Schulschiff Deutschland

Gesucht: Helfer an Bord

Das „Schulschiff Deutschland“ sucht Verstärkungen für die Crew. Wer Lust auf ehrenamtliche Arbeit für Deutschlands schönstes schwimmendes Denkmal hat, kann sich an Bord anheuern lassen.
16.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling
Gesucht: Helfer an Bord

Vegesacks Wahrzeichen im Abendlicht.

frei

Das „Schulschiff Deutschland“ sucht Verstärkungen für die Crew. Wer Lust auf ehrenamtliche Arbeit für Deutschlands schönstes schwimmendes Denkmal hat, kann sich im Schulschiffhaus oder direkt an Bord des Seglers anheuern lassen: Gesucht werden zum einen Gästeführer, die nicht auf den Mund gefallen sind. Aber zum anderen auch Hände mit handwerklichem Geschick für die vielen kleinen Instandhaltungsarbeiten an Deutschlands geschichtsträchtigem Vollschiff.

Wenn Georg „Schorse“ Blödorn Schulklassen vor sich hat, lässt er die Jugendlichen schon einmal Schuh an Schuh an der Teernaht einer Decksplanke antreten: „Bei neunzig Prozent der Gruppen spiele ich den Offizier und zeige so, wie wichtig auf so einem Schiff früher die Disziplin war.“ Für beide Hände in den Hosentaschen setzt es dann vom Vorgesetzten auch schon einmal zwei nächtliche Strafwachen, auch wenn der Delinquent in diesem Fall nur ein unschuldiger Feriengast aus Wanne-Eickel ist. Georg Blödorn: „Aber die Leute spielen eigentlich immer mit und haben einen Heidenspaß daran.“

Wenn Jungs plötzlich unbedingt ins Rigg klettern wollen, Gruppen an Land zum Abschied „La Ola“ für ihren Gästeführer machen oder erst gar nicht mehr vom Dreimaster runter wollen – dann hat Schorse alles richtig gemacht: „Man muss Freude und Spaß am Umgang mit den Menschen haben. Und gut wäre noch ein bisschen maritimes Wissen.“ Wobei er das Know-how in Sachen Seefahrt gar nicht so wichtig findet: „Wer mitmachen will, geht ja erst einmal mit den anderen Gästeführern mit. Und die Details will sowieso keiner wissen – was man braucht, lässt sich lernen.“

Der 73-Jährige ist in Vegesack gleich doppelt an den Anfangsort seiner Seemannslaufbahn zurückgekehrt: 1956 ging er von der gleichen Stelle aus auf seinen ersten Heringslogger, und seinen Moseslehrgang machte er 1957 auf dem „Schulschiff Deutschland“. Georg Blödorn: „Gleich nach Ende meiner Seefahrtszeit 1997 habe ich dann wieder angeheuert – als Nachtwächter und dann auch schon für die Schiffsführungen.“ 40 Jahre Seefahrt – da kennt man sich aus und erklärt denn auch mal eben, wie früher mehrere Männer am mittleren Steuerstand das Ruder bewegten und die Umlenkung über Trossen über Deck auf den Ruderquadranten achtern lief.

„Auch das Gangspill vorne war Knochenarbeit. Die Leute heute können sich ja gar nicht mehr vorstellen, wie Seefahrt auf einem solchen Schiff ohne Motor und Elektrizität funktionierte. Dass Shantys mitunter Schmählieder auf Kapitän und schindende Offiziere waren, wisse heute auch kaum noch jemand. „Seefahrt war eine Plackerei hier. Und gegen die auf dem Achterdeck durfte man schließlich nichts sagen“, sagt Blödorn.

Höhepunkt Kapitänssalon

Ein Höhepunkt seiner Führungen ist immer achtern der Kapitänssalon, wo er auch Werbung für die Trauungen macht: Jeden ersten Sonnabend im Monat geben sich hier Menschen das Ja-Wort. An einem Spitzentag waren es sogar 14 Paare. Wer es privater haben möchte, kann den Salon auch gleich mit dem Kapitänszimmer als Suite buchen. Blödorn: „Ich sage dann, dass ich den Champagner auch direkt ans Bett bringe – ist natürlich nur Spaß. Aber so machen wir Werbung für die Angebote hier. Ich erzähle auch von meiner Seefahrt und von den anderen Schiffen des deutschen Schulschiffvereins wie der heutigen ’Statsraad Lehmkuhl’.“

Wollen es die Leute etwas handfester, dann bietet der Gästeführer an, mit dem „Gebetbuch“, einem dicken Bimsstein, doch einfach mal das Deck zu schrubben. Er persönlich beendet seinen einstündigen Rundgang meistens mit einem Ringelnatz-Gedicht zur Erhabenheit der alten Windjammer. Ach ja, das müssten die Freiwilligen auch noch wissen: Geld verdienen könne man mit seinem Job nicht. Die fünf Euro für die Führung gingen komplett ans Schiff. Aber der Job mache viel Spaß: „Einige mussten aufhören, sodass wir dringend Nachwuchs brauchen.“ Ob Mann oder Frau sei egal, das Alter praktisch auch.

Ein weiterer Hilferuf von Schiffsbetriebsmeister Ingo Müller-Fellmett richtet sich an alle, die Lust auf die Arbeit auf einem alten Schiff haben. Nur müssen seine freiwilligen Helfer nicht so gute Erzähler sein wie die potenziellen Gästeführer: „Am liebsten sind mir natürlich Leute mit handwerklichem Geschick und Fähigkeiten, die man auch schon einmal alleine loslassen kann – aber eigentlich nehme ich jeden und jede.“ Grundsätzlich sei es eben so, dass man auf dem Schulschiff immer Arbeit finde: „Wenn man vorne durch ist, fängt man hinten wieder an. Und zwischendurch geht es noch in den Mast, wenn es blöd läuft.“

Wer Lust hat, ehrenamtlich an Bord mitzumachen, kann sich telefonisch beim Deutschen Schulschiffverein melden unter der Rufnummer 0421 / 6 58 73 73.

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