Nach erneutem Keimfund im Klinikum Bremen-Mitte Gesundheit Nord sucht nach Ursache

Bremen. Das Bremer Klinikum-Mitte kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wieder wurden bei einem Baby resistente Darmkeime nachgewiesen, wieder ist die Ursache unklar. Um eine Infektionswelle scheint es sich diesmal aber nicht zu handeln.
16.05.2012, 16:11
Lesedauer: 2 Min
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Bremen. Das Bremer Klinikum-Mitte kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wieder wurden bei einem Baby resistente Darmkeime nachgewiesen, wieder ist die Ursache unklar. Um eine Infektionswelle scheint es sich diesmal aber nicht zu handeln.

Resistente Darmbakterien bei einem Baby sorgen im Klinikum Bremen-Mitte erneut für Aufregung. Der Junge ist zwar nicht erkrankt, und andere Patienten sind nicht betroffen. Dennoch sind die Mediziner beunruhigt. Bislang ist unklar, wie das Kind mit dem gefährlichen Erreger in Kontakt kommen konnte. Experten suchen mit Hochdruck nach der Ursache. Seit vergangenem Jahr waren in dem Krankenhaus mehrere Frühchen nach einem Keimausbruch gestorben.

Wie damals sind in dem aktuellen Fall wieder Bakterien der Gattung Klebsiella aufgetaucht. Ob es sich um genau die gleiche Variante handelt, muss eine Laboranalyse zeigen. Das Ergebnis wird nach Angaben der Klinik in etwa drei Wochen vorliegen. Damit der Keimnicht auf andere Patienten übertragen wird, haben die Ärzte den Jungen auf der Station isoliert.

Das zehn Wochen alte Baby war wegen eines Leistenbruchs in die Klinik gekommen. Nach der Operation hatte ein Abstrich, der bei allen Patienten mit hohem Infektionsrisiko gemacht wird, den Erreger auf seiner Haut nachgewiesen. Bei der Aufnahme war der Test negativ ausgefallen. Inzwischen konnten die Experten den Zeitraum, wann der Junge auf der Kinderchirurgie mit dem Keimin Berührung gekommen sein muss, eingrenzen. "Alle Mitarbeiter, die in der Zeit dort gearbeitet haben, werden gescreent", sagte der Sprecher des Klinikverbundes, Rolf Schlüter.

Parallel soll eine Hygienefachkraft die Abläufe auf der Station untersuchen, um mögliche Fehler aufzudecken. Die Klinik macht sich aber keine große Hoffnung, die Herkunft des Erregers eindeutig klären zu können. "Es gibt natürlich Tausend verschiedene Ursachen", erläutert Schlüter.

„Für die Öffentlichkeit ist es beunruhigend, vom Keim-Ausbruch in Bremerhaven wieder erst im Nachhinein informiert zu werden“, kommentiert Claudia Bernhard, Mitglied für Die Linke im Untersuchungsausschuss Klinik-Keime. Wenn eine Station geschlossen, desinfiziert und renoviert werde, könne man das nicht mit der Bemerkung abtun, das Ressort müsse nicht über ‚jeden Keimvorfall‘ informieren. "Die Patienten und die Öffentlichkeit wollen wissen, was Sache ist. Das Ressort muss endlich begreifen: Nur Transparenz schafft Sicherheit und Akzeptanz.“

Auch bei der tödlichen Infektionswelle im vergangenen Jahr und dem erneuten Keimausbruch im Februar auf der Frühchenstation konnten die Experten nicht herausfinden, wie sich der Erreger ausgebreitet hatte. Eine Untersuchung von Klinikmitarbeitern sowie Besuchern, Handwerkern und Reinigungskräften brachte kein Ergebnis. Die Abteilung und der Kreißsaal im Klinikum Mitte sind seither geschlossen.

Die übrigen Krankenhäuser in Bremen müssen deshalb deutlich mehr Geburten stemmen. Diese sind der zusätzlichen Belastung nach Ansicht des Berufsverbands der Frauenärzte nicht gewachsen. Das Personal sei überarbeitet, es herrschten lazarettähnliche Zustände.

"Bisher mussten wir keine Schwangere abweisen", sagte dagegen der Geschäftsführer des St. Joseph Stift, Torsten Jarchow. Das Krankenhaus geht in diesem Jahr von rund 500 Geburten mehr aus und hat deshalb zusätzliches Personal eingestellt. Auch in der städtischen Klinik Links der Weser, die zum Teil auch die Frühchenstation übernommen hat, habe sich die Situation inzwischen normalisiert, sagte Schlüter.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde haben die Bremer Krankenhäuser mit Geburtshilfe am Mittwoch bei einem runden Tisch beschlossen, sich in einem Netzwerk zusammenzuschließen. Ziel sei unter anderem, sich besser abzustimmen, um so die Verlegung von Risikoschwangeren zu vermeiden. (dpa/yvo)

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