Nach Keimfunden in Bremer Klinik Gesundheit Nord zieht erste Konsequenzen

Bremen. Nach dem Tod dreier Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte hat der Betreiber Gesundheit Nord (Geno) nun erste Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen. Unter anderem soll die Führungsstruktur der Kinderklinik verändert werden.
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Gesundheit Nord zieht erste Konsequenzen
Von Matthias Lüdecke

Bremen. Nach dem Tod dreier Frühchen auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Klinikums Mitte hat der Betreiber Gesundheit Nord (Geno) nun erste Konsequenzen aus den Vorfällen gezogen. So sollen die Führungsstruktur der Kinderklinik umgebaut, ein neuer Krankenhaushygieniker eingestellt und die Station baulich verändert werden. Zudem will man Keimausbrüche künftig elektronisch erfassen. Zurückrudern musste die Geno allerdings bei Aussagen ihres Geschäftsführers zur Personalausstattung der Frühchen-Station.

Der Tod der drei Frühchen, die sich mit einem multiresistenten Klebsiella-Keim infiziert hatten, wird nicht ohne Folgen bleiben. Insgesamt waren seit April dieses Jahres 25 Frühchen mit dem Keim in Kontakt gekommen. Mindestens neun erkrankten, drei starben daran, ein weiteres erlag einer Hirnblutung. Der Klinikverbund Geno, der auch das Klinikum Bremen-Mitte betreibt, kündigte sowohl bauliche als auch strukturelle Veränderungen an.

Wie berichtet, soll die betroffene Station in Teilen umgebaut und umfassend desinfiziert werden. Die Wiedereröffnung plant Geno-Geschäftsführer Diethelm Hansen noch vor Weihnachten. Künftig soll es zudem für die Frühchen-Station und die Professor-Hess-Kinderklinik wieder zwei Leiter geben. Zuletzt hatte Hans-Iko Huppertz beide Ämter bekleidet. Die Geno hatte ihn am 15. November fristlos entlassen, weil sie ihm schwere Versäumnisse im Umgang mit dem Keimausbruch vorwirft.

Thomas Hollnagel, Betriebsratschef am Klinikum Mitte, zeigte sich gestern erfreut über Hansens Entscheidung, die die Verhältnisse des Jahres 2005 wiederherstellt. Damals war der Leiter der Kinderklinik in Pension gegangen, und die Ämter wurden zusammengefasst. "Aus fachlicher Sicht ist die Entscheidung begrüßenswert", sagte Hollnagel. Zunächst sollen die Posten kommissarisch besetzt werden, und zumindest ein Interims-Chef für die Professor-Hess-Kinderklinik ist inzwischen gefunden: Wolfgang Marg, bisher leitender Oberarzt in der Klinik, wird das Amt übernehmen, wie Geno-Sprecherin Karen Matiszick gestern erklärte.

Die Aufteilung der Chefarztposten ist aber nicht die einzige personelle Konsequenz, die die Geno aus den Keimvorfällen ziehen will. Auch der Posten des Krankenhaushygienikers soll neu besetzt werden. Bislang hat ein Mikrobiologe dieses Amt inne - darf das, aufgrund einer neuen gesetzlichen Regelung, aber nur noch für einen Übergangzeitraum. Die Personalie war deshalb unter Experten umstritten. Die Geno hat die Stelle nun ausgeschrieben und sucht dafür einen Mediziner. Sie will das, so betont Matiszick, aber nicht als Zweifel an der Qualifikation des bisherigen Krankenhaushygienikers verstanden wissen.

Sein Nachfolger wird dann wohl auch auf eine neue Infrastruktur zurückgreifen können. Denn die Geno will Keimfunde künftig mit einem computergestützten System erfassen - und nicht mehr nur auf Papier. "Das war nicht optimal", sagte Matiszick. "Wir wollen nun ein elektronisches Frühwarnsystem entwickeln, damit es bei einem Ausbruch möglichst nicht mehr zu Verzögerungen kommt."

Es sind nur erste Maßnahmen, die die Geno jetzt vorgestellt hat. Sie hatte im November auch Experten des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg eingeladen. Die Experten sollten sich ebenfalls ein Bild von der Situation machen und Verbesserungsvorschläge entwickeln. Auch diese will der Klinikverbund aufgreifen. Die jetzigen Veränderungen gehen zum Teil auch auf die Empfehlungen der Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zurück, die Anfang November die Station untersucht hatten, um herauszufinden, wie der Keim auf der Station ausgebrochen war und sich verbreiten konnte.

Immerhin hat die Zahl der Mitarbeiter auf der Station laut RKI-Bericht keine Rolle bei der Verbreitung des Keims gespielt. Hansen hatte das bei der Deputationssitzung am Donnerstag als gute Nachricht bewertet - und eine Analyse der Mitarbeiterstärke auf der Station für das gesamte laufende Jahr vorgelegt. Er kam zu dem Ergebnis, dass das Verhältnis von Pflegepersonal zu Patienten nur in wenigen Ausnahmefällen über der von einer Fachgesellschaft empfohlenen Quote gelegen habe. Diese liege bei 1:3 oder 1:4. Tatsächlich empfiehlt die Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin nur eine Quote von 1:3. Ein Fehler, den Geno-Sprecherin Karen Matiszick gestern einräumte. Diese Quote erreichte die Geno - auch laut RKI-Bericht - nicht flächendeckend. "Das Betreuungsverhältnis hat nicht immer bei 1:3 gelegen", erklärte auch Matiszick, "im Durchschnitt lag es aber auch besser als 1:4."

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