Kinder aus der Umgebung Tschernobyls genießen Erholungsurlaub / Spende vom Schuhpark Gesunde Nahrung und neue Schuhe

Hastedt. Zwölf Jungen und zwölf Mädchen aus der kontaminierten weißrussischen Region nahe des 1986 zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl waren drei Wochen für einen Erholungsurlaub zu Gast in Deutschland. Der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe für Osteuropa" in Beverstedt bei Bremerhaven hat die Reise ermöglicht. Im Vordergrund stand, dass die Kinder einige Zeit in einer gesunden Umgebung verbringen und nicht-kontaminiertes Essen bekommen. Aber es gab auch noch einige Überraschungen für die Kinder, beispielsweise im Schuhpark in Hastedt. In dem Schuhgeschäft in der Dölvesstraße bekamen die Kinder feste Schuhe für den kommenden Herbst geschenkt.
06.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Hastedt. Zwölf Jungen und zwölf Mädchen aus der kontaminierten weißrussischen Region nahe des 1986 zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl waren drei Wochen für einen Erholungsurlaub zu Gast in Deutschland. Der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe für Osteuropa" in Beverstedt bei Bremerhaven hat die Reise ermöglicht. Im Vordergrund stand, dass die Kinder einige Zeit in einer gesunden Umgebung verbringen und nicht-kontaminiertes Essen bekommen. Aber es gab auch noch einige Überraschungen für die Kinder, beispielsweise im Schuhpark in Hastedt. In dem Schuhgeschäft in der Dölvesstraße bekamen die Kinder feste Schuhe für den kommenden Herbst geschenkt.

Die Jungen entschieden sich fast alle für Turnschuhe, viele davon in knalligen Farben. Für die Mädchen durften es neben Turnschuhen gern auch modische Ballerinas sein. Die Betreuerinnen Olga Barbaschinskaja, Irina Tschechowitsch und Swetlana Margolina hatten ihre Mühe, den Kindern klar zu machen, dass es bald kälter wird und sie dann festeres Schuhwerk brauchen.

Bereits 2011 habe das Geschäft Kindern aus der Region um Tschernobyl Schuhe geschenkt, sagt Inge Diestelkamp vom Schuhpark. "Da haben wir gesehen, aus was für einem Elend die Kinder kommen und da hat der Chef gesagt, wir wiederholen das." Die Menschen, die noch in der Region um Tschernobyl leben, gehören zu den ärmsten in Weißrussland. Viele Familien seien zerrüttet, viele Menschen seien alleinerziehend, oft gebe es Probleme mit Alkohol. In der Gruppe der Kinder befanden sich auch einige Vollwaisen, die bei Verwandten leben. Ihnen falle die Rückkehr in die Heimat nach so einem Erholungsurlaub besonders schwer, erzählt Swetlana Margolina. Sie hat bereits öfter mit dem Beverstedter Verein zusammengearbeitet und hat vor Ort die Gruppe für den diesjährigen Erholungsurlaub – alles Schülerinnen und Schüler von neun bis zehn Jahren aus zwei Schulen der Region – zusammengestellt.

Die Kinder sind am Wochenende bereits wieder abgereist. Sie waren drei Wochen im Landheim für Kinder in Bokel untergebracht, wo sie viel frische Luft und gesundes Essen bekamen, das nicht auf kontaminiertem Boden gewachsen ist. Ärztliche Untersuchungen an Kindern der Region um Tschernobyl hätten gezeigt, dass sich die gefährlichen Stoffe Strontium und Cäsium, die bei dem Unglück freigesetzt wurden, bereits in den Organen der Kinder abgesetzt haben, sagt Swetlana Margolina. Ein drei-, besser noch vierwöchiger Urlaub im Jahr in einer nicht verseuchten Region würde dem Immunsystem der Kinder wieder für eine Zeit auf die Sprünge helfen. Zwar organisiere die weißrussische Regierung auch solche Urlaube im eigenen Land. Doch das Essen, das die Kinder in diesen Urlauben bekämen, sei wenigstens teilweise verseucht, sagt Margolina.

Während ihres Erholungsurlaubs in Deutschland haben die Mädchen und Jungen viel Zuwendung erfahren. Einige große Hotels haben sie zum Essen eingeladen. Die Kinder durften so viel essen, wie sie wollen. Sie haben Ausflüge ans Meer und zu den Seehundbänken gemacht und unter anderem einen Bauernhof besucht.

Der Verein "Hilfe zur Selbsthilfe für Osteuropa" ist seit 1996 aktiv und hat seitdem schon öfter Kinder aus der Region Tschernobyl nach Deutschland geholt. Jedes Jahr ginge das aber nicht, sagt Vorstandsmitglied Renate Heikes. "Diese Aktion kostet zwischen 16000 und 18000 Euro." Das Geld wird allein durch Spenden zusammengetragen. Die Helferinnen und Helfer des Vereins engagieren sich alle ehrenamtlich und bringen neben ihrer Zeit auch viele Sachspenden ein.

In Weißrussland haben die Kinder neben ihren neuen Schuhen viel gebrauchte Kleidung mitgenommen, die die Beverstedter gespendet haben, erzählt die erste Vorsitzende des Vereins, Ortrud Heldt. "Das ist eine Wahnsinns- Logistik." Die bergeweise gespendete Kleidung sortieren die Vereinsmitglieder selbst. Besonders wichtig sind vor allem auch Geldspenden, denn allein die Busfahrt von Tschernobyl nach Norddeutschland koste um die 2000 Euro, berichtet Ortrud Heldt.

Ähnlich geht es der 1998 gegründeten Tschernobyl-Initiative Bremen. Auch dieser Verein mit Sitz in Huchting holt regelmäßig Kinder aus der Region Tschernobyl für Erholungsurlaube nach Deutschlandund ist auf Spenden angewiesen.

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