Beim Senatsempfang für die SG Findorff: viele Gratulanten, einige Geburtstagsgeschenke und ernste Appelle Gesund, aber nicht wunschlos glücklich

Altstadt·Findorff. Ulrich Mäurer, Senator für Inneres und Sport, klagte über schwere Beine; Bürgerschaftspräsident Christian Weber erreichte das Rednerpult sichtlich humpelnd. Nachwirkungen eines gemeinsamen morgendlichen Dauerlaufs durch den Bürgerpark, wie die Bremer Politiker dem Publikum gestanden. Das tat ihrer guten Laune allerdings keinen Abbruch, und über die Segnungen der sportlichen Betätigung im Allgemeinen und der Vereinsarbeit im Besonderen hatten beide ansonsten nur Positives zu berichten.
20.01.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Altstadt·Findorff. Ulrich Mäurer, Senator für Inneres und Sport, klagte über schwere Beine; Bürgerschaftspräsident Christian Weber erreichte das Rednerpult sichtlich humpelnd. Nachwirkungen eines gemeinsamen morgendlichen Dauerlaufs durch den Bürgerpark, wie die Bremer Politiker dem Publikum gestanden. Das tat ihrer guten Laune allerdings keinen Abbruch, und über die Segnungen der sportlichen Betätigung im Allgemeinen und der Vereinsarbeit im Besonderen hatten beide ansonsten nur Positives zu berichten.

Das galt vor allem für ein ganzes Jahrhundert, auf das die SG Findorff nun zurückblicken kann. Bei einem festlichen Senatsempfang feierte der Findorffer Verein sich selbst, seine Geschichte und die vielen Sportlerinnen und Sportler, ehrenamtlichen Kräfte und engagierten Vorstandsmitglieder, die die beeindruckende Vergangenheit und die vitale Gegenwart des Vereins möglich gemacht haben.

Moderator Jens Jensen aus dem Festkomitee der SG Findorff konnte im feierlichen Rahmen des Kaminsaals des Bremer Rathauses eine große Gesellschaft begrüßen; darunter viele hochrangige Vertreter der Bremer Sportverbände sowie mit Birgit Busch und Petra Krümpfer zwei Bürgerschaftsabgeordnete. Geburtstagsgeschenke gab es auch: Sportsenator Ulrich Mäurer überreichte einen Scheck im Wert von 2000 Euro; für den Landessportbund übergab Präsident Peter Zenner eine Gutschrift über 500 Euro.

Mit Fusion Weitblick bewiesen

Vor fünf Jahren fusionierten zwei große Findorffer Sportvereine - die TuS Eintracht und der TvdB - zur SG Findorff. Und wie unproblematisch diese Fusion vonstatten ging, davon könnten sich andere Bremer Vereine "eine Scheibe abschneiden", lobte Sportsenator Ulrich Mäurer, selbst Findorffer Bürger und auch durch seine Kinder seit langem dem Verein verbunden, wie er erzählte. Mit dem Zusammenschluss habe der Verein Weitsicht bewiesen und trage sein Wappen mit Recht: "Hier sind viele schlaue Füchse zusammengekommen", so Mäurer. Mit seinem hohen Anteil an jungen Mitgliedern, mit Angeboten vom Mutter-Kind-Turnen bis zum Gesundheitssport spreche der Verein unterschiedlichste Zielgruppen an und präsentiere sich gut gerüstet für die Zukunft.

Wie wichtig die Arbeit der Sportvereine im gesellschaftlichen Ganzen ist, daran ließ der Sportsenator keinen Zweifel: "Der Sport hat die Fähigkeit, unterschiedlichste Menschen zu integrieren", so Mäurer. Gerade in Zeiten, in denen die modernen Kommunikationsmedien den Alltag immer mehr prägten, sorgten die sozialen Angebote der Vereine für eine "lebendige Kommunikation zwischen den Menschen", die immer kostbarer werde.

