Inhaftierter Werder-Ultras Valentin Gespräche nach Kritik an Polizei-Vorgehen

Der 21-jährige Werder-Ultra Valentin sitzt weiterhin in Untersuchungshaft und die Politik streitet: Gab es beim Einsatz am 19. April taktische Fehler der Polizei? Und von wem ging die Gewalt aus?
06.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hauke Hirsinger

Eigentlich laufen nur 22 Personen einem Ball hinterher. Das soll ihnen ein opulentes Einkommen sichern und den Tausenden Menschen, die sie dabei beobachten, Spaß bereiten. In dieser Kürze könnte das Phänomen Fußball bereits erklärt sein. Könnte.

Doch Fußball hat auch eine politische Seite, wie am Mittwoch an der Contrescarpe zu beobachten war. Dort, in der Innenbehörde, trafen die Sprecherin der Grünen Jugend, Alexandra Werwath, und der stellvertretende Vorsitzende der Jusos, Sören Böhrnsen, auf Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) und den Polizeipräsidenten Lutz Müller. Gesprochen wurde über Valentin, den 21-jährigen Werder-Ultra, dem vorgeworfen wird, zusammen mit weiteren Ultras einen rechten Hooligan verletzt zu haben. Der Vorfall ereignete sich am 19. April im Zuge des Spiels Werder gegen HSV. Seit dem 1. Juli befindet sich Valentin in Untersuchungshaft.

Kritik an der Polizeitaktik

Anlass für das Gespräch war ein offener Brief, den Jusos und Grüne Jugend kürzlich an Mäurer und Müller gerichtet hatten. Darin heißt es unter anderem: „Wir sehen das aktuelle Vorgehen der Polizei als besorgniserregend an und fordern die sofortige Freilassung von Valentin.“ Es könne nicht sein, dass die jüngsten Vorkommnisse völlig entpolitisiert würden. Die Verfasser stellen es in ihrem Brief so dar, als habe die Polizei in der Verdener Straße eine Gruppe linker Ultras wissentlich in die Arme rechter Hooligans getrieben. Erst danach sei es zu den „angeklagten Körperverletzungen“ gekommen. Dabei weisen Jusos und Grüne Jugend auf Mängel bei der Polizeitaktik hin.

Mäurer gab sich nach dem Gespräch zufrieden: „Wir haben in unseren Positionen viele Gemeinsamkeiten entdecken können.“ Dennoch betont der Innensenator: „Dort, wo Gewalt beginnt, kennen wir kein Pardon. Weder links noch rechts.“ Müller verteidigt das Vorgehen seiner Beamten: „Es gab keine taktischen Fehler.“ Man habe die Ultras nicht in die Arme der Hooligans getrieben. Im Gegenteil: „Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass die Ultras sich selbst in diese Richtung begeben haben.“ Und auch Mäurer ist sicher: „Die Gewalt ging eindeutig von den Ultras aus.“

Der junge Sozialdemokrat und die junge Grüne wollten nicht konkret über den Fall Valentin sprechen. Es gehe ihnen vielmehr darum, zu zeigen, dass Polizei und Inneres versuchten, die politische Dimension des Konfliktes auszublenden. Sören Böhrnsen: „Doch so versteht man das Problem nicht.“ Bei den Ultras komme wegen des Verhaltens der Polizei immer wieder die Botschaft an, dass sie härter verfolgt würden als die Hooligans. „Beispielsweise werden Stadionverbote schneller ausgesprochen. Das ist natürlich auch ein fatales Zeichen an die Rechten. Man misst hier mit zweierlei Maß“, so Böhrnsen. Das lässt Mäurer nicht gelten: „Wir sind auf dem rechten Auge nicht blind. Vielmehr wird in Bremen sehr konsequent gegen rechts vorgegangen.“ Ein Beleg dafür sei das konsequente Ahnden rechter Gewalt von Cottbus-Fans am vergangenen Sonnabend. Werwath wünschte sich nach dem Gespräch dennoch eine klarere Strategie des Innenresorts bei rechter Gewalt im Fußball.

Haftprüfungstermin noch nicht bekannt

Derweil ist das Mitgefühl für Valentin groß. Neben Solidaritätsbekundungen diverser linker Ultra-Gruppen, auch aus dem Ausland, wird zurzeit an einer Benefiz-CD gearbeitet. Am Sielwallhaus prangt seit Wochen ein großes Solidaritätsbanner. Für den 15. August wird zudem zu einer Demonstration unter dem Motto: „Gegen Neonazis und Repression“ aufgerufen.

Valentins Anwalt, Horst Wesemann, reagiert verschnupft auf das Treffen im Innenressort: „Ich wurde als Verteidiger nicht darüber unterrichtet. Das finde ich äußerst unglücklich.“ Außerdem sei er Mitglied der Innendeputation. „Das dürfte auch Herrn Mäurer nicht entgangen sein.“ Am kommenden Dienstag stehe eine Prüfung der Haftgründe für Valentin an. Wesemann: „Der Haftbefehl stützt sich auf eine befürchtete Wiederholungsgefahr. Ich habe einen Plan mit entsprechenden Meldeauflagen für Valentin erarbeitet.“ Demnach müsste sich Valentin beispielsweise vor Fußballspielen bei einer Polizeiwache in Osterholz melden. „Ich bin zuversichtlich, dass das für eine Beendung der Untersuchungshaft reichen wird.“

Silke Noltensmeier, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, weiß davon nichts: „Der Haftprüfungstermin ist uns noch nicht bekannt.“ Die Staatsanwaltschaft sehe derzeit keine geeigneten Auflagen und Weisungen, mit denen einer Wiederholungsgefahr begegnet werden könne.

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