Mädchen und Jungen haben ein Erzählfahrrad gebaut und gehen jetzt auf Stadtteil-Tour

Geschichten auf dem Gepäckträger

Blumenthal. Was sich zunächst anhört wie eine moderne Geschichte aus Tausend und einer Nacht haben sich Mädchen und Jungen des fünften Jahrgangs der Integrierten Stadtteilschule in den Sandwehen ausgedacht: Es war einmal ein Containerschiff mit vielen Fahrrädern an Bord. Auf dem Weg von Amerika nach Europa geriet es in einen Sturm und es sank.
24.03.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulf Buschmann

Was sich zunächst anhört wie eine moderne Geschichte aus Tausend und einer Nacht haben sich Mädchen und Jungen des fünften Jahrgangs der Integrierten Stadtteilschule in den Sandwehen ausgedacht: Es war einmal ein Containerschiff mit vielen Fahrrädern an Bord. Auf dem Weg von Amerika nach Europa geriet es in einen Sturm und es sank. Eines der Fahrräder wurde an die Weser gespült und von Sigi gefunden. Er baute es mit einiges Schülern wieder zusammen und verkaufte es weiter. Über Großbritannien kam das Fahrrad in die Türkei und wurde sogar Teil einer wunderschönen Hochzeitsfeier.

Während sie die Geschichte entwickelten haben die Kinder Bilder gemalt, gesägt, gestrichen und geschliffen. Alles zusammen gehört zu einem Projekt, an dem neben der Schule das Doku Blumenthal, das Spielhaus Lüssum und der Kiwanis-Club beteiligt sind. Das Ergebnis, zwei sogenannte Erzählfahrräder, sind jetzt vorgestellt worden .

Der Name ist Programm, denn mit den Erzählfahrrädern möchten die Schüler durch den Stadtteil fahren, um ihre Geschichten vorzutragen. Jeweils ein oder zwei Schüler erzählen dabei die Geschichte, zwei weitere stecken dazu die selbst gemalten Bilder in einen Rahmen, der auf den Gepäckträger montiert ist. Vorbild dafür ist eine Tradition aus Japan. Inzwischen sei diese Kultur zwar fast verschwunden, bedauern die Initiatoren, doch erfolgreich könne sie immer noch sein. Ein Erzählfahrrad ist auch beim Gröpelinger Projekt „Feuerspuren“ zum Einsatz gekommen und hatte stets viele Zuhörer angezogen.

Für Blumenthal ist das Projekt gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Abgesehen davon, dass es bislang keine rollende Geschichtenschatulle im Stadtteil gegeben hatte, arbeiteten erstmals die drei Stadtteileinrichtungen Schule, Doku und Spielhaus so eng zusammen – mit Erfolg, wie Christina D‘han, Leiterin des 5. Jahrgangs der Stadtteilschule sagt: „Es ist ein Schatz für alle.“

Zustande gekommen ist das Projekt durch das Programm „Qualität in multikulturellen Stadtteilen und Schulen“ (kurz Quims). In diesem Rahmen gab es für Projekte zusätzliches Geld – auch für das Erzählfahrrad, an dem die Kinder seit vergangenem Spätsommer unter der künstlerischen Leitung von Mareike Seegers-Herenda arbeiteten, indem sie im Doku die Bilder malten und sich die Geschichten erdachten.

Die Holzkästen und die Fahrräder selbst wurden derweil in der Werkstatt des Spielhauses gebaut beziehungsweise auf Vordermann gebracht. Spielhaus-Leiter Sigi Renz fand das Ganze so großartig, dass er das Erzählfahrrad-Projekt mit der Produktion eines Airbus verglich: „Die Menschen arbeiten in verschiedenen Ländern daran und bauen das Flugzeug nachher an einer Stelle zusammen.“

Wer mehr über das Erzählfahrrad erfahren möchte, kann im Mai ins Doku am Heidbleek kommen. Dort stellen die Kinder ihr Projekt im Rahmen des monatlichen Erzählcafés vor.

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