Rüdiger Rosenkötter - seit 2001 Vorsitzender des TvdB und seit 2005 Vorsitzender der SG Findorff - betonte die Struktur seines "modernen Turn- und Sportvereins" mit mehr als 3200 Mitgliedern. Kinder und Jugendliche machen dabei die Hälfte der Mitglieder aus. Der Verein kooperiert eng mit den Findorffer Kindergärten und Schulen; durch die Entwicklung zum Ganztagsbetrieb werden neue Konzepte der Zusammenarbeit entwickelt. Die intensive Jugendarbeit ist keine leichte Aufgabe für den Verein: "Gerade Kinder und Jugendliche brauchen wohnortnahe Sportstätten, und dabei stößt der Verein in Findorff an die Grenzen seiner Kapazität", so Rosenkötter. Der Vorsitzende nutzte die Gelegenheit, an "jahrezehntelange Versprechungen" der Verantwortlichen zu erinnern, die angesichts der Bremer Kassenlage bislang "ein Traum" geblieben seien. Doch auch die abnehmende Bereitschaft zum Ehrenamt macht der Vereinsarbeit zu schaffen, so Rosenkötter. Bei der Honorierung der Trainer sei der Verein im Vergleich

mit anderen Anbietern schlecht konkurrenzfähig. Es genüge nicht, wenn die Politik das soziale Wirken der Vereinsarbeit immer wieder betone, kritisierte Rosenkötter, wenn den Vereinen gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage entzogen würde. Für die Zukunft der SG Findorff sei es sein Wunsch, dass sich der Verein seinen Charakter erhalten könne und nicht gezwungen werde, sich zum "rein wirtschaftlich orientierten Dienstleistungsunternehmen" zu entwickeln.

Peter Zenner, Präsident des Bremer Landessportbundes, charakterisierte den Findorffer Verein als "realen sozialen Faktor" im Stadtteil und wagte eine gute Prognose für die Zukunft: Eine "Gefährdung" sehe er nicht, so Zenner. Dass Sportvereine im Allgemeinen "Schmelztiegel für die Menschen" seien, sei ihr großes Verdienst. Zenner verband diese Einschätzung mit einem Appell an den anwesenden Senator, für eine "angemessene" finanzielle Ausstattung zu sorgen.

Ganz tief in die Historie des Vereins hatte sich Christian Weber eingearbeitet. Der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, der gleichzeitig auch Präsident des Bremer Turnverbandes ist, hatte in den Chroniken bemerkenswerte Anekdoten gefunden. Er konnte zum Beispiel berichten, dass die Geschichte des finanziell klammen FC Eintracht - der Urzelle der späteren TuS Eintracht - beinahe ein frühes Ende gefunden hätte, als gleich drei neue Lederbälle einer vorbeifahrenden Pferdekutsche zum Opfer gefallen waren.

Hohe Verluste waren auch auf dem früheren Trainingsplatz am Torfhafen zu beklagen, wo nicht wenige Fußbälle im Hafenbecken landeten. Weber konnte mit sichtlichem Vergnügen von lange vergessenen Sportarten wie "Trommelball" oder "Schlagball" erzählen; von großen sportlichen Erfolgen, von "Familienlegenden und Heldensagen". Für die integrative Kraft des Sportvereines liefere die Geschichte der SG Findorff viele Beispiele, so Weber: Immer wieder habe man sich im Laufe der Zeit mit bestehenden kleineren Vereinen zusammengeschlossen. Und mit der Fusion von TvdB und TuS Eintracht hätten sich zwei Vereine zusammengefunden, deren Verbindung in früheren Zeiten schier "unvorstellbar" gewesen wäre, so Weber, denn der TvdB repräsentierte einst den bürgerlichen Teil der Findorffer Gesellschaft, während die TuS Eintracht als "roter" Verein ihre Klientel ursprünglich im Arbeitermilieu fand. Nicht zuletzt habe man in Findorff schon Inklusion praktiziert, lange bevor der Begriff in aller Munde war, so

Weber, der damit an das Engagement von Annaliese Waßmuth erinnerte.

Bei so viel Lob und Unterstützung aus den Mündern der Festredner konnte Moderator Jens Jensen nicht umhin, einen hoffnungsfrohen "Silberstreif" für das künftige Engagement der verantwortlichen Politiker zwischen den Zeilen mitzuhören, so sein Fazit. Verlassen können sich die Vereinsmitglieder und ihre Gäste definitiv auf ein Jubiläumsjahr mit vielen sportlichen Großereignissen.

Das genaue Programm ist der druckfrischen Jubiläumsschrift zu entnehmen, die in der Geschäftsstelle des Vereins an der Hemmstraße 357-359 erhältlich ist (Öffnungszeiten Montag und Donnerstag von 16 bis 19 Uhr, Dienstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr). Weitere Informationen über den Verein und sein Angebot finden sich auch im Internet unter www.sg-findorff.de.

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