Forscher der Universität Bremen starten Projekt in der Neustadt und in Gröpelingen

Gesundheitsversorgung im Fokus

Neustadt ·Horn-Lehe (scd). Wie ist es möglich, Menschen mit verschiedenen Sprachen, Erfahrungen und unterschiedlichem Wissen im deutschen Gesundheitssystem gut zu versorgen? Wie kann ein Wohlfahrtsstaat wie Deutschland von den Kompetenzen und Kenntnissen einer sozial und kulturell unterschiedlichen Bevölkerung lernen? Das sind Fragen, denen das neue Projekt „Welfare-Bricolage“, deutsch: Wohlfahrtsbastelei, nachgeht. Ethnologen und Gesundheitswissenschaftler der Universität Bremen haben das Forschungsvorhaben jetzt in den Stadtteilen Neustadt und Gröpelingen gestartet
01.06.2015, 00:00
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Gesundheitsversorgung im Fokus
Von Detlev Scheil

Wie ist es möglich, Menschen mit verschiedenen Sprachen, Erfahrungen und unterschiedlichem Wissen im deutschen Gesundheitssystem gut zu versorgen? Wie kann ein Wohlfahrtsstaat wie Deutschland von den Kompetenzen und Kenntnissen einer sozial und kulturell unterschiedlichen Bevölkerung lernen? Das sind Fragen, denen das neue Projekt „Welfare-Bricolage“, deutsch: Wohlfahrtsbastelei, nachgeht. Ethnologen und Gesundheitswissenschaftler der Universität Bremen haben das Forschungsvorhaben jetzt in den Stadtteilen Neustadt und Gröpelingen gestartet

„In diesem Forschungsprojekt wollen wir all die Praktiken und Strategien der Bewohnerinnen und Bewohner kennenlernen und besser verstehen“, sagt die Ethnologin Michi Knecht, die das Vorhaben leitet. Das Projekt wird in Kooperation mit Professor Hajo Zeeb und Tilman Brand vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS verwirklicht. Gefördert wird es drei Jahre lang von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 300 000 Euro.

In den beiden Stadtteilen werden die Gesundheitswissenschaftlerin Florence Samkange-Zeeb und der Ethnologe Martin Gruber die Untersuchungen mit einem Methoden-Mix aus teilnehmender Beobachtung, Kartierungen und Befragungen vornehmen. Vor Ort werden sie von speziell geschulten Bürgern aus den beiden Stadtteilen unterstützt.

„Wir gehen davon aus, dass die Gesundheitsversorgung unter den gesellschaftlichen Bedingungen der Globalisierung nicht mehr für alle Menschen ohne Weiteres zugänglich ist“, sagt Professorin Michi Knecht vom Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft der Uni Bremen. Vor allem in sozial und kulturell vielfältigen Stadtvierteln würden sich die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Gesundheitsversorgung immer häufiger „zusammenbasteln“. Manche suchen nicht nur Ärzte auf, sondern besorgen sich Informationen und Unterstützung auch informell etwa in religiösen Gemeinschaften oder im Internet. Einige sind nicht krankenversichert.

Die Bremer Forscher kooperieren mit einer Vielzahl internationaler und lokaler Partner. Dazu gehören unter anderem ein Institut der Universität Birmingham in England, das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen, der Gesundheitstreffpunkt West in Gröpelingen und das Interkulturelle Gesundheitsnetzwerk (IGN).

Zum Vergleich werden in dem internationalen Projekt auch in Großbritannien, Portugal und Schweden einige benachteiligte und wohlhabendere Stadtteile untersucht.

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