Delia Nordhaus und ihre "Kissen"-Serie sind bis Ende Februar im Künstlerfachmarkt Gerstäcker in der Überseestadt zu sehen

Geschichten von wilden Nächten und sanften Träumen

Überseestadt. Das Kissen als Kunstthema: Darauf muss man erst einmal kommen. Für die Bremer Künstlerin Delia Nordhaus hat dieses Motiv eine erstaunliche Aussagekraft. In ihrer Ausstellung, die zurzeit in der Überseestadt zu sehen ist, zeigt sie, wie viel Potenzial sich in dem ungewöhnlichen Thema verbirgt. Zu sehen sind dabei Monotypien auf Papier oder Leinwand, in unterschiedlichsten Überarbeitungen und Farbkompositionen. Und die nähere Betrachtung des bescheidenen Alltagsobjektes, das uns so nahe ist wie kaum ein anderes, erweist sich dabei als durchaus lohnenswert.
13.12.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anke Velten

Überseestadt. Das Kissen als Kunstthema: Darauf muss man erst einmal kommen. Für die Bremer Künstlerin Delia Nordhaus hat dieses Motiv eine erstaunliche Aussagekraft. In ihrer Ausstellung, die zurzeit in der Überseestadt zu sehen ist, zeigt sie, wie viel Potenzial sich in dem ungewöhnlichen Thema verbirgt. Zu sehen sind dabei Monotypien auf Papier oder Leinwand, in unterschiedlichsten Überarbeitungen und Farbkompositionen. Und die nähere Betrachtung des bescheidenen Alltagsobjektes, das uns so nahe ist wie kaum ein anderes, erweist sich dabei als durchaus lohnenswert.

Sie selbst habe ja schon immer eine besondere Affinität zu ihren Kissen gehabt, erzählt Delia Nordhaus. Schon als Kind habe sie auf ihrem eigenen Kissen bestanden, und nehme auch heute noch ihr eigenes Kissen mit auf Reisen. Was sie aber als Künstlerin besonders interessiert, das sind die vielsagenden Mutationen des Themas: die Tatsache, dass ein Kissen an jedem Morgen auf eine andere Weise den konkreten Eindruck des Schläfers trägt und die Geheimnisse seiner Nacht zum Ausdruck bringt.

Bei den Exponaten handelt es sich um eine Unikatserie in limitierter Auflage. Und genau so individuell sind ihre Vorbilder. Manche Kissen scheinen von einer ruhigen Nacht zu künden, andere sind wild geknautscht und haben wohl einiges über sich ergehen lassen. Es gibt ausgeruhte Kissen, die energiegeladen den neuen Tag begrüßen; andere, die mit ihren schroffen Formen und harten Konturen von den schlechten Träumen ihrer Schläfer geprägt zu sein scheinen. Selbst dem nächtlichen Schweiß gibt die Künstlerin eine Ausdrucksform - wenn die Drucke mit ihrem Farbauftrag auf Wasserbasis quasi durchtränkt zu sein scheinen.

Dem Kissen einen künstlerischen Soloauftritt zu gönnen, das ist in der bildnerischen Kunst tatsächlich ein seltenes Phänomen, wusste Kulturmanagerin Sonja Funke, die die Vernissage eröffnete. Dennoch kann sich Delia Nordhaus auf einen respektablen Vorläufer berufen. Kein Geringerer als Albrecht Dürer habe sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und im Jahr 1493 sechs Kissen auf einem Blatt dargestellt, so Sonja Funke. Auch dem deutschen Renaissancekünstler sei es dabei um mehr als die Erprobung technischer Fertigkeit gegangen: Beweis seien spätere Werke, in denen Dürer Kissen symbolhaft einsetzte als Grenzgänger zwischen Tag und Nacht, Bewusstsein und Traum. Oder, um es mit Delia Nordhaus? Worten zu beschreiben: "Wenn Kissen reden könnten, dann könnten sie so viel erzählen!"

Die Ausstellung "Kissen" mit den Werken von Delia Nordhaus ist bis zum 28. Februar im Künstlerfachmarkt Gerstäcker, Überseetor 13, zu sehen. Informationen über die Künstlerin im Internet unter www.delianordhaus.com.

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