. Drei der Schüsse trafen das Mädchen.

Am Donnerstag hat vor dem Amtsgericht die juristische Aufarbeitung des Vorfalls begonnen. Angeklagt ist der Mann, der mit der Gaspistole auf den Polizisten geschossen hat. Ihm wird nicht allein eine gefährliche Körperverletzung vorgeworfen – mit dem Polizisten als Opfer, denn der hat ein Knalltrauma und einen Schock erlitten und war zwei Wochen dienstunfähig. Sondern die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten auch vor, durch sein fahrlässiges Handeln für die lebensgefährliche Verletzung des Mädchens verantwortlich zu sein. Hätte er nicht mit der Gaspistole auf die Polizisten geschossen, wäre es nicht zu den fünf Schüssen gekommen.

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Dabei war es der Angeklagte selbst, der die Polizei zu Hilfe gerufen hatte. Er fühlte sich durch eine Gruppe anderer Personen bedroht und hatte sich mit seiner 17-jährigen Begleiterin in seine Wohnung zurückgezogen. Als die Polizisten bei ihm anklopften, habe der Mann geglaubt, dass seine Verfolger vor der Tür stehen und den Schuss abgegeben, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Notwehr wollte sie dafür nicht gelten lassen. Der Angeklagte hätte fragen können, wer da vor seiner Tür steht. Oder die von ihm vermuteten Angreifer auch nur mit der Schreckschusspistole bedrohen.

Mann streitet ab, dass der Polizist "Polizei, aufmachen" rief

Stattdessen schoss er durch den Türspalt und habe so "vorwerfbar verursacht, dass der Polizeibeamter irrtümlich von einer scharfen Waffe ausgegangen sei und daraufhin selbst fünf Schüsse durch die Wohnungstür abgegeben habe", heißt es hierzu seitens der Staatsanwaltschaft.

Die Angeklagte hat hierfür einen Strafbefehl von der Anklagebehörde erhalten – ein Jahr Haft auf Bewährung –, dagegen aber Beschwerde eingelegt. Deshalb wird nun vor dem Amtsgericht verhandelt. Am ersten Verhandlungstag wurden der Angeklagte und mehrere Zeugen vernommen. Der Mann stritt dabei ab, dass der Polizist ihn mit den Worten "Polizei aufmachen" zum Öffnen der Tür aufgefordert hatte. Der Polizist wiederum bekräftigte, dies sehr wohl getan zu haben.

Der Prozess wird am Mittwoch, 27. September, fortgesetzt. Auf der Tagesordnung steht dann die Vernehmung weiterer Zeugen. Denkbar, dass der Prozess dann auch bereits beendet wird.

Auch gegen den Polizisten, der in der Nacht durch die Tür geschossen hatte, hat die Staatsanwaltschaft ermittelt, dieses Verfahren aber eingestellt. Der Beamte habe sich bei dem Vorfall subjektiv in einer Notwehrsituation befunden, weshalb er bei der Abgabe der Schüsse nicht vorsätzlich gehandelt habe. Die Schreckschusspistole sei nicht von einer scharfen Pistole zu unterscheiden gewesen.

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