Erwachsene lesen Kindern der Schule in der Neuen Vahr in mehreren Sprachen vor

Geschichtenzauber an allen Ecken

Neue Vahr Südost. Je früher Kindern vorgelesen wird, desto besser: Die Fantasie wird beflügelt, die Lesekompetenz gestärkt, die Kreativität gefördert. In der Grundschule an der Witzlebenstraße in der Neuen Vahr wurde im Vorfeld des Vorlesetags ein wahrer „Geschichtenzauber“ entfacht: An 25 Orten in der Schule lasen Erwachsenen eine halbe Stunde lang Geschichten vor.
18.11.2016, 00:00
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Von Matthias Holthaus
Geschichtenzauber an allen Ecken

Gefesselt von der spannenden Geschichte "Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika" sind diese Kinder an der Schule an der Witzlebenstraße.

PETRA STUBBE

Neue Vahr Südost. Je früher Kindern vorgelesen wird, desto besser: Die Fantasie wird beflügelt, die Lesekompetenz gestärkt, die Kreativität gefördert. In der Grundschule an der Witzlebenstraße in der Neuen Vahr wurde im Vorfeld des Vorlesetags ein wahrer „Geschichtenzauber“ entfacht: An 25 Orten in der Schule lasen Erwachsenen eine halbe Stunde lang Geschichten vor.

„Wir sind gespannt, wie es wird“, sagt Schulleiterin Klara Bernau kurz vor Beginn. An allen möglichen Stellen soll vorgelesen werden: in der Aula, auf den Fluren und sogar im Zimmer der Schulleiterin. Durchschnittlich zwölf Kinder lauschen einer Geschichte. Vorher haben alle Kinder Eintrittskarten für die jeweiligen Geschichten erhalten, die sie sich selbst aussuchen durften. „Alle lesen vor, die Lehrer sind dabei, einige Eltern und sogar die Küchenkräfte“, erzählt Klara Bernau weiter, „und wir haben sogar mehrsprachige Bücher.“ Die Kinder können Geschichten hören, die in Englisch und Deutsch, Persisch und Deutsch und Arabisch und Deutsch vorgetragen werden. Nach den dreißig Minuten gehen die Schülerinnen und Schüler dann zurück in die Klassenräume und tauschen ihre Erfahrungen aus. Diese Erfahrungen sind für nicht wenige Kinder neu, das Vorlesen ist in vielen Familien nicht unbedingt üblich: „Wir versuchen daher, das Vorlesen vorzuleben“, erklärt die Schulleiterin, „und wollen auch den Eltern vermitteln, dass Vorlesen wichtig ist.“

Unterdessen sitzt Najona Ben Abdeljehl auf der Bühne der Aula und wartet auf ihre Gruppe. Die aus Tunesien stammende Frau arbeitet in der Küche, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer stammen aus Syrien, Jordanien, Ägypten, Marokko, den kurdischen Gebieten und aus Deutschland. Gleich werden sie die Geschichte „Mein neuer Freund, der Mond“ hören, die 2004 sogar den „Sonderpreis der Kreuzberger Kinderstiftung für ein besonders engagiertes Kinder- und Jugendbuchprojekt“ erhielt und gleich auf Arabisch und Deutsch zu hören sein wird.

In einem kleinen Raum neben der Aula sitzt die pädagogische Mitarbeiterin Wiebke Keil, die mit dem Buch „Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika“ ihre Gruppe unterhalten möchte, der Raum für die Geschichte „Der Dachs hat heute schlechte Laune“ bleibt jedoch leer, der Vorleser ist krank geworden. Kurzerhand nimmt Schulleiterin Klara Bernau die Gruppe des schlecht gelaunten Dachses mit in ihr Büro, wo bereits andere Kinder warten, um sich mit der Frage „Wer ist der Größte?“ auseinanderzusetzen: Darin geht es um die beiden Inuit-Jungen Jonah und Enuki, die sich darüber streiten, wer denn nun größer ist. Die 16-köpfige Gruppe hört andächtig und aufmerksam zu, während Klara Bernau die Erlebnisse der beiden Jungen schildert.

„Eine schöne Geschichte“, meint danach dann auch ein Schüler, obwohl sich die meisten von ihnen auch schon mal gestritten haben, wer denn nun der Größte sei. Die Schulleiterin lässt die Kinder dann der Größe nach aufstellen, groß sind die Unterschiede nicht, und überhaupt: Spielt das denn eine Rolle?

Klara Bernau ist nach dem Geschichtenzauber sehr zufrieden: „Und wir hoffen, dass wir das nächste Mal in noch mehr Sprachen vorlesen können.“ Zwei Mal im Jahr gibt es den Geschichtenzauber an der Schule, und die Geschichten müssen nicht gelesen, sondern können auch erzählt werden.

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